Bundeswertpapiere sind wieder interessant. Die Abwicklung wurde kundenfreundlicher gestaltet. Der Staat tritt wie eine Direktbank auf und ermöglicht die Kontoführung per Internet und Telefon.
Bundeswertpapiere waren in den letzten Jahren nahezu vollständig aus der Wahrnehmung von Privatanlegern verschwunden. Die Anlagemöglichkeiten und die schwerfällige Abwicklung waren lange Zeit nur mäßig attraktiv. Auch die Österreichische Bundesfinanzagentur zog zuletzt zunehmend Gelder ab: Bereits seit Herbst 2002 können Bundesschätze der Republik Österreich direkt über das Internet gekauft werden. Das Angebot ist transparent und in moderner Form präsentiert, Kunden aus Deutschland sind willkommen.
Der Deutsche Staat musste reagieren: Die Aufgaben der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg gingen im Juli 2006 auf die Finanzagentur GmbH in Frankfurt über. Das bundeseigene Unternehmen bündelt nun die komplette Schuldenverwaltung des Bundes. Der Direktvertrieb für Privatkunden wurde deutlich kundenfreundlicher gestaltet und ist mit den Standards von Banken vergleichbar. Bundeswertpapiere können weiterhin kostenfrei erworben und verwahrt werden. Bei der Kontoeröffnung muss die Kundenunterschrift entweder von einer Bank oder über das PostIdent-Verfahren bestätigt werden. Es wird ein "Schuldbuchkonto" eingerichtet, auf das online, telefonisch und schriftlich zugegriffen werden kann. Die Rufnummern der Telefonhotlines sind gebührenfrei. Die Zinskonditionen sind wieder wettbewerbsfähig. Seit Juli 2008 erweitert eine tagesgeldähnliche Anleihe das klassische Angebot an Schatzbriefen, Finanzierungsschätzen und Obligationen. Der Zinssatz der Tagesgeldanleihe orientiert sich am Geldmarktsatz EONIA ("Euro OverNight Index Average"), einem Durchschnittszinssatz für auf Euro lautende Übernachtausleihungen unter Banken, der sich im Normalfall um den Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt. An den Anleger wird dieser EONIA-Satz in der Regel in Höhe von 92,50% weitergegeben. Die Titel des Bundes sind mit Ausnahme der Tagesanleihe auch über Banken erhältlich, jedoch fallen hier gegebenenfalls Depotgebühren und Transaktionskosten an.
Beim risikoscheuen Zielpublikum war über Jahrzehnte der Bundesschatzbrief am beliebtesten. Bundesschatzbriefe haben eine feste Laufzeit von sechs bzw. sieben Jahren und feste Zinssätze, die gemäß einer Zinstreppe von Jahr zu Jahr ansteigen. Bei Typ A werden die Zinsen jährlich ausgezahlt, bei Typ B werden sie angesammelt und erst im siebten Jahr ausgezahlt und versteuert. Der Anleger bleibt flexibel: Nach einem Jahr können die Papiere vorzeitig zurückgegeben werden (bis zu EUR 5.000 innerhalb von 30 Zinstagen). Bei der Finanzagentur ist dies kostenfrei.
Finanzierungsschätze gibt es für die 1- und 2-jährige Laufzeit. Sie werden abgezinst ausgegeben, dies bedeutet, dass die Zinsen für die gesamte Laufzeit beim Kauf vom Nennwert abgezogen werden. Finanzierungsschätze werden aufgrund ihrer kurzen Laufzeit nicht in den Börsenhandel eingeführt, sie können auch nicht vorzeitig zurückgegeben werden.
Die Anlagelaufzeit bei Bundesobligationen beträgt fünf Jahre. Die Ausgabe-Serien werden an der Börse eingeführt, sodass sie täglich gehandelt werden können. Die jüngste Ausgabe-Serie kann jeweils gebührenfrei über die Finanzagentur gekauft werden. Ein Verkauf ist auch hier nicht spesenfrei, es werden 0,40% vom Kurswert berechnet und Aufträge können zudem noch nicht mit einem Limit versehen werden.
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