Brokerage: flatex versus onvista bank – Wo das Depot eröffnen?

Viele Wertpapieranleger in Deutschland, die mit ihrem Depot zu einem günstigen Online-Broker wechseln wollen, stellen sich schlussendlich die Frage, ob flatex oder onvista bank die bessere Wahl für sie ist. Beide gehören unter dem Kostenaspekt zu den Branchenbesten. Wir geben nachfolgend eine Entscheidungshilfe, heben die Unterscheidungsmerkmale hervor.

onvista bank hat zwei Preismodelle, für die direkte Gegenüberstellung haben wir das Preismodell "EUR 5,00 Festpreis-Depot" herangezogen, da dieses ähnlich zu dem von flatex ist. Bei diesem gibt es keine gebührenfreien Käufe (FreeBuys), dafür sowohl für Kauf als auch Verkauf einen erschwinglichen Orderpreis. Ein grobes Fazit vorab: Wer ausländische Dividendenpapiere im Depot hat, sollte sich für onivsta bank entscheiden. Und auch insgesamt fährt man wohl mit onvista bank nach den Preisanhebungen von flatex im November 2017 tendenziell eine Spur günstiger, mit den Vorteilen sich nicht mit Negativzinsen auf Guthaben arrangieren zu müssen und auf Xetra Frankfurt, Quotrix und im außerbörslichen Handel einen tieferen Endpreis für die Order zu haben - EUR 6,50.

Depotgebühr

Für die Führung von Depot und dessen Verrechnungskonto verlangen beide keine Gebühren. Das gilt selbst dann, wenn nicht gehandelt wird oder der Depotbestand klein ist. Es gibt keine Bedingungen.

Online-Inlandsorder

Beide punkten mit Orderpreisen, die in kaum einer Ordervariante den einstelligen Eurobereich überschreiten. Der eigene Preisanteil ist zudem für jedes Ordervolumen gleich, egal ob für EUR 1.000 oder EUR 10.000. Solche pauschalen Preise können sich für den Kunden insbesondere bei größeren Orders lohnen.

Bei flatex steht in der Ordermaske "flatex Preis" für den außerbörslichen Handel - meist ist das bei flatex der Handel über Tradegate. Der Handel darüber kostet EUR 5,90. flatex reicht seit November 2017 auch hier Fremdspesen an den Kunden weiter. Bislang konnten Anleger im Allgemeinen gerade dort darauf zählen, dass keine anfallen. Zu Tradegate gibt flatex die Höhe der Fremdspesen mit EUR 0,83 oder EUR 2,63. Auf explizite Nachfrage teilte uns flatex mit, dass sie nicht direkt von Tradegate stammen, sondern in Form einer Regulierungsgebühr und eines Schlussnotendatenträgerentgelts für die Abwicklung der Order zum Handelspartner erhoben werden. Wovon es abhängig ist, welcher der beiden Preise gelten soll, ist uns noch unklar, vermutlich von der Wertpapiergattung - in der Summe ergeben sich EUR 6,73 bzw. EUR 8,53. Bei onvista bank kostet die Ausführung im außerbörslichen Handel EUR 5,00 zuzüglich EUR 1,50 Handelsplatzgebühr und somit in beiden Fällen weniger.

An den deutschen Börsen erhebt flatex für die Orderausführung eine Gebühr von EUR 5,90 und reicht zusätzlich alle anfallenden Fremdspesen an den Kunden weiter. Die Fremdspesen sind ein variabler Bestandteil, abhängig von Börsenplatz, Wertpapierart und prozentual von der Ordergröße. Sie lassen sich aufgrund der vielen, je nach Börse unterschiedlichen Einzelposten vorab kaum genau beziffern; eine Aufstellung findet man bei den beiden Online-Brokern und auf der jeweiligen Internetseite der Börsen. Auf Xetra Frankfurt beispielsweise betragen die Fremdspesen in der Summe bei flatex mindestens EUR 2,24. flatex rechnet die Fremdspesen nicht direkt mit der Order ab, sondern zieht sie später separat vom Depot-Verrechnungskonto ein, was ein wenig unübersichtlich ist.

onvista bank erhebt für die Orderausführung an deutschen Börsen an eigenen Gebühren EUR 5,00 plus EUR 1,50 Handelsplatzgebühr. Speziell im Preismodell Festpreis-Depot kommt über Xetra Frankfurt, Tradegate und Quotrix nichts hinzu. An den anderen deutschen Regionalbörsen, auch den Präsenzhandel in Frankfurt bezeichnet onvista bank als Regionalbörse, gibt onvista bank trotz dieser pauschalierten Handelsplatzgebühr zusätzlich alle anfallenden Fremdspesen an den Kunden weiter. Im Endpreis ist onvista bank somit über Xetra Frankfurt und Quotrix mit EUR 6,50 deutlich günstiger als flatex und an den anderen deutschen Börsen - vorausgesetzt die von den beiden Online-Brokern weitergegebenen Fremdspesen sind wirklich gleichhoch - etwas teurer.

Limits

Beide erheben für das Setzen, Ändern und Streichen von Limits keine Gebühren. Man kann die Order nach Belieben an die Kursentwicklung anpassen.

Negativzins bei flatex

flatex führte im März 2017 für Guthaben auf dem Depot-Verrechnungskonto einen Negativzins von minus 0,40% ein. Bei einem durchschnittlichen Kontoguthaben von beispielsweise EUR 10.000 ergeben sich EUR 10,00 Zinskosten pro Quartal. Guthaben halten viele Kunden normalerweise für Kaufgelegenheiten bereit bzw. in der Zeit bis die gesteckten Kauflimits bedient werden. Auch durch Ertragsausschüttungen, Endfälligkeiten und Verkäufe kommt es immer wieder einmal zu Buchungen im Haben. Damit die Kosten der Negativzinsen im unwesentlichen Bereich bleiben, sollte man bei flatex versuchen, den Kontostand nahe null zu halten. Das ist natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die Strategie muss lauten, auflaufende Guthaben konsequent zu einer anderen Bank zu überweisen. Dabei besteht die Gefahr, ungewollt kurzzeitig ins Minus zu rutschen, entscheidend ist nämlich das Valutadatum, das bei Wertpapierabrechnungen ein oder zwei Banktage später als das Buchungsdatum liegt. Erst zum Datum der valutamäßigen Wertstellung ist das Geld auf dem Konto, nicht bereits, wenn die Buchung in den Umsätzen erscheint. Um bei den Käufen zu optimieren, ist dieser Fakt ebenfalls relevant. flatex richtet den allermeisten Depotkunden automatisch ohne Kreditantrag eine Kreditlinie basierend auf den Beständen im Depot ein. Der variable Sollzins beträgt dabei zurzeit gerade einmal 3,84% p. a, bei vierteljährlicher Belastung, effektiv sind das 3,90% p. a. Den Kredit muss man nicht real in Anspruch nehmen, man hat durch ihn Kaufkraft und überweist bis zur Valuta der Abbuchung den Geldbetrag von der anderen Bank auf das Konto bei flatex. Wer eine größere Kreditlinie möchte als automatisch zur Verfügung gestellt, kann einen sogenannten Lombardkredit (Effektenkredit) beantragen. Die Beleihungssätze der im Depot befindlichen Wertpapiere sind hierbei höher. Bei flatex lässt sich dazu im Online-Banking unter "Service" ein Formular downloaden. Die kurze Selbstauskunft ist unterschrieben auf dem Postweg einzureichen, bis EUR 250.000 ist das recht problemlos, ohne das Einreichen von Einkommensnachweisen und Einkommensteuerbescheiden. Entgelte für das bloße Bereitstellen des Lombardkredits verlangt flatex nicht.

onvista bank hat keine Negativzinsen und wirbt seit März 2017 offensiv damit, dass bei ihr dauerhaft keine anfallen werden.

Gebühr auf Auslandsdividenden bei flatex

Dividendenausschüttende Auslandsaktien im Depot bei flatex zu verwahren, ist keine gute Idee, denn flatex bepreist sie, was ungewöhnlich ist. Für jede Dividendenzahlung unter EUR 15,00 aus ausländischen Aktien (selbst wenn im Inland gelagert) erhebt flatex eine Gebühr von EUR 1,50. Für Dividendenzahlungen ab EUR 15,00 aus ausländischen Aktien beträgt die Gebühr EUR 5,00. Amerikanische Aktien schütten größtenteils alle drei Monate aus, ein erheblicher Anteil dieser Dividenden würde so einbehalten werden. Ausländische ETFs oder Fonds sind davon nicht betroffen, lediglich ausländische Aktien.

Teilausführungen

flatex erhebt bei Teilausführungen innerhalb eines Tages die eigene Orderprovision generell nur einmal.

Bei onvista bank sind taggleiche Teilausführungen nur an den Börsen Xetra Frankfurt, Frankfurt und Frankfurt Zertifikate ohne mehrmaliges Belasten der eigenen Orderprovision. Die Fremdspesen werden wie bei den Inlandsorders beschrieben von beiden weitergereicht.

Bezugsrechte

Das Ausüben von Bezugsrechten jeglicher Art - sprich der Handel mit ihnen innerhalb der Bezugsfrist oder der Verkauf nicht ausgeübter Bezugsrechte am letzten Handelstag - kostet bei flatex EUR 5,90 zuzüglich der Fremdspesen.

Bei onvista bank ist das Ausüben von Bezugsrechten mit EUR 10,00 zuzüglich der Fremdspesen wesentlich teurer als die gewöhnliche Gebühr für die Inlandsorder.

ETFs

Als Einmalanlage werden ETF-Käufe zur gewöhnlichen Ordergebühr abgerechnet, es sei denn, es gelten Aktionskonditionen. flatex hat nur bei den Sparplänen Aktionskonditionen: Die ETFs von ComStage, Lyxor und x-trackers sind hier ohne Ordergebühren. Alle anderen sparplanfähigen ETFs, ca. 350 sind insgesamt verfügbar, rechnet flatex mit EUR 1,50 pro Sparplanausführung ab. Die Mindestsparrate beträgt EUR 50,00.

Noch bis 31.12.17 können bei onvista bank 19 ETFs von Vanguard als Einmalanlage ab einem Ordervolumen von EUR 1.000 ohne Ordergebühren über den Handelspartner Baader Bank gekauft werden. An Sparplänen auf ETFs hat onvista bank ein kleines Angebot mit 88 ETFs, diese sind jedoch alle ohne Ordergebühren; ebenfalls ab EUR 50,00 Sparrate kann investiert werden.

Neukundenaktion

flatex macht selten ein Neukundenangebot, zurzeit nicht.

Das hier vorgestellte Festpreis-Depot der onvista bank ist im Grunde ein Neukundenangebot mit eigenem Preis- und Leistungsverzeichnis. onvista bank legte es im November 2012 zum 15-jährigen Jubiläum auf und verlängerte es immer, sodass man sich noch heute bei Abschluss für dieses Preismodell entscheiden kann. Das Festpreis-Depot lässt sich nicht mit anderen Neukundenaktionen wie etwa der iPad-Aktion oder der Fondsübertrag-Aktion kombinieren.

Beständigkeit

flatex ist im April 2006 mit einer volumenunabhängigen Ordergebühr von EUR 5,00 auf dem deutschen Markt eingetreten. Die Gebühr auf Auslandsdividenden und der Negativzins kamen später hinzu. Im Novmber 2017 folgten nach 11½ Jahren Preisstabilität leichte Preisanhebungen im börslichen und außerbörslichen Handel. Ebenfalls wurde im November 2017 die ETF-Sparplanausführung teurer und eine Gebühr für das Eintragen von Namensaktien bei börslichen Kauforders eingeführt.

onvista bank wirbt mit "dauerhaft" in Bezug auf die EUR 5,00 Ordergebühr. Die pauschale Handelsplatzgebühr ist aber hinzuzurechnen und ab Juli 2014 wurden zusätzlich zu der Pauschale plötzlich auch in diesem Preismodell mit Ausnahme von Xetra Frankfurt, Tradegate und Quotrix die tatsächlich anfallenden Börsengebühren, Maklercourtage und ähnliche Kosten an den Kunden weitergegeben. Die onvista bank gehört seit April 2017 zur Unternehmensgruppe von comdirect. Die Marke onvista bank und deren bisherige Preispolitik sollen beibehalten werden, beteuerte comdirect bei der Übernahme. Ob sich comdirect bzw. die hinter ihr stehende Commerzbank auf Dauer für das Brokerage eine deutlich preisgünstigere Zweitmarke mit eigenen Prozessen leisten wird, ist ungewiss, zumindest dürften einige Anpassungen kommen, das ist wahrscheinlicher als bei flatex.

  1. Anbieterlink flatex
    trotz der jüngsten Anhebungen weiterhin günstige Orderspesen
    Fremdspesen auch im außerbörslichen Handel
    Negativzins
    Gebühr auf Auslandsdividenden
  2. Anbieterlink onvista bank
    Xetra Frankfurt, Quotrix und außerbörslicher Handel mit transparentem Endpreis von EUR 6,50
    mögliche Mehrkosten durch Teilausführungen an Börsenplätzen (außer Xetra Frankfurt, Frankfurt und Frankfurt)
    mögliche Anpassungen nach Übernahme