News: Alle Meldungen aus dem Jahr 2016

03.12.2016 |

VW-Finanzsparte steckt Dieselkrise weg - Rekordergebnis

Die Volkswagen Financial Services (VW FS) schafft dieses Jahr einen Rekord beim operativen Gewinn. Die Zweimilliardengrenze werde erstmals überschritten, kündigte Finanzvorstand Frank Fiedler am Freitag in Hannover vor Journalisten an, das sei schon jetzt sicher. Im Vorjahr waren es 1,92 Milliarden Euro. Der befürchtete Einbruch ist ausgeblieben. Die Finanztochter des Wolfsburger Autokonzerns hatte im vergangenen Jahr vorsorglich 570 Millionen Euro auf die Restwerte der Modellreihen mit manipulierter Software abgeschrieben, weil sie davon ausgehen musste, dass die Gebrauchtwagenpreise wegen des Abgasskandals in den Keller rutschen. Weltweit wird etwa jedes dritte Fahrzeug aus dem Volkswagen-Konzern über die VW FS per Finanzierungs- oder Leasingvertrag an die Kunden weitergereicht, von einem niedrigeren Wiederverkaufswert ist sie durch das Leasing direkt betroffen. Doch das Neugeschäft der VW FS wächst ordentlich, auch dank einer Erholung der PKW-Nachfrage in Südeuropa und zusätzlichen Erträgen mit Versicherungen und anderen Dienstleistungsverträgen. Bei den Restwerten hat sich herausgestellt, dass die Abschreibungen höher waren als notwendig. Einen Teil der Abschreibungen in der Bilanz rückgängig zu machen, darüber will die VW FS aber erst später entscheiden, wenn sich die weitere Entwicklung abzeichnet.

Investoren hatten sich am Anleihemarkt von Volkswagen und seinen Tochtergesellschaften abgewandt, weil ihnen die Risiken zu groß geworden waren. VW FS hofft nun darauf, vielleicht schon in wenigen Monaten wieder Anleihen begeben zu können, wenn weitestgehend feststeht, was der Skandal schlussendlich kostet. Die Finanzierungslücke, die durch den Ausschluss vom Anleihemarkt entstand, hatte VW FS über besicherte Anleihen (ABS-Papiere) und ein gestiegenes Einlagevolumen seiner Kunden ausgeglichen. Die Einlagen kommen nahezu ausschließlich aus dem deutschen Direktbankgeschäft - von der Volkswagen Bank GmbH. Neukunden lockt die Volkswagen Bank schon seit Oktober 2015 mit einem außergewöhnlich guten Tagesgeldangebot. Lange Zeit waren es 1,25% p. a., später immerhin noch 1,10% p. a., für die ersten vier Monate auf hohe EUR 100.000. Die Kundeneinlagen der VW FS stiegen damit per Jahresende von 2014 (26,2 Milliarden Euro) zu 2015 (28,1 Milliarden Euro) um 7,2 Prozent und nun um 24,5 Prozent (35,0 Milliarden Euro). Die Kundeneinlagen haben einen Anteil von mehr als 50 Prozent an der gesamten Refinanzierung. Angekündigt wurde auch, die Konzernstruktur umzubauen: Anfang 2018 will Volkswagen die Bank von VW FS abtrennen und als eigenständiges Unternehmen an sich angliedern, sodass nur noch die Volkswagen Bank den strengen Eigenkapitalvorschriften der Europäischen Zentralbank unterliegt. Für Banken ist im kommenden Jahr eine Eigenkapitalquote von 14,6 Prozent vorgeschrieben, für den Rest des Geschäfts von VW FS reichen rund 8 Prozent aus.

28.11.2016 |

EUR 200,00 Weihnachtsgeld zum Commerzbank-Girokonto

Die Commerzbank hält seit 28.11.16 für kurze Zeit ein Eröffnungsangebot bereit, das alle ihre vorherigen Angebote in den Schatten stellt. Sie schenkt bei Online-Eröffnung eines kostenlos geführten Girokontos, das keinen Mindestgeldeingang erfordert, nach 3-monatiger Kontonutzung EUR 200,00. Das wohlgemerkt in einer Phase, in der Geldgeschenke eher kleiner werden und eine Bank nach der anderen die Gebühren beim Girokonto hochpreist. Die Kontobezeichnung lautet auf "Vorteilskonto". Dieses Kontomodell gab es früher nur für Mitarbeiter bestimmter Firmen, es ist eine Variante des "0-Euro-Kontos", mit einem Unterschied, der bargeldlose Geldeingang ab EUR 1.200 pro Monat ist hier nicht vonnöten. Eine große Hürde ist somit aus dem Weg geräumt. Normalerweise würde man EUR 9,90 im Monat bei der Commerzbank zahlen, wenn der Mindestgeldeingang nicht eingeht. Inlands-/SEPA-Überweisungen via Internet oder am SB-Terminal führt die Commerzbank kostenlos aus, per Beleg oder Telefon erhebt sie EUR 1,50 je Auftrag, eine Gebühr, die sie im Juli dieses Jahres einführte. Das Vorteilskonto ist erhältlich, wenn in den letzten 24 Monaten kein Zahlungsverkehrskonto bei der Commerzbank bestand. Die einzige Zusatzbedingung für die EUR 200,00 ist leicht zu erfüllen: Es müssen in den ersten drei Monaten nach Kontoeröffnung pro Kalendermonat mindestens fünf Buchungen über EUR 25,00 oder mehr über das Konto laufen. Die Zählung beginnt dabei mit dem ersten vollen Kalendermonat, wird beispielsweise in den ersten Dezembertagen eröffnet, sind die fünf Buchungen erst ab Januar zu erbringen. Unmittelbar vorangegangen war ein Angebot mit EUR 50,00 Startguthaben und eines mit EUR 100,00 Einkaufsgutschein für REWE.

Das Konto ist perfekt für diejenigen, die ein Online-Konto haben wollen, auf Filialen aber nicht ganz verzichten möchten. Es können die Cash-Group-Automaten und der Bargeldservice an den Shell-Tankstellen gebührenfrei genutzt werden. Eine Kreditkarte ist nicht enthalten. Die Commerzbank hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt, in den nächsten zwei Jahren will sie zwei Millionen Neukunden gewinnen, insbesondere Girokunden. Denn über das Girokonto lässt sich leicht ins Gespräch kommen, weitere Produkte wie Depot oder Ratenkredit an den Mann bringen. Die Freigabe von Prämien läuft bei der Commerzbank über den zugeteilten Kundenbetreuer, der den Anlass erfahrungsgemäß für eine Kontaktaufnahme nutzen wird. Der Kontoantrag an sich ist bei der Commerzbank in seiner schnellsten Variante mittlerweile vollständig digital (PostIdent geht natürlich auch): Nach Eingabe der persönlichen Daten wird schon gleich die zukünftige IBAN angezeigt. Es folgt eine SMS mit einem Link für den Apple Store und Google Play, denn das VideoIdent nimmt die Commerzbank über Smartphone und Tablet vor, ausschließlich über eine speziell für die Legitimation zu installierende App, nicht wie sonst über den Webbrowser. Während des Videotelefonats (Servicezeiten von Montag bis Sonntag rund um die Uhr) wird eine Unterschriftsprobe eingeholt, der Kunde unterschreibt vor der Kamera auf einem weißen Blatt Papier, Unterlagen ausdrucken ist so nicht mehr notwendig. Nach der Legitimation kommt eine Eröffnungsbestätigung per E-Mail, ab diesem Zeitpunkt steht das Online-Banking zur Verfügung, die Login-Daten legte der Kunde zuvor selbst fest. Prämienmeilen für das Vielfliegerprogramm Miles & More lassen sich beim Eröffnen zusätzlich sammeln. Auch die Zufriedenheitsgarantie gilt.

24.11.2016 |

Kurzmeldung

Die Zinsanhebung von gestern machte die SWK-Bank heute Vormittag mit einer Zinssenkung rückgängig. Für die 12-monatige Festgeldanlage bietet sie nun wieder 0,40% statt 1,25%. Die 1,25% galten nur 24 Stunden, die Nachfrage sei so groß gewesen, dass man kurzfristig wieder anpassen musste. Weil der zum Zeitpunkt des vollständigen Geldeingangs online ausgewiesene Zinssatz festgeschrieben wird und - selbst wenn gestern der Eröffnungsantrag erstellt wurde - man so schnell gar nicht hätte anlegen können, haben wir telefonisch beim Kundensupport nachgefragt. Es wurde uns in unserem Fall zugesichert, den Zins von 1,25% noch zu erhalten, sofern wir heute überweisen. Den betroffenen Interessenten, die den Antrag schon erstellt haben, ist anzuraten, sich dies ebenfalls zusichern zu lassen.

23.11.2016 |

12 Monate mit Festgeldzins von 1,25% überbrücken

Die SWK-Bank erhöhte heute ihre Festgeldofferte bei 12 Monaten von 0,40% auf 1,25%. Das ist der neue Spitzenzins bei den deutschen Anlageplätzen für diese Laufzeit, mit beachtlichen 0,25 Prozentpunkten Vorsprung auf die Zweitplatzierten DenizBank und VakifBank. An der DenizBank führte bis dahin in den letzten Wochen kaum ein Weg vorbei, sie war bei allen Festlegungszeiträumen mit Ausnahme der 10-jährigen Laufzeit vorne, später zog die VakifBank mit exakt denselben Zinssätzen gleich. Die 1,25% gibt es bei DenizBank und VakifBank erst ab 3 Jahren. Das Angebot der SWK-Bank ist somit eine gute Gelegenheit, Liquidität für einen überschaubaren Zeitraum anzulegen. Der Zinsabstand zu den Tagesgeldern, die besseren bringen zurzeit etwa 0,50% bis 0,60%, ist doch beträchtlich und nach dem Jahr kann man möglicherweise wieder bei einem etwas höheren Zinsniveau festschreiben lassen. Die Anlage ist ab EUR 10.000 für volljährige Einzelpersonen möglich, die Legitimation per VideoIdent oder PostIdent, wobei hier auch beim VideoIdent der erstellte Eröffnungsantrag unterschrieben per Brief eingesendet werden muss. Im Eröffnungsantrag teilt die SWK-Bank dem Kunden bereits seine Kontonummer mit, an die er den Anlagebetrag anweisen soll. Es gilt der Zinssatz für den Abschluss, der auf der Internetseite der SWK-Bank zum Zeitpunkt des Eingangs des vollständigen Anlagebetrags ausgewiesen ist. Der Anleger kann seinen Eröffnungsantrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen, sodass er notfalls reagieren kann, falls der Vertrag nicht wie gewünscht zustande kommt. In der jüngeren Vergangenheit ist die SWK-Bank schon mehrmals mit überragenden Zinsangeboten positiv aufgefallen, allerdings immer kurzzeitig, oft nur für eine Woche, deshalb nicht lange warten, wenn man zugreifen möchte. Wenn das Geld angelegt ist, sollte der Anleger noch die Weisung geben, dass keine automatische Wiederanlage am Laufzeitende erfolgt, gemäß den Sonderbedingungen wird diese ansonsten vorgenommen.

09.11.2016 |

Rocket Internet erschließt sich Einlagenquelle

Zwei innovative Unternehmensgruppen, Rocket Internet und die FinTech Group, haben sich zusammengetan, um ein Festgeldangebot aufzulegen: Zinsgold startete seinen Service am Dienstag. Es geht um die bei den Deutschen immer noch sehr beliebte Geldanlage zu festen Zinsen, nicht um Gold, das ist lediglich Teil des Namens. Zinsgold ist eine im September gegründete GmbH mit Sitz in Berlin, geführt von Frank Biedka. Der Inkubator Rocket Internet ist der Gesellschafter. Biedka arbeitet seit Jahren für ihn, gehörte bei Rocket Internet selbst und bei Zalando zum Management und war technischer Leiter beim Klingeltonabo-Verkäufer Jamba. Die FinTech Group ist der Dienstleister, mit deren biw Bank am Standort Frankfurt am Main schließt der Kunde den Vertrag. Zinsgold hat keine eigene Banklizenz, sondern vermittelt dabei lediglich. Die Einlagen faktisch bei der biw Bank angelegt, sind durch deren Pflichtmitgliedschaft bei der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken bis EUR 100.000 je Person abgesichert. Es ist eine Rollenverteilung wie bei den Zinsplattformen WeltSparen, Savedo und Zinspilot, wobei laut einem Unternehmenssprecher bei Zinsgold keine weiteren Partnerbanken geplant sind. Bei Zinsgold lässt sich aus fünf Laufzeiten wählen, für 12 Monate gelten zurzeit 0,90%, für 2 Jahre 1,05%, für 3 Jahre 1,20%, für 4 Jahre 1,30% und für 5 Jahre 1,35%. Das liegt nahe an den inländischen Bestwerten. Die Mindesteinlage beträgt EUR 5.000, die Höchsteinlage EUR 100.000. Die Kontoeröffnung ist für volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland möglich, per PostIdent oder Videolegimitation über IDNow. Gemeinschaftskonten sind noch nicht verfügbar. Aufmachung und Eröffnungsprozess entsprechen dem Üblichen, von FinTech lässt sich deshalb kaum sprechen, es ist schließlich nur eine simple Festzinsanlage. Sie ließ sich von Rocket Internet mit der beschriebenen Outsourcing-Lösung jedoch binnen weniger Wochen und zu geringen Kosten aufsetzen. Ihre Zusammenarbeit hatten Rocket Internet und FinTech Group Ende Juli bekannt geben, die Festzinsanlage ist nun das erste sichtbare Ergebnis. Nirgends erwähnt wird, was mit den Einlagen gemacht wird, die eingesammelt werden, Kreditangebote gibt es bei Zinsgold nicht. Vermutlich sollen die Webprojekte damit finanziert werden. Mit Finanz-Websites hatte Rocket Internet bislang keinen durchschlagenden Erfolg. Paymill schlitterte in die Insolvenz, Payleven und Sumup fusionierten, Zencap wurde an Funding Circle abgetreten, Spotcap und Lendico müssen sich erst noch beweisen.

01.11.2016 |

N26 führt Auslandsentgelt und weitere Kontomodelle ein

Bei N26, wo mit etwas Verzögerung noch der Umzug der Girokonten vom Ex-Partner Wirecard Bank zur selbst aufgebauten Bank ansteht, gibt es wieder eine Preisänderung: Seit heute fällt ein Auslandsentgelt von 1,70 Prozent auf Geldabhebungen außerhalb der Eurozone an, zuvor gab es ein solches nicht. Das reine Bezahlen bleibt in allen Währungen ohne Auslandsentgelt. Es ist eine Änderung, die nicht dazu beiträgt, dass die Kunden zufrieden bleiben. Sie setzt eine Reihe fort, von der Einführung von Einzahlungsgebühren und der Fair-Use-Policy mit Begrenzung kostenfreier Abhebungen am Geldautomaten. In Deutschland, Österreich und Irland werden außerdem seit heute mit "N26 Black" und "N26 Business" zwei neue Kontomodelle angeboten, in den weiteren Märkten ab Mitte des Monats. Das Auslandsentgelt ist eines der ganz wenigen Merkmale, an denen sie sich unterscheiden. Beim kostenpflichtigen Black-Konto verzichtet N26 darauf. Ansonsten ist hier lediglich die dazugehörige MasterCard-Debitkarte eine andere als beim gebührenfrei geführten Girokonto, sie enthält ein Versicherungspaket der Allianz Global Assistance Europe. Die Debitkarte im matt-schwarzen Design kann über die App mit zwölfmonatiger Gültigkeit angefordert werden. Bestehende Kunden können, sofern gewünscht, ebenso über die App auf das Kontomodell umsteigen und die Karte bestellen, sobald sie per E-Mail eine Einladung dazu bekommen haben. Das gesamte Kontopaket kostet EUR 5,90 pro Monat - EUR 70,80 für die zwölf Monate. Versicherungsschutz besteht für Aufwendungen bei akuten Krankheiten und Unfallverletzungen auf Auslandsreisen, für Flug- oder Gepäckverspätungen, bei Reiserücktritt oder -abbruch, bei Diebstahl des Smartphones und Überfall nach dem Bargeldziehen. Für elektronische Geräte verlängert sich die Garantie um bis zu zwölf zusätzliche Monate. Die Reisen bzw. die elektronischen Geräte müssen mit der Karte oder einer anderen mit dem Black-Konto verknüpften Paymentmethode vollständig bezahlt worden sein. "Young-Professionals", also junge Berufstätige, die oft reisen, will N26 damit erreichen. Die Versicherung entspreche deren Lifestyle, findet Valentin Stalf, Firmengründer und Chef von N26. Das zweite neue Kontomodell, das N26 Business, ist ein Geschäftskonto für Freiberufler und Selbstständige. Gebührenfrei geführt und in den Leistungen deckungsgleich mit dem Standardmodell für private Kunden, wobei es einen Cashback obendrauf gibt - auf Zahlungen mit der MasterCard werden 0,10 Prozent am Quartalsende zurückgezahlt. Insgesamt zählt man bei N26 damit fünf Modelle, denn es gibt auch das "N26 Flex" für Antragsteller aus Deutschland mit schlechter Bonitätsbewertung und das gesetzlich vorgeschriebene Basiskonto, jeweils für EUR 6,00 im Monat.

Zu Beginn meinte N26 keine Preisliste zu brauchen, weil alles ohne jegliche Kontoführungs- oder Kartengebühr sei. Jetzt, mit großem Kundenbestand, ist nur noch die Grundausstattung kostenfrei. Durch Aufpreise und Partnerangebote, sozusagen In-App-Käufe, versucht N26 Geld zu verdienen. Das Angebot wird dabei immer komplexer. Die mittlerweile umfangreiche Preisliste ist nun wie bei anderen Banken üblich auch als PDF zum Download verfügbar. In dieser Version sind sonstige Gebühren aufgeführt und Preise zum neuen Kontowechselservice gemäß Zahlungsdienstegesetz. Wenn auf dem im Gesetz beschriebenen Weg, den alle Banken unterstützen müssen, das Konto gewechselt wird, berechnet N26 einmalig eine Pauschale von EUR 5,00 für das Benachrichtigen aller Lastschriftenempfänger, einmalig EUR 5,00 für das Benachrichtigen derjenigen, die Geld überweisen, und einmalig EUR 10,00 für das Einrichten der Daueraufträge.

26.10.2016 |

Gebühr für überzogenes Girokonto gekippt

Wieder entschieden die Richter des Bundesgerichtshofs (BGH) verbraucherfreundlich, untersagten eine weitere Bankgebühr: Für die Kontoüberziehung dürfen die Banken kein Mindestentgelt erheben. Der Dachverband der Verbraucherzentrale setzte sich am Dienstag in dieser Sache gegen die Deutsche Bank durch und parallel dazu die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen die TARGOBANK. Die Urteile (Az.: XI ZR 9/15 und XI ZR 387/15) beziehen sich auf die sogenannte geduldete Überziehung des Girokontos. Von einer geduldeten Überziehung spricht man, wenn die Bank dem Kunden gestattet, weiter Geld auszugeben, obwohl gar nichts mehr auf dem Konto ist und kein Disporahmen besteht bzw. ein gewährter Disporahmen überschritten ist. Es fallen dafür meist erhöhte Zinsen an. Trotzdem sind die Zinseinnahmen für die Bank gering, wenn der Kunde nur wenige Tage oder nur ein paar Euro in der Überziehung ist. Gemäß Darstellung der Banken sei der Verwaltungsaufwand oft höher, so müssten Sachbearbeiter in jedem Einzelfall die Bonität des Kunden prüfen. Um diese Kosten zu decken, lassen sich manche Institute mit einem Mindestentgelt pro Monat oder pro Quartal bezahlen. Die Richter sehen die Kunden dadurch übervorteilt. Zum Klagezeitpunkt im August 2012 verlangte die Deutsche Bank EUR 6,90 für jedes Quartal, in welchem es zu einer geduldeten Überziehung kam. Allerdings verrechnete sie den Betrag mit den Sollzinsen: Waren die aufgelaufenen Sollzinsen geringer, wurde nur die Pauschale fällig. Überstiegen die Sollzinsen die Pauschale, wurde sie nicht erhoben. Bei der TARGOBANK lag die Pauschale zum Klagezeitpunkt bei EUR 2,95 pro Monat, zuletzt bei EUR 4,95. Kassiert eine Bank nicht einfach Zinsen, sondern in der Kombination ein Mindestentgelt, kann das für den Kunden sehr ungünstig sein, in Prozent ausgedrückt einem Sollzins von mehr als hundert entsprechen. Die beiden jeweiligen Vorinstanzen in Frankfurt und Düsseldorf hatten unterschiedlich entschieden. Falls die Bank die Überziehung dulde, gewähre sie damit einen Verbraucherkredit, so der BGH. Nach dem gesetzlichen Leitbild des § 488 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches schulde der Kunde der Bank ein Entgelt, das grundsätzlich von der Laufzeit abhängig zu machen ist. Bei minimalen Zinsprofiten darf der Zins nicht durch einen Festbetrag ersetzt werden, weil ein solches Entgelt unverhältnismäßig hoch sein könne. Außerdem lasse sich die Bank mit der Pauschale die im eigenen Interesse durchgeführte Bonitätsprüfung extra vergüten - was nach ständiger Rechtsprechung der obersten Richter in Karlsruhe nicht zulässig ist.

Eine der betroffenen Banken reagierte unmittelbar. Die TARGOBANK entfernte noch am selben Tag die entsprechende Klausel aus ihrem Preis-Leistungs-Verzeichnis. Ein Sprecher teilte zudem mit: "Berechtigten Ansprüchen unserer Kunden bezüglich bereits gezahlter Entgelte werden wir selbstverständlich umgehend nachkommen." Die Kunden sollen sich dafür schriftlich an die TARGOBANK wenden. Die Deutsche Bank erklärte, die Vorgaben umzusetzen und zukünftig den Mindestpreis nicht weiter zu vereinnahmen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagt, nicht nur die Kunden der beiden Banken profitieren von dem Urteil. Zur Rückforderung gezahlter Mindestentgelte stellt sie im Internet einen Musterbrief zur Verfügung. Liegt die Zahlung der Gebühr allerdings mehr als drei Jahre zurück, sind die Erstattungsansprüche möglicherweise aber mittlerweile verjährt. Auch die norisbank hat die Gebühr erhoben, wie die Deutsche Bank in Höhe EUR 6,90 pro Quartal, die norisbank strich sie heute.

20.10.2016 |

Kreditlinie mit Zinssatz 0,00% für flatex-Kunden

Der Online-Broker flatex leiht Depotinhabern über die zur Verfügung gestellte Kreditlinie, dem "flex-Kredit", in einer Aktion bis zum 31.12.16 umsonst Geld. Es fallen weder Kreditzinsen noch andere Kosten bei Inanspruchnahme an. Die Kreditverwendung ist nicht zweckgebunden. Der Sollsaldo darf wie bei einer Überziehung des Girokontos jederzeit zurückgeführt werden, die Laufzeit wird nicht festgelegt, bleibt dem Kunden überlassen. Erst für die Zeit ab Januar greift der variable Standard-Sollzins, der mit zurzeit 3,84% p. a. und quartalsweiser Belastung aber sehr günstig ist. Als effektiver Jahreszins ausgedrückt sind dies 3,90% p. a. Der Nullzins bis zum Jahresende gilt nicht für Kredite, die schon vor dem 11.10.16 in Anspruch genommen wurden. Den flex-Kredit hatte flatex im März dieses Jahres eingeführt. Den allermeisten Depotkunden wurde er eingerichtet. Da dies automatisch ohne Kreditantrag passierte, haben sich auch einige geärgert. Auch weil die Angabe des insgesamt verfügbaren Saldos im Online-Banking oft mit dem Kontostand verwechselt wird, man so ungewollt ins Minus rutschen kann. Berechnungsgrundlage für die Höhe der Kreditlinie ist das jeweilige Depotvermögen und dessen Zusammensetzung an Wertpapieren. Die Kreditvergabe von flatex leistet einen Beitrag, die Kundeneinlagen des Schwesterunternehmens biw Bank produktiv zu nutzen und vermeidet Strafzinsen auf überschüssige Beträge. In der Pressemitteilung, während der heutigen EZB-Ratssitzung veröffentlicht, bringt flatex namentlich zum Ausdruck, die Aktion sei durch die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi möglich. Anleger wird es kaum freuen, wenn mit den extremen Markteingriffen Ersparnissen solch ein geringer Wert beigemessen wird, Kreditaufnehmen ganz billig ist. Allerdings können Anleger aus dieser Aktion ebenfalls einen Nutzen ziehen, mit dem formlos bereitgestellten Geld bis zum Jahresende Zinserträge erwirtschaften. Es ergibt sich dadurch nur ein kleines Geldgeschenk, das aber kaum Aufwand erfordert, nicht mehr als ein paar Überweisungen zwischen den eigenen Konten. Bei einem Depotvolumen von EUR 50.000 in ETFs wird die Kreditlinie erfahrungsgemäß in etwa EUR 4.000 betragen. Über die individuelle Kreditlinie informiert flatex bei Änderungen per Mitteilung im Online-Postfach. Ein Risiko der Nutzung ist, dass die Wertpapierkurse fallen, sich so der Bestand mindert, und in der Folge flatex kurzfristig die Kreditlinie herabsetzt oder kündigt. Sollte dem so sein, will flatex den betroffenen Kunden per Mitteilung im Online-Postfach um Ausgleich bitten und dafür ausreichend Zeit einräumen. Sollte der Kunde dem nicht nachkommen, so würde eine Mahnung geschickt (die erste wiederum nur ins Online-Postfach) und im schlimmsten Falle auch eine Zwangsverwertung der Wertpapiere stattfinden.

28.09.2016 |

DKB-Cash: Inhalt bald abhängig vom Geldeingang

Die DKB ändert die Konditionen beim DKB-Cash. Der Kunde findet auf der Übersichtsseite des Online-Bankings ein Banner vor, mit der Aussage er sei "Aktivkunde". Darunter, dass sich am 1.12.16 das Preisverzeichnis ändere, Links zu weiteren Dokumenten und ein Hinweis, ein ausbleibender Widerruf genehmige die Änderungen. Bei Klick auf das Banner wird klar, die sind sehr umfangreich. Konto und Karten dieses schon vor 15 Jahre zusammengestellten Pakets bleiben demnach zwar kostenlos, aber nur wer mit der Bank ausreichend Geschäft macht, kann noch mit allen gewohnten Vorteilen rechnen. Gehen monatlich mindestens EUR 700,00 auf dem Girokonto ein, erhält der Kunde den Status Aktivkunde und das volle Kontopaket. Die DKB addiert dabei alle Gutschriften, um Gehalt muss es sich nicht handeln. Alle drei Monate wird sie prüfen, ob die Summe in den drei zurückliegenden Monaten jeweils erreicht wurde. An diesen Terminen kann sich gegebenenfalls ein neuer Status ergeben; sofern dies der Fall ist, will sie den Kunden darüber auf dem vereinbarten Kommunikationsweg informieren. Um möglichst viele zum Nachdenken zu bringen, ob sie die DKB nicht doch zu ihrer Hauptbank machen, räumt sie den Status Aktivkunde zum Ausprobieren in den ersten zwölf Monaten ein, ohne dass die Gegenleistung notwendig ist. Bei Bestandskunden endet der Zeitraum, in dem die Vorteile der Änderungen überwiegen, mit dem 30.11.17 und bei den neuen Kunden, die ab Dezember eröffnen, individuell zwölf Monate nach dem Datum der Kontoeröffnung.

Bislang war das DKB-Cash besonders bei Leuten beliebt, die häufig im Ausland unterwegs sind, denn die weltweit kostenlose Bargeldversorgung ist eine komfortable Sache. Nicht wenige richteten sich zur Nutzung dieses Merkmals das Konto als Zweit- oder gar Drittkonto ein, ohne weitere Geschäfte darüber laufen zu lassen. Hier setzt die DKB an: Ohne den monatlichen Mindestgeldeingang wird außerhalb der Eurozone beim Geldabheben künftig ein Auslandsentgelt von 1,75 Prozent des Betrags erhoben, bei Aktivkunden wie bis dato nicht. Bei den bargeldlosen Kartenzahlungen dagegen ist außerhalb der Eurozone das Auslandsentgelt in Höhe von 1,75 Prozent des Umsatzes die Ausgangslage, es wird weiterhin belastet, aber die Aktivkunden bekommen es zum Anfang des Folgemonats erstattet. Auch wird es einen Unterschied machen, wer ins Minus rutscht, die einen zahlen 7,50 Prozent p. a. an Sollzins und die anderen wie bislang 6,90 Prozent p. a. Nur für Aktivkunden gibt es künftig noch die Rückvergütungen für Einkäufe bei bestimmten Online-Shops und bei den am City-Cashback teilnehmenden Restaurants, Cafés und Geschäften, die kostenlosen Eintrittskarten für ausgewählte von der DKB gesponserte Sport- und Kulturevents und den Dokumententresor auf dem Bankserver. Aktivkunden wird bei Verlust/Diebstahl ihrer Karte auf besondere Weise geholfen, auf Wunsch werden eine Notfallkreditkarte und Notfallbargeld per Kurier an den Aufenthaltsort geschickt. Kunden unterhalb des Mindestgeldeingangs müssten für die Notfallkreditkarte EUR 180,00 aufwenden und für Notfallbargeld eine Gebühr von EUR 150,00, bei anderen Banken ist das ebenfalls teuer. Aber auch bei der Selbstbeteiligung bei einem finanziellen Schaden zwischen Kartenverlust und Kartensperre behandelt die DKB die Aktivkunden besser, und plant außerdem Konditionsvorteile bei den anderen Produkten für sie.

Was sich für alle ändert: Am Geldautomaten wird der Mindestabhebebetrag pro Auszahlung von EUR 10,00 auf EUR 50,00 erhöht, eine Ausnahme besteht nur für Minderjährige. Damit will die DKB leicht vermeidbare Kosten einsparen, denn als Bank trägt sie pro Transaktion eine pauschale Gebühr. Speziell zur Bestätigung von Online-Zahlungen mit Kreditkarte wird sie einen Preis von 7 Cent pro mTAN einführen - die Freigabe per Secure-App ist die kostenlose Alternative. Erstmals wird es ein Tagesgeldkonto von der DKB geben, es wird sich optional per Online-Banking einrichten lassen. Die DKB führe es auf vielfachen Kundenwunsch ein. Sicherlich war das jedoch nicht im Produktbündel gewünscht, das "DKB-VISA-Tagesgeld" wird mit der VISA-Karte verbunden sein und zumindest zu Beginn eine mit der Guthabenverzinsung der Kreditkarte identische Verzinsung haben. Ihr Bonuspunkteprogramm stellt die DKB zugunsten der anderen Vorteile ein, ab Dezember ist kein Punktesammeln mehr möglich, das Einlösen in Prämien noch bis auf Weiteres. Und eine Gebühr für Umsätze in Kasinobetrieben, bei Lotteriegesellschaften und in Wettbüros kommt auch bei den Karten des DKB-Cashs - ab Februar 2017 in Höhe von 3,00 Prozent.

23.09.2016 |

Nach Abmahnung: Postbank will zu ihrem Versprechen stehen

Als die Postbank in der zweiten Augusthälfte die Einführung des Kontoführungsentgelts ankündigte, wollte sie keinerlei Ausnahmen machen. Von November an sollten alle Kontoinhaber beim "Giro plus" eine Pauschale von monatlich EUR 3,90 zahlen, auch diejenigen, die ihr Girokonto im Rahmen eines Aktionsangebots eröffnet hatten. Eine fragliche Vorgehensweise, weil die Postbank in vielen der Aktionsangebote bis vor wenigen Monaten noch eine dauerhaft gebührenfreie Kontoführung zusagte. Die Verbraucherzentrale Hamburg war der Auffassung, dies gehe auf diese Art und Weise nicht. Deshalb mahnte sie die Postbank ab. Diese gab nun nach den Angaben der Verbraucherschützer die eingeforderte Verpflichtungserklärung ab, zukünftig kein Kontoführungsentgelt bei diesen Verträgen zu verlangen. Die individuelle Vereinbarung habe Vorrang vor einer gegebenenfalls über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gerechtfertigten Preiserhöhung. Wenn die betreffenden Kunden das Entgelt zahlen sollen, wäre der richtige Weg gewesen, mit ihnen einen neuen Vertrag zu schließen, so die Verbraucherzentrale. In dem abgemahnten Musterfall hatte eine Kundin am 31.12.15 über ein Aktionsangebot eröffnet, ein aussagekräftiger Text ist auf Seite 4 ihres Eröffnungsantrags unter der Rubrik "Besondere Merkmale" enthalten. Die Verbraucherzentrale Hamburg zeigt den Ausschnitt auf ihrer Internetseite, die Formulierung lautet: "Sie zahlen für die beleglose Kontoführung des Girokontos dauerhaft und bedingungslos kein Entgelt. Eröffnen Sie ein Postbank Giro plus, so erhalten Sie bis zu 250 Euro Prämie. Einzelheiten zum Prämienerhalt entnehmen Sie bitte den Teilnahmebedingungen." Die Verbraucherzentrale rät den Kunden, bei denen das entsprechend schriftlich im Vertrag festgehalten ist, im November zu prüfen, ob sich die Postbank daran hält. Zieht die Bank trotz ihrer abgegebenen Verpflichtungserklärung das Entgelt ein, droht ihr eine hohe Vertragsstrafe. Die Verbraucherzentrale Hamburg bittet Postbank-Kunden, diesbezügliche Verstöße am besten per E-Mail an info@vzhh.de zu melden. Die Postbank geht in ihrer FAQ unter www.postbank.de/kontowelt nun auch auf diese Konstellation ein. Sollte sich der Kunde nicht sicher sein, ob die Bedingung auf ihn zutrifft, kann er seinen Vertrag vorab von ihr per E-Mail an direkt@postbank.de prüfen lassen.

Entscheidend soll offenbar sein, ob das Versprechen im Vertrag abgedruckt ist oder nur auf der Produktseite stand. Denn die Postbank antwortet weiterhin abschlägig in einem anderen Punkt der FAQ, bei der sie die Frage so an sich stellt: "Ich habe das Konto im Rahmen einer Aktion abgeschlossen, da wurde mir ein kostenloses Konto versprochen. Wieso muss ich jetzt zahlen?" Ein Sonderfall bleiben die Tchibo-Konten. Mit dem Kaffeeröster Tchibo warb die Postbank damit, dass für alle Zeiten keine Gebühr für die Kontoführung anfällt. Hier sah die Postbank schon früher ein, dass sich das neue Preismodell nicht durchsetzen lässt. Die Kontoführung bleibt bei Tchibo-Konten unentgeltlich, wenn der Kontoinhaber der Preiseinführung widerspricht. In den FAQ schreibt die Bank, man solle formlos mit dem Vermerk "Tchibo" widersprechen. Die Ausgangsbasis ist also bei den Aktionskonten mitunter ähnlich, wobei die eine Kundengruppe nichts zu tun braucht, eine andere muss widersprechen, und ansonsten wird auf die Argumentation zu den veränderten Marktbedingungen verwiesen.

21.09.2016 |

Bank 1 Saar Direkt ist eingestellt

Die größte Genossenschaftsbank an der Saar, die Bank 1 Saar, hat ihre Direktbankenmarke Bank 1 Saar Direkt aufgegeben und mit ihr das Vorhaben, überregional Kunden zu gewinnen. Auf der bisherigen Internetseite befindet sich seit Dienstag eine Mitteilung, die nur indirekt die Information enthält, dass das Projekt nicht mehr weiter verfolgt wird. Stattdessen stellt sie eine nebensächliche Konsequenz in den Fokus, das Zusammenlegen der Internetauftritte bank1saardirekt.de und bank1saar.de. Die Bank 1 Saar biete als Omnikanalbank ihre Produkte und Services künftig über einen zentralen Internetauftritt an. Dieser erhielt gleichzeitig ein moderneres Design, nach dem gewohnten Muster der Volksbanken. Die Direktkunden können ihre bestehenden Produkte nach wie vor nutzen - über das Online-Banking der Bank 1 Saar. In erster Linie wird dies ein Tagesgeldkonto sein. Als im April 2007 die vielen Plakate in der Heimatregion zum Bewerben der neuen Direktbank aufgestellt wurden, war es mit 3,25% verzinst, später mit bis zu 3,75%, seit November 2014 praktisch unverzinst. Girokonto, Kreditkarte und der vermittelte easyCredit waren seit jeher genauso bei Bank 1 Saar im Programm und sind es noch immer. Das Online-Brokerage der Direktbank wurde schon vor Längerem ausrangiert.

19.09.2016 |

Kontowechsel: Das erledigen jetzt die Banken

Seit Sonntag ist der Teil des deutschen Zahlungskontengesetzes in Kraft, der sowohl der bisherigen als auch der neuen Bank auferlegt, eine umfassende Hilfe bereitzustellen, um einen nahtlosen Wechsel des Girokontos zu ermöglichen. Das Gesetz basiert auf einer EU-Richtlinie. Ein Bankwechsel ist für Girokunden dadurch weniger mühsam, was den Wettbewerb ankurbeln soll und bei den derzeitigen Anhebungen der Kontogebühren zur rechten Zeit kommt. Für die fristgerechte und korrekte Ausführung haften die beteiligten Institute gemeinsam, sodass man nicht mehr befürchten muss, einen Lastschriftempfänger oder einen Dauerauftrag zu vergessen, was Mahnkosten und Ärger nach sich ziehen würde. Voraussetzung für den Kontowechselservice ist, dass die Konten in Deutschland und in derselben Währung geführt werden. Allerdings ist der gesetzlich vorgeschriebene Weg nicht digital und damit nicht so unkompliziert und effizient, wie er sein könnte. Um den Kontowechselservice in Anspruch zu nehmen, muss der wechselwillige Kunde ein mehrseitiges Ermächtigungsformular ausdrucken, ausfüllen und unterschreiben. Ein solches muss nun jede Bank bereitstellen. Dort sind die Termine einzeln festlegbar, ab wann die alte Bank Daueraufträge nicht mehr ausführen soll, keine Lastschriften mehr akzeptieren soll, und der Tag, an dem das alte Konto zu schließen sowie das Restguthaben zu überweisen ist. Ebenso die Termine, wann die neue Bank die Daueraufträge übernehmen und ab wann sie Lastschriften akzeptieren soll. Das Formular ist per Post an die neue Bank zu senden. Erst dann kommunizieren alte und neue Bank per Post oder Fax miteinander, um die zu benachrichtigenden Zahlungspartner des Kunden zu ermitteln und sofern gewünscht zu informieren. Der Gesetzgeber räumt für den Prozess insgesamt zwölf Arbeitstage ein, ein ambitionierter Zeitplan, der sich aber durch eventuelle Rückfragen und die Postlaufzeiten verlängern kann. Das alte Institut muss kostenlos eine Liste übermitteln, mit sämtlichen verfügbaren Informationen betreffend Daueraufträgen, erteilten Lastschriftmandaten und wiederkehrend eingehenden Überweisungen in den vergangenen 13 Monaten. Von dieser Liste kann der Kunde kostenlos eine Kopie anfordern. Nach Erhalt der Daten ist die neue Bank bei entsprechendem Auftrag für das Wiedereinrichten der Daueraufträge und für die Benachrichtigung der Zahlungspartner wie Arbeitgeber, Versicherungen, Vereine und Versorger zuständig. Einzelne Institute bepreisen den Part der gesetzlich auferlegten Aufgaben, der nicht ausdrücklich kostenlos ausgeführt werden muss. Auf die netbank trifft dies zu, was ihr sicherlich einiges an Arbeit ersparen wird. Als übertragendes Institut berechnet sie eine Grundgebühr von EUR 6,30, je systemseitiger Löschung eines Dauerauftrags EUR 0,67, je systemseitiger Verhinderung einer Lastschrift EUR 0,70 und je systemseitiger Verhinderung einer Überweisung EUR 0,70. Als empfangendes Institut berechnet sie eine Grundgebühr von ebenfalls EUR 6,30, für die Einrichtung eines Dauerauftrags EUR 0,67, je Anschreiben an einen Lastschriftempfänger EUR 4,00 und je Anschreiben an einen Zahler per Überweisung EUR 4,00. Der Gesetzgeber erlaubt ein angemessenes und sich an den tatsächlichen Kosten orientierendes Entgelt. Dabei muss die Bank den Kunden über mögliche Kosten informieren, bevor er den Kontenwechselservice in Anspruch nimmt. Will der Kunde selbst seine Zahlungspartner informieren, hat die Bank ihm Musterschreiben zur Verfügung zu stellen. Sollte das alte Konto im Minus stehen, und lässt es sich nicht durch Guthaben oder Dispokredit auf dem neuen Konto ausgleichen, ist das Schließen des Kontos nicht möglich und der Kunde wird darüber unterrichtet. Es ist empfehlenswert, alles zeitnah zu kontrollieren. Und bei Zahlungen an Anbieter wie Amazon und PayPal, wo Kontodaten online hinterlegt werden, muss der Kunde in jedem Fall noch selbst nachjustieren.

Neben der Kontowechselhilfe gemäß Zahlungsdienstegesetz besteht immer noch die Wahl, einen der freiwilligen Wechselservices der Bank zu nutzen. Diese bestehen seit einigen Monaten insbesondere aus einer Online-Anwendung beziehungsweise App externer Dienstleister wie FinReach, fino und Kontowechsel24. Nach einmaligem Login mit den Zugangsdaten zum Online-Banking des alten Kontos werden die Kontoumsätze automatisiert analysiert. Der Kunde markiert per Klick, welche Zahlungspartner er über seinen Wechsel benachrichtigen will. Das System verschickt dann in seinem Auftrag die Benachrichtigungen per Brief. Es drängt sich die Frage nach dem Datenschutz auf, wenn sensible Daten von externen Diensten auf solche Weise ausgelesen werden. Auch kann es passieren, dass die Dienstleister aufgrund des online begrenzt abrufbaren Zeitraums nicht an alle Daten herankommen. Zwar ist das Verfahren schnell, aber weniger umfassend und ohne die Haftungsübernahme. Die noch jungen Unternehmen werden wohl anpassen müssen, um kein Geschäft zu verlieren. So erklärte FinReach kürzlich, eine mit dem Zahlungsdienstegesetz konforme Kontowechselhilfe entwickelt zu haben, um die geforderten manuellen Prozesse den Banken abzunehmen.

30.08.2016 |

Für Kunden der DAB Bank gilt bald das Preisverzeichnis von Consorsbank

Was lange nur vermutet wurde, hat sich nun bestätigt: Die französische BNP Paribas, die 2012 und 2014 die beiden Pioniere im deutschen Online-Brokerage erworben hatte und später zu einem Unternehmen mit zwei Auftritten formte, gibt die Marke DAB Bank zugunsten der Consorsbank auf. Es wird dabei aber nicht Bewährtes aus beiden Bankenwelten zusammengebracht, sondern die Kunden der DAB Bank bekommen schlicht die Produkte, Konditionen und Services von Consorsbank untergejubelt. Zwar sind diese ähnlich, auch weil sie in den letzten beiden Jahren weiter angeglichen wurden, dennoch wird die betroffene Hälfte der Kundschaft sich wie bei einem neuen Anbieter erst einmal zurechtfinden müssen. Die Änderungen wurden aufseiten der DAB Bank mit der Veröffentlichung eines Zeitplans mit den Übergangspunkten und einer ausführlichen FAQ angekündigt, aufseiten von Consorsbank durch einen Blog-Artikel, der darauf verweist. Welche geschäftspolitischen Überlegungen dazu führten, ist hierbei nicht erklärt. Die Kunden der DAB Bank sollen ab 5.9.16 per Mitteilung in ihrem Online-Postfach informiert werden, außerdem die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das besagte Preisverzeichnis von Consorsbank erhalten. Am zweiten November-Wochenende folgt die Datenmigration der IT-Systeme. Unmittelbar danach, am 14.11.16, soll der Umzug schließlich vollzogen sein, sodass sich auch die Kunden der DAB Bank mit ihren neuen Zugangsdaten auf consorsbank.de einloggen können.

Der Umzug hat abgesehen von der Ausfallzeit am Wochenende ausschließlich Auswirkungen für die Kunden der DAB Bank. Je nach zuvor genutzten Produkten sind die Auswirkungen unterschiedlich, nicht alles ist von Vorteil, auf einige der lieb gewonnenen Services muss ganz verzichtet werden. Bei der Vielzahl der Details wird klar, wieso die FAQ als primäres Mittel der Kommunikation geeignet sind. Unter anderem geht daraus hervor: Kontonummer und Bankleitzahl bei Girokonto und Depot-Verrechnungskonto bleiben gleich, ändern wird sich dagegen die Depotnummer. Ab Mitte November wird die bisherige Bankkarte mit den Funktionen girocard/Maestro gegen eine mit girocard/V PAY ausgetauscht und die MasterCard Classic gegen eine VISA Card, bei der die einzelnen Umsätze dann direkt dem Girokonto belastet werden. Während sich die PIN der Bankkarte nicht ändern wird, bekommt man bei den Kreditkarten eine neue PIN. Mit der neuen Bankkarte lässt sich an den Geldautomaten der Cash Group nicht mehr kostenfrei abheben. Beim Online-Banking wird der Kunde nach erfolgreichem Abschluss der Umstellungsarbeiten seine Überweisungsvorlagen und Dokumente aus dem alten Postfach vorfinden. Nutzer des iTAN-Verfahrens erhalten einen TAN-Generator zugestellt, weil Aufträge bei Consorsbank entweder per TAN-Generator oder mTAN freigegeben werden. Die Fondsrabatte betragen bei Consorsbank überwiegend 50 Prozent, statt abhängig vom Anlagevolumen 50 bis 90 Prozent bei der DAB Bank. Wer bei beiden ein Depot hat, behält aus technischen Gründen zwei Depots, bei denen die First-in-first-out-Regelung nicht depotübergreifend Anwendung findet. Wenn bei beiden Banken ein Freistellungsauftrag besteht, werden die Summen addiert. Und sollten bei Consorsbank und DAB Bank unterschiedliche Angaben über das Steuerland gemacht worden sein, will das Unternehmen einfachheitshalber davon ausgehen, dass "Steuerinländer" richtig sei.

19.08.2016 |

Postbank schafft Gratis-Konto für die Mittelschicht ab

Eine deutliche Mehrheit der 5,3 Millionen Girokunden der Postbank wird ab 1.11.16 erstmals Kontoführungsgebühren zahlen müssen. Denn Deutschlands größte Privatkundenbank ändert ihre Girokontenmodelle für Privatkunden, das kündigte sie heute an. Grund ist, dass sich die Kosten für die Bereitstellung der Girokonten kaum noch wie früher aus Zinserträgen querfinanzieren lassen. Beim "Giro plus", dem Hauptprodukt der von ihr angebotenen Girokonten, schafft die Postbank die Regelung zur kostenlosen Kontoführung bei monatlichem Geldeingang von mindestens EUR 1.000 ab, ersetzt sie durch eine generelle Monatspauschale von EUR 3,90. Billiger wird es dadurch aber für diejenigen, die diese Betragsgrenze nicht erreichten, sie mussten bislang EUR 5,90 bezahlen. Teurer die Kreditkarten, für die VISA Card Classic und die VISA Card Prepaid werden EUR 29,00 (bisher EUR 22,00) im Jahr fällig. Zwar führt die Postbank ein weiteres, günstigeres Girokontomodell ein, das "Giro direkt", aber auch das nicht ohne Monatspauschale. Das Giro direkt für EUR 1,90 im Monat eignet sich für Personen, die ihr Konto ausschließlich online, über das computergestützte Telefonbanking oder die Selbstbedienungsterminals führen. Es ist nur als Einzelkonto erhältlich, nicht als Gemeinschaftskonto. Gegenüber dem Giro plus sind mehr Serviceleistungen bepreist, die Personal beanspruchen: Wer beim Telefonbanking die Überweisung statt über den Sprachcomputer über einen Mitarbeiter beauftragt, bezahlt dafür EUR 1,50. Ebenso viel kostet auch die Auszahlung von Bargeld am Schalter. Und für das Ausdrucken eines Kontoauszugs am Kontoauszugsdrucker werden 50 Cent belastet. Einige werden sich jetzt umorientieren, innerhalb der Postbank das Kontomodell zu wechseln, ist dabei die einfachste Alternative. Infrage kommt auch das Premium-Konto "Giro extra plus", das künftig bereits ab EUR 3.000 statt EUR 4.000 bargeldlosem Geldeingang gratis ist und die VISA Card beitragsfrei enthält. Es werden übrigens dabei alle Zahlungseingänge, die pro Monat auf ein Konto eingehen, zusammengerechnet, Bareinzahlungen und Umbuchungen von Postbank-Tagesgeldkonten aber nicht berücksichtigt. Unterhalb der Betragsgrenze wird dieses Konto EUR 9,90 kosten. Für junge Leute bis einschließlich 21 Jahre bleibt die Kontoführung durch das "Giro start direkt" gebührenfrei. Studenten, die älter als 21 Jahre sind, bekommen die Sonderkonditionen jedoch nicht mehr. Unter www.postbank.de/kontowelt hat die Postbank ausführliche Informationen zu den neuen Konditionen bereitgestellt. Die Postbank wird alle betroffenen Kunden in den nächsten Wochen per Brief informieren. Natürlich besteht ein Widerspruchsrecht. Widerspricht der Kunde den neuen Entgelten jedoch, führe das letztlich bedauerlicherweise dazu, dass die Bank das Konto kündigen wird. Der Weg, das Kontomodell innerhalb der Postbank zu wechseln, ist unterschiedlich. Zum Giro direkt geht es über das Online-Banking, man braucht die sogenannte Postbank-ID, muss diese gegebenenfalls zuerst im Online-Banking unter "Einstellungen" einrichten. Die eigentliche Kontoumstellung ist in der Rubrik "Service" möglich. Für den Wechsel zum Giro extra plus gibt es hingegen ein Formular, das heruntergeladen und unterschrieben eingesendet werden soll.

In vielen Aktionen hatte die Postbank das Giro plus mit dem Versprechen der dauerhaft kostenlosen Kontenführung beworben, meist zu besonderen Bedingungen über Kooperationspartner wie Buhl, HUK24 und Tchibo. Die geänderten Konditionen sollen dennoch für alle gelten. Der Einwand war absehbar und die Postbank antwortete auf ihn vorab in den FAQ, dass zum Zeitpunkt des Abschlusses ein anderes Preismodell gegolten und sich der Bankenmarkt verändert habe. Im Anschluss zählt sie viele Leistungen auf, von denen der Kunde weiterhin profitiere. Das ist gleichzeitig die Argumentationsstrategie, mit der sie generell die Entgeltänderung rechtfertigt. Inzwischen hat die Postbank in den FAQ zumindest zugestanden, dass der Widerspruch erfolgversprechend ist, wenn das Konto über Tchibo zustande gekommen war. Diese Minderheit muss aber dennoch protestieren - der Widerspruch soll mit dem Vermerk "Tchibo" eingereicht werden.

Im März dieses Jahres hatte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, die Sparkassenkunden auf höhere Gebühren eingestellt. "Die Zeit der kostenfreien Girokonten ist vorbei", äußerte er sich und trat damit eine Lawine los. Aus dem Lager der Genossenschaftsbanken war Ähnliches zu hören. Seitdem haben einige der regionalen Institute ihre Kontomodelle umgestellt, und auch die HypoVereinsbank und die TARGOBANK. Häufiger als die Monatspauschale wurden aber einzelne Postenpreise erhöht oder eingeführt. Mehr Spielraum haben offenbar noch die Direktbanken, die DKB startete eine TV-Kampagne mit der Aussage, ihr Girokonto ist und bleibt kostenlos.

31.07.2016 |

Französische Großbank schnappt sich die Fidor Bank

Die Fidor Bank, eine kleine innovative Bank aus München, wird Teil der französischen Bankengruppe BPCE. Das gaben beide Unternehmen am Donnerstag bekannt. Marktgerüchten zufolge soll ein Kaufpreis von mehr als 100 Millionen Euro vereinbart worden sein, offiziell wurden keine Angaben dazu gemacht. Die Übernahme steht unter dem üblichen Vorbehalt der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden, die BPCE geht davon aus, dass sie im vierten Quartal abgeschlossen sein wird. Die BPCE ist eine große genossenschaftliche Bankengruppe, vergleichbar mit den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, sie ist ein Zusammenschluss aus der Banque Populaire und 17 Banken der Caisses d'Epargne. Die BPCE kauft sich mit Fidor technischen Vorsprung, da der Aufbau von digitalen Prozessen und mobilem Banking als entscheidend für die Zukunftsfähigkeit einer Bank angesehen werden. Im Zuge der Übernahme geben mehrere Wagniskapitalgeber und Beteiligungsfirmen ihre Fidor-Anteile ab. Matthias Kröner bleibt aber Vorstandsvorsitzender und auch Teilhaber. Er hatte Fidor 2009 mitgegründet und ist die zentrale Person in der Kommunikation mit Kunden und Presse. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen hat er sich verpflichtet, mindestens noch über die kommenden fünf Jahre das Unternehmen mitzugestalten. Die Fidor Bank hat 89.300 Kunden (Stand Dezember 2015) und eine aktive Community, die sich allgemein zu Finanzthemen und zur Entwicklung ihrer Bank austauscht. Fidor setzt wie N26 auf eine Plattform für Fremdprodukte und lässt die Kunden über teils unkonventionelle Kooperationen zum Beispiel mit Bitcoins oder Edelmetallen handeln. Vielversprechend ist zudem der kürzlich erfolgte Start von O₂-Banking, wofür sich Fidor mit dem Telefonriesen Telefónica zusammengetan hat. In einem Video-Interview, diese Form der Kommunikation wird bei Fidor häufig verwendet, unterstrich Kröner, es sei zugesichert, dass der Social-Banking-Ansatz und der besondere "Spirit" - alles was Fidor ausmache - zu hundert Prozent erhalten bleibe. Unter dem Dach der neuen Mutter will Fidor sein Konzept weiter nach Europa expandieren und Kredite im größeren Umfang als bislang vergeben. Nach Großbritannien expandierte Fidor 2015, durch die Insolvenz eines Kooperationspartners war das jedoch ein problembehafteter Schritt. Die Fidor Bank kann das mit der Übernahme verbundene finanzielle Polster gut gebrauchen, denn sie war im Wachstum ständig gehindert, es mangelte an Eigenkapital. Die Fidor Bank hat Tochtergesellschaften, insbesondere eine für die Technik, sie entwickelt die verwendete Banking-Plattform weiter und lizenziert sie auch an andere Banken und FinTechs. Parallel zur Übereinkunft bei der Übernahme wurde der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2015 veröffentlicht. Das Ergebnis der Gruppe drehte wieder ins Minus - vor Steuern von plus 2,46 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 1,35 Millionen Euro, zusätzlich der Verlustvortrag aus den Vorjahren. Im Fazit zum Jahresabschluss ging der Vorstand für 2016 von "einem deutlich erhöhten Fehlbetrag" aus. Vor diesem Hintergrund wurden zuletzt wiederholt Kapitalerhöhungen notwendig, und eine stärkere Trennung zwischen Bank und Technikunternehmen war in Planung, um die Anforderungen der Bankenaufsicht an die relevanten Kennzahlen einzuhalten.

29.07.2016 |

Wüstenrot lagert Wertpapiergeschäft aus

Im Wertpapierbereich nimmt Wüstenrot künftig lediglich noch eine vermittelnde Rolle ein. Den bestehenden Depotkunden teilte Wüstenrot in einem Schreiben mit, dass ihre Depots am 31.10.16 zu ebase überführt werden sollen. ebase ist eine auf die Depotverwaltung spezialisierte Vollbank, gehört zur comdirect-Gruppe und ist ausschließlich im Geschäft von Unternehmen zu Unternehmen tätig. Nur über Partner wie Fondsvermittler oder Banken kann dort eröffnet werden, für die Partner legt ebase jeweils eigene Preismodelle an. Der Wüstenrot-Kunde müsse für den Übertrag nichts unternehmen, dies geschehe automatisch und es würden ihm dabei keine Kosten entstehen. Widerspricht der Kunde dem angekündigten Übertrag, muss er gemäß dem Schreiben bis spätestens 30.9.16 selbst einen Übertrag zu einem anderen Anbieter veranlassen. Wer gemanagte Fonds im Depot zusammen mit anderen Werten wie Aktien, Anleihen oder ETFs hat, bekommt bei ebase zwei getrennte Depots dafür. Die Handhabung erscheint mehr als umständlich, bislang ging alles mit einem Depot. Beide Depots werden jedenfalls über einen gemeinsamen Online-Zugang ersichtlich sein. Wüstenrot verspricht, die Umstellung führe an anderen Stellen zu Verbesserungen, und zwar durch komfortablere Funktionen und erweiterte Handelsmöglichkeiten (wie etwa Auslandsbörsen). Die betreffenden Bestandskunden werden im Oktober neue Depotnummern und Zugangsdaten für das ebase-Portal erhalten. Diese Zugangsdaten verfallen nach neun Wochen, wenn sie bis dahin nicht benutzt worden sind, eine neue PIN ließe sich dann aber jederzeit online anfordern. Girokonto, Tagesgeld und Kreditkarten sind unverändert bei Wüstenrot im Online-Banking.

Im Neugeschäft ist schon umgestellt - Wüstenrot wirbt statt für das bisherige "Top Depot direct" für das bei ebase geführte "Wüstenrot Investmentdepot" und das "Wüstenrot Wertpapierdepot". Bei beiden fällt keine Depotgebühr an. Von der Unterteilung hängt ab, wo man handeln kann. Das Wüstenrot Investmentdepot ist auf den direkten Handel über die jeweilige Kapitalanlagegesellschaft bzw. den ETF-Anbieter ausgelegt. Dies erfolgt in der Regel zu einmal am Tag festgestellten Kursen. Das Angebot entspricht dem, was häufig auch bei Online-Fondsvermittlern vorzufinden ist. 6.700 gemanagte Fonds sind erhältlich, nahezu alle davon ohne Ausgabeaufschlag. Daneben gibt es eine Auswahl von rund 350 ETFs, in die per Einmalanlage oder Sparplan investiert werden kann, wobei dies hier vergleichsweise teuer ist, da neben eigenen Spesen von 0,20% vom Kurswert nun auch durchschnittlich ca. 0,21% vom Kurswert an Fremdkosten auf der Abrechnung erscheinen. Beim Wüstenrot Wertpapierdepot läuft hingegen alles über den fortlaufenden Handel an den Börsen und dem außerbörslichen Direkthandel. Die Orderpreise sind fast genauso wie beim alten Depot von Wüstenrot, jedoch fällt zusätzlich ein Börsenplatzentgelt an (für Xetra 0,0015% vom Kurswert, mindestens EUR 1,50) und der Preis für Limits ist ein wenig günstiger (EUR 2,50 statt EUR 2,90).

26.07.2016 |

O₂ mit frischen Ideen ins Girokontogeschäft eingestiegen

Das Girokonto von O₂ ist da. Die dazugehörigen Apps für iOS und Android stehen in den Stores zum Download bereit und die O₂-Mutter Telefónica informierte gestern darüber auf ihrer Internetseite. Dass Telefónica an einem solchen Angebot arbeitet, war bekannt, doch die Details zu dem komplett über das Smartphone verwalteten Konto waren bis vor dem Launch noch unklar. Zu den Glanzpunkten des Angebots zählen die Belohnung mit Datenvolumen zum Surfen bei Anbindung an einen O₂-Mobilfunktarif, eine kostenlose Debit-MasterCard inklusive Funkchip zum kontaktlosen Zahlen, Einloggen per Fingerabdruck oder Passwort, Push-Benachrichtigungen über Kontobewegungen, die Möglichkeit Geld an eine Handynummer oder eine E-Mail-Adresse seiner Kontakte zu senden. Die monatliche Kontoführungsgebühr in Höhe von 99 Cent entfällt in den ersten drei Monaten generell, dann unter Nutzung als Gehaltskonto oder Kartenumsatz von mindestens EUR 100,00 im Vormonat. Aber: Eine Bankkarte mit girocard- und/oder Maestro-Funktion fehlt völlig und Schecks einlösen ist nicht möglich. Als Mobilfunkanbieter spielt O₂ bei dem Girokontoangebot seinen Trumpf aus - wen freut es nicht, gratis mobil im Internet surfen zu können? Anhand des Kartenumsatzes im Vormonat wird ein Status zugeteilt: Bei weniger als EUR 100,00 Kartenumsatz - im Bronze-Status - erhält man 100 Megabytes (MB) Datenvolumen zusätzlich zu seinem O₂-Tarif und kann weltweit einmal im Monat kostenfrei Geld am Automaten abheben. Im Silber-Status ab EUR 100,00 bis unter EUR 500,00 Kartenumsatz sind es 300 MB und ein Freikontingent von drei Abhebungen im Monat. Dient das Konto als Gehaltskonto oder ab EUR 500,00 Kartenumsatz ist der Gold-Status erreicht, was im Folgemonat zu 500 MB und unbegrenzt kostenfreien Abhebungen führt. In der Startphase gibt es mehr Datenvolumen, und zwar einmalig 1.000 MB zur Begrüßung, einmalig 1.000 MB für den ersten Einkauf mit Karte, im Silber-Status befristet bis Jahresende im Monat 500 statt regulär 300 MB und 1.000 statt regulär 500 MB im Gold-Status. Nur volljährige Personen bekommen das Konto. Der Antrag läuft über die herunterzuladende Smartphone-App, die einzelnen Schritte sind ansprechend gestaltet, die Legitimation im Video-Telefonat schließt sich unmittelbar an (alternativ ist PostIdent möglich). Das Girokonto wird mit dem Partner Fidor Bank realisiert, da Telefónica wie bis vor Kurzem auch N26 (früher Number26) keine Banklizenz hat. Mobilfunkanbieter suchen nach neuen Einnahmequellen, nachdem Nachrichtendienste wie WhatsApp das früher lukrative Geschäft mit SMS-Kurznachrichten kaputtgemacht haben. Die Positionierung von Telefónica mit einem hochmodernen Girokonto für die Hosentasche ist stimmig und gut umgesetzt. Nach der Übernahme des Konkurrenten E-Plus vor zwei Jahren verfügt Telefónica über eine große Kundenbasis in Deutschland, kommt mit den verschiedenen Marken auf insgesamt über 43 Millionen ausgegebene SIM-Karten. Es lässt sich übrigens auch ein Dispokredit beantragen oder den von Fidor Bank bekannten Geldnotruf-Button drücken, um EUR 100,00 bzw. EUR 200,00 kurzzeitig zu leihen. Ein heikler Punkt ist, dass mit den Bankgeschäften und der Handynutzung sehr viele Daten bei ein und demselben Anbieter zusammenkommen. Den Bedenken versucht O₂ entgegenzuwirken, die vollständigen Daten aller Banking-Transaktionen lägen bei der Fidor Bank, das ist die Kernaussage. In der Datenschutzerklärung der Fidor Bank steht aber auch unmissverständlich, dass mit der Nutzung des Angebots unter anderem der Übermittlung von Transaktionsdaten an Telefónica eingewilligt wird. Transaktionsdaten sind demnach insbesondere IP-Adresse, Transaktionsart, Höhe der Transaktion und verwendetes Zahlmittel.

Das Girokontoangebot von O₂ ist nicht auf die eigenen Telefonkunden beschränkt, den Bonus mit dem Datenvolumen kann man jedoch nur mit O₂-Mobilfunktarif erhalten. Ohne den dürfte für die meisten das von der Fidor Bank selbst angebotene Girokonto interessanter sein. Das unterscheidet sich darin, dass es bedingungslos kostenlos geführt wird und die ausgegebene Karte lässt sich sowohl im Zahlungsnetz von MasterCard als auch von Maestro verwenden. Ein Gehaltseingang ab EUR 1.000 belohnt die Fidor Bank im Folgemonat mit einer Geldgutschrift von EUR 1,00. Außerdem sind Zusatzfunktionen von Fremdanbietern integriert. Allerdings hat die Fidor Bank nur eine App zur Information über Kontobewegungen, keine richtige Banking-App, die wird nach der Entwicklung für O₂ aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.

25.07.2016 |

Banklizenz für Number26 zieht Kontoumzug nach sich

Number26 erhielt vor wenigen Tagen die beantragte Vollbanklizenz und nennt sich fortan N26. Beides kommunizierte das Berliner Startup am Donnerstag. Anderthalb Jahre nach der Einführung des ganz auf das Smartphone ausgerichteten Girokontos ist das Unternehmen in der Lage, mehr als nur die Nutzeroberfläche zu gestalten. Durch den Wandel zu einer echten Bank hat N26 mehr Freiheiten, erhofft sich unter anderem, Innovationen schneller realisieren zu können. Die Abstimmung mit der bisherigen Partnerbank entfällt. Im Hintergrund arbeitete die regulierte Wirecard Bank für N26. Über sie liefen die tatsächlichen Bankgeschäfte. N26 sagt sich davon los, alle Kundenkonten sollen umziehen. Voraussichtlich Anfang September werde man die Kunden zu den Details informieren. Den Umzug verspricht N26 leicht zu machen. Letzten Endes ist es aber wie bei jedem Wechsel des Girokontos zu einer anderen Bank: IBAN und BIC ändern sich, es gibt neue Karten und die Vertragspartner müssen informiert werden. Eine girocard wird es auch dann nicht geben, obwohl sich viele Nutzer das wünschen und nicht jeder Laden Maestro oder MasterCard akzeptiert. Der Markenname von Number26 ist nun N26. Er wird von dem weiterhin als Number26 GmbH firmierenden Unternehmen verwendet, als deren Tochter ist die N26 Bank GmbH angegliedert. Umfragen hätten ergeben, dass der verkürzte Name im Ausland besser ankomme. N26 hat nach eigenen Angaben mittlerweile rund 200.000 Kunden in acht Ländern. Ende 2015 waren es noch 100.000. Das ist beeindruckend, jedoch ist anzuzweifeln, ob das tatsächlich alles aktive Kunden sind, zumal es in der kurzen Zeit einige negative Veränderungen gab. Wenn Geldabheben und Kontoführung für den Kunden gratis sind, kostet das den Anbieter natürlich trotzdem. N26 musste zuletzt das Abheben an Geldautomaten limitieren, vorangegangen waren Kündigungen an diejenigen, die extrem häufig Bargeld abgehoben haben, N26 limitierte das Einzahlen über Barzahlen.de und N26 führte mit EUR 6,00 Monatspauschale das mit keinerlei kostenfreien Geldabhebungen ausgestattete "Flex-Konto" ein, bietet dieses Kontomodell Interessenten mit schwacher Bonität ersatzweise an. Die Banklizenz hatte N26 in Deutschland beantragt und erhalten. Der Europäische Pass berechtigt, EU-weit im Bankgeschäft aktiv zu sein, wenn ein Institut in einem der EU-Länder zugelassen ist, was kaum ein Girokontoanbieter so stark nutzt wie N26. Die Gründer wollen in den nächsten Jahren einige Millionen Europäer erreichen. Im Juni hatten namhafte Investoren zusätzliche 40 Millionen US-Dollar an Kapital für den ambitionierten Ausbau bereitgestellt. Das Geschäftsmodell stützt sich nach wie vor auf Einnahmen aus den Kartenumsätzen und künftig mehr auf Provisionen, die wie mit TransferWise erzielt werden, einem Dienst für internationale Überweisungen. Die Produktvielfalt soll sich mit der Plattform für Kooperationen in den nächsten Monaten stark vergrößern. N26-Kunden bekommen direkt in ihrer App Zugang zu Angeboten aus den Bereichen Sparen, Investieren, Kredit und Versicherungen. Für den morgigen Dienstag ist der Start einer Kooperation mit dem Frankfurter FinTech vaamo angesetzt, eine Geldanlage in ETF-Portfolios gegen eine basierend vom Anlagevolumen prozentual berechnete Jahresgebühr, mindestens aber EUR 1,90 pro Monat. Auch eigene Produkte stehen in der Pipeline: eine Möglichkeit, Kosten unter Freunden digital rasch aufzuteilen, und ein Kredit, über den die Bank mithilfe der modernen IT in Sekunden entscheidet und das Geld sodann sofort verfügbar stellt.

13.07.2016 |

Kurzmeldung

Die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) setzt die neuen Regeln für das VideoIdent, die insbesondere eine Referenzüberweisung notwendig machen, überraschend bis zum Jahresende aus. Die jetzige Veröffentlichung auf der Internetseite der BaFin hat die Aussage, dass bis dahin das Rundschreiben vom Januar des Jahres 2014 statt dem vom Juni 2016 weiter gilt. Den betroffenen Markteilnehmern solle dadurch Zeit gegeben werden, sich auf die höheren Sicherheitsstandards einzustellen. Gleichfalls wurde aber auch angedeutet, dass die Anforderungen noch geändert werden könnten. Bis zum Jahresende sei vom Gesetzgeber ein Entwurf zur Umsetzung einer vierten Geldwäsche-Richtlinie geplant, die BaFin wolle dem Gesetzgeber eine zukunftsgerichtete Antwort hinsichtlich der Verfahren der Kundenidentifizierung vorschlagen. Für die Marktteilnehmer ist die Vorbereitungszeit bei diesem ungewissen Ausgang letztlich doch wieder knapp. Die Volkswagen Bank, die nach dem Rundschreiben vom Juni in ihrer Antragsstrecke zum Tagesgeld das VideoIdent prompt deaktivierte, bietet diese Option der Legitimation nun wieder an.

01.07.2016 |

DKB lässt bald am Kassennetz von Barzahlen.de auszahlen

Die DKB ist nach Number26 der zweite Girokontoanbieter, der mit Barzahlen.de kooperiert. DKB-Kunden sollen noch ab diesem Sommer an den Ladenkassen mehrerer Handelsmarktketten kostenfrei von ihrem Konto Bargeld abheben können, das teilten die beiden Unternehmen gemeinsam mit. Ein konkreteres Startdatum wurde bislang nicht genannt. Das Geldabheben über Barzahlen.de unterstützen die Supermärkte REWE, PENNY und real, die norddeutsche Drogerie Budni und die Kioske der Unternehmensgruppe Dr. Eckert - Ludwig, Eckert, Barbarino, Adam's und ON!Express. Der Partner dm-drogerie unterstützt es noch nicht. Die 2,2 Millionen privaten Girokunden der DKB (Stand 31.12.15) haben durch die Kooperation eine weitere Möglichkeit, sich kostenfrei mit Bargeld zu versorgen. Sie können aber auch ihre VISA-Karte an Geldautomaten und an Shell-Tankstellen nutzen, oder den Bargeldservice, den einige Supermärkte allen Einkaufenden mit girocard selbst anbieten. Geldabheben funktioniert in der Methode von Barzahlen.de mit dem Smartphone, ohne dass ein Einkauf bei dem jeweiligen Filialisten erforderlich ist. Der Ablauf für DKB-Kunden an der Kasse: In die DKB-Banking-App einloggen und dort auf "Cash im Shop" tippen, so nennt es die DKB, anschließend einen Betrag zwischen EUR 50,00 und EUR 300,00 auswählen. Das Abheben ist mit einer TAN zu bestätigen, dafür hat man am besten auch die pushTAN-App installiert, um nicht die iTAN-Liste mitnehmen zu müssen. Danach wird ein Barcode auf dem Display angezeigt. Der wird an der Kasse gescannt, was die Abbuchung vom Konto einleitet; die Abbuchung ist in der Banking-App unmittelbar ersichtlich und man erhält sein Bargeld.

Barzahlen.de ist ein Dienstleister, durch den sich bestimmte Rechnungen aus Online-Einkäufen bar in den Partnerfilialen begleichen lassen. Das ist für Leute gedacht, die Online-Banking scheuen, sie können stattdessen den Zahlvorgang auf dem Weg mit den täglichen Besorgungen erledigen. Barzahlen.de kann mittlerweile mit der vorhandenen Infrastruktur, den eingeübten Abläufen mit den Barcodes, auch Ein- und Auszahlungen für Banken abwickeln. Von Einzahlen ist in der Mitteilung betreffend der DKB jedoch nicht die Rede. Das steht bislang nur Number26-Kunden zur Verfügung, wobei für diese die Kostenfreiheit beim Einzahlen auf EUR 100,00 im Monat limitiert wurde, weil Number26 im Nachhinein feststellen musste, wie kostenintensiv eine rege Nutzung sein kann. Die DKB löst sich durch Barzahlen.de etwas aus der Abhängigkeit von fremden Geldautomaten. Einige Sparkassen und Volksbanken hindern nämlich speziell Kunden der DKB und anderer großer Direktbanken mit Sperren davor, zu ihnen zum Abheben zu kommen, um den Vorteil ihres dichten Geldautomatennetzes zu bewahren. Darüber hinaus erlaubt auch VISA Europe Geldautomatenbetreibern seit Mitte April direkte Kundenentgelte, was ebenfalls ein Problem für die Banken mit wenigen eigenen Automaten darstellt.

23.06.2016 |

VideoIdent nur noch mit Referenzüberweisung

Durch ein neues Rundschreiben der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) an die von ihr beaufsichtigten Unternehmen müssen die Banken beim VideoIdent-Verfahren ab sofort zusätzliche Anforderungen erfüllen. Hierzu zählt insbesondere die Notwendigkeit einer Referenzüberweisung. VideoIdent hat mittlerweile eine wichtige Rolle in der modernen Bankenwelt eingenommen. Denn die Interessenten sind es gewohnt, alles online machen zu können, und nicht wenige hält die Alternative, sich zur Legitimation am Postschalter anstellen zu müssen, letztlich von der Kontoeröffnung ab. Das Rundschreiben ersetzt das vom März 2014. Was hinter der Kamera durchzuführen ist, wurde nochmals detailliert aufgeführt. Die verschärften Vorgaben sieht die BaFin als erforderlich, um das betrügerische Eröffnen von Konten unter falschen Namen und das Einschleusen von Geldern aus Straftaten in den legalen Geldkreislauf zu erschweren. So darf VideoIdent nur noch für Kreditinstitute im Sinne von § 1 Absatz 1 Kreditwesengesetz zum Einsatz kommen, Zahlungsinstitute oder E-Geld-Institute zum Beispiel dürfen es nicht mehr nutzen. Dass externe Dienstleister den ausführenden Part übernehmen, ist weiterhin erlaubt. Alle wesentlichen Identifizierungsschritte sind nun durch eine zweite Ebene im Unternehmen auf ihre korrekte Durchführung hin zu überprüfen. Und die Bank muss vom Kunden eine Referenzüberweisung bei Eröffnung verlangen, von einem Konto, das auf seinen Namen lautet und in der EU geführt wird. Die Höhe des zu überweisenden Geldbetrags ist unbestimmt. Bis zum Eingang der Referenzüberweisung muss sichergestellt sein, dass keine Gelder vom Konto abgezogen werden können. Wenn die Referenzüberweisung ausbleibt, ist die Eröffnung nicht zu Ende geführt, eingegangene Gelder dürfen dann nur an den Einzahler zurückgezahlt werden. Zudem haben die Banken auf Grundlage zusätzlicher öffentlich zugänglicher Daten und Informationen - etwa aus dem Internet oder den sozialen Netzwerken - erneut zu prüfen, dass der Kunde korrekte Angaben zu seiner Identität gemacht hat.

In der Praxis werden die in dieser Form überraschend erhöhten Anforderungen zu einem deutlichen Mehraufwand führen und der Benutzerfreundlichkeit kaum zuträglich sein. In anderen Ländern ist die von einem anderen Konto abgeleitete Identifikation ein Hauptbestandteil bei der Fernidentifikation - in Deutschland wird sie beim VideoIdent zusätzlich verlangt, bei der Identifikation am Postschalter nicht. Die Volkswagen Bank deaktivierte am Dienstag in ihrer Antragsstrecke zum Tagesgeld vorerst die Möglichkeit, sich per VideoIdent legitimieren zu können, weil es Zeit braucht, eine solche Anpassung umzusetzen.

19.06.2016 |

GLS Bank hofft, dass Kunden mit EUR 60,00 Jahresbeitrag kein Problem haben

Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, aus den Zinsmargen Bankleistungen zu finanzieren. Wie sehr die Banken als Folge der Niedrigzinspolitik unter Druck stehen, zeigt das geplante Beitragsmodell der GLS Bank. Die GLS Bank stellte die Details dazu am Samstag auf ihrer Jahresversammlung vor. Beim Vorprogramm am Freitag - Workshops zum Austausch sowie ein Kochevent für über 1.000 Menschen auf dem Campus der Ruhr-Universität Bonn - waren die Pläne sicherlich auch schon ein Thema. Alle Privat- und Geschäftskunden der GLS Bank sollen ab Januar 2017 dauerhaft einen Grundbeitrag zahlen, der nicht an ein bestimmtes Produkt gekoppelt ist. Pro Monat EUR 5,00, für junge Leute EUR 1,00. Es ist ein Novum in der deutschen Bankenlandschaft. Ob der Beitrag tatsächlich erhoben wird, entscheiden die Mitglieder der genossenschaftlichen Bank bei einer außerordentlichen Versammlung im Herbst. Die GLS Bank beansprucht für sich, durch ihre Art des Geldgeschäfts die Welt sozialer und ökologischer zu gestalten. Damit konnte die GLS Bank speziell seit der Finanzkrise überzeugen, räumte viele Preise ab. Mit der Kommunikation will man Verständnis und Bereitschaft für den Beitrag heben, so stehe er dafür, dass die GLS Bank ihre Arbeit so wie bisher weitermachen kann. Schließlich sind die Leute gerade wegen des guten Gewissens bei dieser Bank. Eine interne Umfrage unter den Kunden habe ergeben, dass sie im Schnitt EUR 6,00 im Monat zu zahlen bereit wären, also sogar mehr, als nun gefordert. Dennoch lässt sich die Bank viel Zeit mit der Einführung, brachte das Konzept erstmals ansatzweise im vergangenen Februar ins Gespräch. Was mit jenen Kunden passieren soll, die sich ihrer Bank gegenüber nicht solidarisch zeigen wollen und den Betrag nicht zahlen, ist übrigens noch nicht klar. Es werde eine Übergangsfrist geben, danach wird weitergeschaut. Es gibt keinerlei Not, aber die Bank müsse das jetzt in Angriff nehmen, ansonsten würde sie in fünf Jahren große Probleme bekommen, so Chef Thomas Jorberg weiter zur Begründung. Verschärfend kämen der regulatorische Mehraufwand und ein stärkerer Wettbewerb durch die Digitalisierung hinzu. Die Bank hat inzwischen rund 201.000 Kunden. Der Vorstand konnte auf der Jahresversammlung mit dem gestiegenen Geschäftsvolumen erneut von einer positiven Geschäftsentwicklung berichten. Wegen einer höheren Risikovorsorge sank der Gewinn nach Steuern jedoch etwas, von 5,7 auf 5,1 Millionen Euro.

Zusätzlich wird die GLS Bank, wie zurzeit in der Branche üblich, die Kontoführungsgebühren anheben. Schon ab November 2016 ist eine Monatspauschale von EUR 3,80 statt bislang EUR 2,00 zu zahlen. Gleichzeitig sollen die Kunden aber von einer Streichung der Dispozinsen (zurzeit 7,05% p. a.) profitieren. Die individuelle Höhe des zinsfrei eingeräumten Dispokredits werde bei maximal drei Nettomonatsgehältern liegen, höchstens aber EUR 10.000. Bei einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus sei eine Wiedereinführung der Dispozinsen denkbar. Für die Geschäftskunden erhöht sich die Monatspauschale auf EUR 8,00 (bisher EUR 5,00).

19.05.2016 |

Eigentümerwechsel bei net-m privatbank 1891

Die net-m privatbank 1891 steht vor dem Verkauf vom japanischen Mobilfunkkonzern NTT DoCoMo an die indische Hinduja-Gruppe. Die Verkaufsabsicht haben die bisherigen Eigentümer der BaFin angezeigt, als Aufsichtsbehörde muss sie der Transaktion noch zustimmen. Es wurde kommuniziert, dass diese Anzeige bei der BaFin erfolgte, viel mehr nicht. Die beteiligten Parteien unterschrieben am Dienstag die Vereinbarung, über die vertraglichen Details sei Stillschweigen vereinbart worden. Aufnehmende Gesellschaft aufseiten der Hinduja-Gruppe ist die Base Oil Supply Limited.

NTT DoCoMo baute die Bank ab 2012 neu auf, richtete sie auf eigentlich zurzeit häufig nachgefragte Dienste wie mobiles Payment und White-Label-Banking aus. Bei Letzterem werden für andere Unternehmen und Startups vor allem technische und regulatorische Aufgaben übernommen, um Bankinglösungen zu realisieren. Im eigenen Direktgeschäft ist die net-m privatbank 1891 ein Tagesgeldanbieter, noch im vergangenen März ist sie mit hohen Zinssätzen auch bei den Online-Festgeldanlagen eingestiegen. Die Bank steuert mit diesen Produkten sehr zielgerichtet ihre Liquidität - mittlerweile sind ihre Zinssätze bei den Festgeldanlagen schon nicht mehr so überragend und auch viele Bestandskunden erhielten eine Mitteilung, dass die ihnen bis auf Weiteres beim Tagesgeld eingerichtete Sonderkondition zum 1.6.16 entfällt. Eine Rentabilität der Bank war offenbar nicht absehbar. 2014, das sind die aktuellsten veröffentlichten Geschäftszahlen, betrug das Minus vor Steuern 1,516 Millionen Euro. Zwar sind das rund 439.000 Euro weniger Verlust als im Vorjahr, aber bei deutlich niedrigeren Bilanzsummen. Schon allein aus dem Grund wird der Eigentümerwechsel zu größeren Restrukturierungen führen. Die Hinduja-Gruppe ist in mehreren Ländern und Branchen tätig, unter anderen in den Branchen Finanzen, Transport, Telekommunikation, Film und Öl. Die Gruppe gehört den Brüdern Srichand Hinduja, Gopichand Hinduja, Prakash Hinduja und Ashok Hinduja. Der 80-jährige Srichand Hinduja und der 76-jährige Gopichand Hinduja stehen in Großbritannien zusammen an zweiter Position der von der Sunday Times erstellten "Rich List 2016". Die Gruppe betreibt in ihrem europäischen Finanzgeschäft mit Teams in London und Genf Investmentbanking, in der Schweiz und in Italien hat sie Banklizenzen, bietet dort die Vermögensverwaltung für private Kunden und Handelsfinanzierungen an.

11.05.2016 |

HypoVereinsbank stellt auf Girokonten mit höheren Preisen um

Die HypoVereinsbank wird zum 1.7.16 drei neue Girokontomodelle einführen und dann nur noch diese und das Jugendkonto zum Abschluss anbieten. Die Konditionen des Jugendkontos bleiben gleich, lediglich dessen Bezeichnung ändert sich leicht. Dass Änderungen bevorstehen, zeigte sich nach außen, weil zahlreiche Inhaber des kostenlos geführten "Konto Online" Post erhielten. Ihr Konto soll in ein "AktivKonto" umgewandelt werden - sofern sie nicht innerhalb einer Frist von zwei Monaten nach Brieferhalt widersprechen. Konto Online und AktivKonto sind Kontomodelle für die ausschließliche Online-Nutzung, das neue Modell kostet jedoch monatlich EUR 2,90 und die girocard EUR 5,00 pro Jahr extra. Weiterhin werden für beleghafte und per Telefon-Banking veranlasste Überweisungen jeweils EUR 2,50 anfallen, zukünftig auch am SB-Terminal, nur per Online-Banking sind sie kostenlos. Die optionale MasterCard wird zu diesem Konto EUR 30,00 statt bislang EUR 20,00 im Jahr kosten, reduziert gegebenenfalls um den Umsatzbonus. Nicht wenige der Kunden hatten schon einmal ein solches Schreiben erhalten, mit dem sie in ein neues Kontomodell gedrängt wurden. Die HypoVereinsbank überarbeitete nämlich auch im Jahr 2012 ihr Girokontoangebot grundlegend. Bei Widerspruch gegen die Umstellung können die Kunden vorerst bei dem bisherigen bleiben. Die Bank weist dann aber darauf hin, dass die derzeitigen Konditionen in absehbarer Zeit nicht mehr angeboten werden können. Das ist unmissverständlich eine weitere Parallele zu der Vorgehensweise von 2012, die HypoVereinsbank erklärte nach einigen Monaten den Wechselunwilligen die Kontobeziehung für beendet.

Neu sind auch das "PlusKonto" und das "ExklusivKonto", im dem Schreiben beigelegten Flyer ist ein Weblink zu deren Konditionen genannt, über die normale Navigation des Internetauftritts ist die Seite nicht verlinkt. Beim PlusKonto sind für EUR 7,90 im Monat die girocard und alle SEPA-Überweisungen kostenfrei, unabhängig davon, auf welchem Weg eingereicht. Das Modell ist dem bisherigen "Konto Komfort" sehr ähnlich, darin ist jedoch keine Kreditkarte mehr inbegriffen. Im neuen ExklusivKonto, für das eine Monatspauschale von EUR 14,90 genommen wird, ist eine MasterCard-Kreditkarte hingegen enthalten. Die Inhaber des ExklusivKontos heben mit der MasterCard weltweit gebührenfrei ab (eine Leistung, die es bei mehreren Direktbanken ohne Kontoführungsgebühr gibt). Bei der HypoVereinsbank haben sie daneben die Vorteile, dass sie die in Ausnahmefällen erhobenen direkten Entgelte der Geldautomatenbetreiber auf Antrag über den Kundenbetreuer erstattet bekommen und bei Reisebuchung über ein Partnerunternehmen fünf Prozent Rückvergütung auf den Reisepreis erhalten. Neukunden lässt die HypoVereinsbank übrigens momentan noch die derzeitigen Kontomodelle abschließen, online ohne einen Hinweis darauf, dass sie bald nicht mehr aktuell sein werden.

28.04.2016 |

Bezahlen mit Smartphone durch PAYBACK bald massentauglich?

PAYBACK-Nutzer werden nach einem Update der Smartphone-App künftig auch mit dieser punkten und bezahlen können. Das stellte Deutschlands größtes Kundenbindungsprogramm am Dienstag auf einem Kongress in Bonn vor. Das Bündeln von Punktesammeln, Coupons einlösen und Mobile Payment in nur einem einzigen Vorgang ist eine logische Weiterentwicklung. Schlicht durch das Update, verfügbar für Millionen von Nutzern, könnte das mobile Bezahlen hierzulande mit PAYBACK in den Alltag einziehen. Bislang konnte man die App nicht anstelle der Plastikkarte vor Ort einsetzen, man konnte damit lediglich eCoupons aktivieren und den Punktestand einsehen. Die neuen Funktionen kommen für Android und iOS, noch nicht für Windows Phone. Der Fahrplan: Das Punktesammeln per Smartphone wird bei den wichtigsten PAYBACK-Partnern ab Juni möglich sein. Der erste Händler, der die Bezahlfunktion anbieten wird, ist ab Juni dm-drogerie markt, im Juli folgt real,- und im Herbst folgen nach und nach weitere wie Aral, GALERIA Kaufhof und REWE. Die Zahlung wird über einen zu scannenden QR-Code angenommen. Das wird auch ohne Internetverbindung des Smartphones funktionieren, und es bezieht auch ältere Smartphones ein, die keinen Chip für den Nahfunkstandard NFC haben. In einem späteren Schritt soll alternativ NFC genutzt werden können. Der fällige Geldbetrag wird durch einen zertifizierten Zahlungsdienstleister per Lastschrift vom hinterlegten Bankkonto eingezogen. Den Baustein zum mobilen Bezahlen steuert die UMT United Mobility Technology AG aus München bei, eine White-Label-Lösung, die grundsätzlich auch für andere Anbieter von Bonusprogrammen möglich ist. real,- wird zusätzlich anbieten, den Kassenbon digital zu übermitteln. Dabei erhält der Käufer, der seine E-Mail-Adresse für diesen Service in den Einstellungen angegeben hat, den Kassenbon im Anschluss an den Kassiervorgang automatisch als Link zugeschickt. Mit einem optionalen Benutzerkonto bei real.de werden die Bons dann noch archiviert.

Die Plastikkarte und auch die Papier-Coupons bleiben den Kunden erhalten. Aber in einigen Fällen wird sich die Frage an der Kasse "PAYBACK-Karte?" erübrigen. Um die Verbreitung muss sich PAYBACK im Gegensatz zu anderen Anbietern von Mobile Payment keine Sorgen machen, die Karte wird derzeit rund 3,5 Millionen Mal pro Tag an den Kassen vorgezeigt, App-Nutzer und Händler sind genug vorhanden. PAYBACK muss Mobile Payment nicht mit viel Marketingaufwand anschieben, weil es hier ein Mehrwert zum bestehenden Punkteprogramm ist, den man nutzen kann, aber nicht muss. Für die teilnehmenden Händler sind für den integrierten Zahlvorgang nur minimale Anpassungen notwendig. Das eingesetzte Lastschriftverfahren hält zudem die Kosten für die Händler klein.

12.04.2016 |

DekaBank übernimmt S Broker komplett

Der Online-Wertpapierhändler S Broker gehört künftig ganz der DekaBank Deutsche Girozentrale. Diese hat sich mit den weiteren Gesellschaftern geeinigt, alle Anteile zu erwerben. Das teilte sie auf ihrer heutigen Bilanzpressekonferenz mit. Die DekaBank hält 30,6 Prozent der Kommanditanteile des S Brokers, sie war damit bislang bereits Haupteigentümer. Die restlichen Anteile sind im Besitz von neun Sparkassenverbänden beziehungsweise deren Beteiligungsgesellschaften sowie drei direkt beteiligten Sparkassen. Die DekaBank rechnet damit, die Transaktion im Sommer vollziehen zu können, vorbehaltlich der Genehmigung durch das Bundeskartellamt. Über den Kaufpreis gab sie keine Auskunft. Der S Broker mit seinen 131.000 Kunden ist und bleibt der Online-Broker der Sparkassen, denn die DekaBank wiederum gehört zu 100 Prozent den deutschen Sparkassenverbänden. Die DekaBank entwickelte sich in den letzten Jahren von einer reinen Fondsgesellschaft zu einem zentralen Dienstleister im Wertpapierbereich für die Sparkassen-Finanzgruppe. Durch die Übernahme soll weiteres Know-how in Wertpapieren bei der DekaBank gebündelt werden, der Ausbau der Onlineschiene die Sparkassen über die Kooperationsmöglichkeiten unterstützen. Der S Broker werde als eigenständige Gesellschaft am Standort Wiesbaden fortgeführt. Das hört sich alles nach wenig Veränderung an, bloß, dass durch die einfacheren Besitzverhältnisse sich geschäftspolitische Entscheidungen möglicherweise schneller treffen und umsetzen lassen.

Der S Broker wurde 1999 ursprünglich als pulsiv.com von HSBC Trinkaus & Burkhardt gegründet und 2001 von den Sparkassen übernommen, mit dem vorrangigen Ziel, das Abwandern von Sparkassenkunden zu anderen Online-Brokern zu verhindern. Nur 32 Sparkassen lassen ihre Kundendepots inklusive aller administrativen Aufgaben über ihn führen. Andere Sparkassen machen lediglich abwanderungsgefährdete Kunden auf das Angebot aufmerksam und erhalten im Erfolgsfall zumindest noch die Vermittlungsprovision. Eine Befürchtung ist bei beiden Kooperationsmodellen wohl immer, den Kundenkontakt zu verlieren.

12.04.2016 |

VideoIdent der Post kommt in die Gänge

Die Deutsche Post will verlorene Marktanteile bei der nach dem Geldwäschegesetz vorgeschriebenen Identifizierung von Bankkunden zurückholen. Sie konnte jetzt bekannt geben, dass mit der Volkswagen Bank ab sofort eine namhafte Bank das VideoIdent der Post nutzt, zunächst ausschließlich beim Antrag zum Tagesgeldkonto mit 1,25% p. a. Sonderzins. Auch die EthikBank und die PSD Bank Köln nutzen es. Um Kunde einer deutschen Direktbank zu werden, ging man bis 2014 in aller Regel abschließend mit den erstellten Vertragsunterlagen in eine Postfiliale, legte den PostIdent-Coupon am Schalter vor und ließ sich persönlich identifizieren. Mit diesem klassischen PostIdent hatte die Post eine Monopolstellung. Als die Finanzdienstleistungsaufsicht Anfang 2014 die Fernidentifizierung geprüft und schließlich zugelassen hatte, konnten die Unternehmen IDnow aus München und WebID Solutions aus Berlin schnell zuverlässige Abläufe aufbauen. Die Post zog erst ab Mai 2015 mit einem eigenen Angebot zum VideoIdent nach. Jedoch entschied sich bislang kaum eine Bank dafür, mit der Post in dem Bereich zusammenzuarbeiten, selbst DHL nicht, bei der Registrierung für den Päckchenempfang an Packstationen wird lediglich das klassische PostIdent angeboten.

Die Post verwendet online genauso wie offline die Bezeichnung "PostIdent" - unterscheidet in "PostIdent durch Videochat" und "PostIdent durch Postfiliale". Diese und auch einige andere Verfahren zur Feststellung der Identität in weiteren Branchen hat sie auf dem Portal postid.de gebündelt. Die Banken-Websites leiten die angehenden Neukunden mit einer dem Kontoantrag zugeordneten Vorgangsnummer auf dieses Portal. Sie können dort ihr bevorzugtes Identifizierungsverfahren wählen - also ob sie sich mit einem Call-Center-Agenten für ein Videotelefonat verbinden lassen oder den Coupon für den Gang in eine Filiale ausdrucken möchten. Die Post rechnet mit der Bank die vereinbarten Grund- und Rücksendeentgelte ab, fast keine der Banken verlangt die Entgelte für die Identifizierung vom Kunden zurück. Während des Videotelefonats sind die Abläufe ähnlich denen bei den zwei spezialisierten Konkurrenten, die Servicezeiten täglich von 8:00 bis 22:00 Uhr, ausgenommen lediglich bundesweite Feiertage. Am PC/Laptop benötigt der Nutzer eine Webcam und einen WebRTC-fähigen Browser, ein Mobiltelefon um eine mTAN zu empfangen und natürlich seinen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Der Internet Explorer und Safari sind nach Angaben der Post noch nicht WebRTC-fähig, dafür wird behelfsweise ein Plugin über das Portal bereitgestellt. Der Mitarbeiter prüft die Sicherheitsmerkmale auf dem Ausweisdokument und dass der Ausweis tatsächlich auch zur Person vor der Webcam passt. Er macht von Ausweisdokument und Person jeweils Bilder, die gespeichert werden. Für Tablets und Smartphones mit den Betriebssystemen iOS und Android ist eine App für das Videotelefonat mit der Post verfügbar. Identifizierungen bei Wohnsitz im Ausland sind bislang bei der Post noch nicht möglich. Eine weitere Alternative, die je nach Vereinbarung mit der Bank ebenfalls zur Auswahl steht, ist die Legitimation mit dem neuen Personalausweis, dazu muss die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet sein und ein entsprechendes Kartenlesegerät wird benötigt. Durch die Identifikation über das Internet ist ein Antragsprozess kundenfreundlich und schnell, ohne den Medienbruch die Abbruchquote geringer. Trotz der schleppenden Einführung wird die Post nicht dauerhaft an dritter Position im Geschäft mit dem VideoIdent bleiben, weil fast jeder sie gedanklich mit der Identifikation für ein Online-Bankkonto in Verbindung bringt und weil sie den klassischen und den neuen Weg aus einer Hand bieten kann.

Immer mehr Banken bieten das praktische VideoIdent an, wenige wie comdirect ziehen dabei eine Lösung im eigenen Haus vor. An IDnow sind in Deutschland unter anderem die Commerzbank, Meine Bank und Number26 angebunden. Mit WebID Solutions kooperieren 1822direkt, American Express, Barclaycard ("Express-Kredit"), Deutsche Bank, Deutsche Handelsbank, DKB, ING-DiBa, maxblue, MoneYou, TARGOBANK, SWK-Bank und Wüstenrot. IDnow und WebID Solutions konnten schon expandieren. Als beispielsweise die Finanzmarktaufsicht der Schweiz die Rahmenbedingungen für die Fernidentifizierung im März dieses Jahres schuf, war IDnow sofort in der Lage, das für die UBS zu realisieren.

29.03.2016 |

flatex stellt Kreditlinie bereit

Der Online-Broker flatex startete mit dem neuen "flex-Kredit" eine Kreditoffensive und will den Banken so im Dispogeschäft Konkurrenz machen. flatex räumt dabei ab sofort einem Großteil seiner Kunden eine Kreditlinie zur freien Verwendung und flexiblen Rückzahlung ein. Die Konditionen sind ungewöhnlich günstig: Der Sollzins für in Anspruch genommene Beträge und den Zeitrahmen der Nutzung beträgt zurzeit 3,84% p. a., effektiv sind es 3,90% p. a. Die Kreditlinie wird ohne ausdrückliche Vereinbarung automatisch eingerichtet - auf Basis der vorliegenden Guthaben und Wertpapierbestände des Kunden, maximal bis EUR 25.000. Auch Neukunden können sie kurz nach einem Depotübertrag erhalten. Über die individuelle Höhe informiert eine Mitteilung im Online-Postfach. Wenn es zu Zinsanpassungen kommt, werde man diese Änderungen frühzeitig ebenso auf diesem Weg mitteilen. "Die meisten unserer Kunden zahlen für Dispokredite sehr hohe Zinsen bei ihrer Hausbank, wenn sie kurzfristig finanziellen Spielraum benötigen - obwohl sie oft viel Geld angelegt haben und besonders kreditwürdig sind", erklärte flatex-Geschäftsführer Niklas Helmreich. Der Kredit bei flatex lässt sich als Alternative dazu nutzen oder um Kaufgelegenheiten an der Börse auch dann wahrzunehmen, wenn noch kein Guthaben auf das Depot-Verrechnungskonto übertragen wurde. Die FinTech Group, zu der unter anderem flatex gehört, kann auf die hohen Einlagen bei der Banktochter biw zurückgreifen. Die Mittel waren bis zum Austritt der biw Bank aus dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken e. V. überwiegend sehr konservativ angelegt, etwa bei der Europäischen Zentralbank. Sie werden mit der Einführung des Kredits nun rentabler eingesetzt, und gleichzeitig hebt sich flatex mit dem zinsgünstigen Kredit auch vom Wettbewerb ab. Konzernchef Frank Niehage erwartet, dass er gut angenommen wird und schon 2016 einen Beitrag zum Ergebnis leistet.

Bei vielen Online-Brokern ist es möglich, das eigene Depot zu beleihen. Diese sogenannten Lombardkredite waren bislang ein weniger offensiv unterbreitetes Produkt, eher an die Zielgruppe der aktivsten Trader gerichtet. Die Bestände werden hierbei explizit verpfändet, dies trifft nicht auf das für die unkomplizierte Nutzung konzipierte Angebot von flatex zu. Der beleihbare Wert des Depots ist deswegen bei Lombardkrediten höher, er ändert sich aber auch häufig, da er sich in Prozent des Kurswerts bemisst. Die Prozentsätze legen die Anbieter individuell für die jeweiligen Wertpapiergruppen fest.

10.03.2016 |

Kurzmeldung

Die Europäische Zentralbank ergriff heute mehrere Maßnahmen, um ihre Geldpolitik abermals zu lockern. Der Leitzins in der Eurozone wird ab 14.3.16 null Prozent betragen, bislang waren es 0,05 Prozent. Der Einlagezins für Banken sinkt zeitgleich von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent. Zudem wird das Ankaufsprogramm der Kreditverbriefungen von 60 Milliarden Euro monatlich ab April auf 80 Milliarden ausgeweitet, auch Schuldtitel von Unternehmen können dabei künftig gekauft werden. Die Konditionen der Sparprodukte werden in der Folge nochmals sinken, denn verfügen die Banken über zu viele Einlagen entstehen durch den negativen Einlagezins, der faktisch ein Strafzins ist, nun noch mehr Kosten, wenn die Liquidität bei der Zentralbank geparkt wird.

01.03.2016 |

Günstig über TransferWise ins Ausland überweisen

Number26, Anbieter eines Smartphone-Girokontos, integrierte kurz vor dem Monatswechsel mit TransferWise einen Partner in die eigene Banking-App und das Online-Banking per Webbrowser. Für Kunden von Number26 ist es so nun naheliegend, Überweisungen in Länder außerhalb des Euroraums über TransferWise durchzuführen. Zunächst können Number26-Kunden die Leistungen für neun Fremdwährungen nutzen (US-Dollar, Britisches Pfund, Schwedische Krone, Indische Rupie, Australische Dollar, Kanadische Dollar, Ungarische Forinten, Schweizer Franken und Polnische Zloty). Weitere Währungen, verspricht Number26, kommen bald hinzu. Eine andere Ausführungsmöglichkeit für Auslandsüberweisung außerhalb des Euroraums wird nicht parallel dazu angeboten. Number26 will sich mit weiteren Partnerschaften wie angekündigt zu einer Plattform entwickeln und an den Margen mitverdienen.

TransferWise ist ein Online-Dienst, bei dem man sich natürlich auch ohne Number26-Girokonto registrieren kann. TransferWise hat auf dem Heimatmarkt Großbritannien eine hohe Bekanntheit und einen gewissen Hip-Faktor. Hierzulande hingegen entfällt ein großer Teil der Auslandsüberweisungen auf den Euroraum, wodurch solche Dienste seltener benötigt werden. Um die Reichweite in Deutschland zu erhöhen, verhandelt TransferWise zurzeit mit diversen traditionellen und modernen Anbietern über eine Integration. TransferWise kann Geldtransfers besonders günstig anbieten, weil das Unternehmen mit einem Peer-to-peer-System Bankgebühren und Kosten für den Währungstausch umgeht. Die zu überweisende Summe wird intern per Software mit Transfervolumen von anderen Nutzern im Zielland verrechnet. Damit solch ein Modell funktioniert, müssen die Geldflüsse von beiden Seiten etwa gleich groß sein, der Anbieter die Differenz durch Zukauf von Währungen gegebenenfalls ausgleichen. TransferWise führt für die Verrechnung der Geldströme eigene Girokonten in verschiedenen Ländern der Welt. Der Nutzer beauftragt den internationalen Transfer unter Angabe des Empfängerkontos. Er überweist jedoch von seinem Girokonto auf das ihm mitgeteilte nationale Girokonto des Unternehmens, was zu Inlandskonditionen möglich ist. Alternativ lässt er den Betrag per Lastschrift einziehen, oder zahlt mit Karte (Kartenzahlungen teilweise mit Aufpreis). TransferWise überweist anschließend aus dem Topf im Zielland an den eigentlichen Empfänger. So verlassen die Gelder nie wirklich die Währungszone. Meist ist der Vorgang innerhalb von drei Werktagen abgeschlossen. Die vom Nutzer zu zahlende Gebühr richtet sich nach den an der Überweisung beteiligten Währungen, und zwar nach der im jeweiligen Fall höheren Gebühr. Für viele der wichtigsten Währungen liegt sie bei 0,5 Prozent der transferierten Summe. Die Spanne reicht bis 2,5 Prozent, dieser Satz gilt für die Währungen einiger afrikanischer Länder. Bei kleinen Überweisungsbeträgen greift in der Regel eine Mindestgebühr. Vorteilhaft für den Nutzer ist ebenfalls, dass TransferWise beim Umtausch einen Devisenmittelkurs verwendet, nicht wie üblich Geld- und Briefkurse, mit denen Banken sonst zusätzlich verdienen. Für das jeweilige Währungspaar sollte man ermitteln, ob man tatsächlich mit TransferWise spart. Das ist häufig der Fall, aber nicht immer. Berücksichtigt werden muss dabei auch, dass der Empfänger einer gewöhnlichen Auslandsüberweisung per Bank in der Regel noch eine Gebühr für den Erhalt des Geldes bezahlt.

19.02.2016 |

Barclaycard beschleunigt zwischen Kreditantrag und Auszahlung

Barclaycard führte am Mittwoch den "Express-Kredit" ein. Dies ist ein neues Ratenkreditangebot, bei dem die Abläufe digital und schnell sind - und an einigen Stellen ungewohnt. Barclaycard ist vor allem für Kreditkarten bekannt, vergibt aber auch Ratenkredite, schon seit Mai 2008. Die Konditionen sind beim Express-Kredit für alle Interessenten gleich: ein gebundener Sollzins von 4,07% p. a., ein effektiver Jahreszins von 4,15% p. a., Nettodarlehensbeträge von EUR 1.000 bis EUR 35.000, bei Laufzeiten von 12 bis 84 Monaten. Die zur Kreditprüfung gewöhnlich benötigten Gehaltsnachweise und Kontoauszüge können in der Schublade bleiben, sind nicht einzusenden. Stattdessen wird Barclaycard online Einsicht gewährt in die Umsätze des bei der Hausbank geführten Girokontos, das, indem man die Zugangsdaten für das Online-Banking des Girokontos mitteilen muss. Ähnlich arbeiten die Webservices, mit denen zahlreiche Girokontoanbieter seit Kurzem zum Kontowechsel bewegen möchten. Sie werden von externen Dienstleistern wie fino und FinReach erbracht und werten die Umsätze des alten Kontos aus. Barclaycard gibt an, die Zugangsdaten ausschließlich durch das Computersystem und für die Aufstellung einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung zu verwenden, dabei die Kontoumsätze der letzten sechs bzw. zwölf Monate zu kopieren und die Zugangsdaten nach dem einmaligen Gebrauch umgehend vom eigenen System zu löschen. Der Interessent kann nur ein Konto zur digitalen Prüfung angeben, es soll das Haupt-Girokonto sein, auf dem das Gehalt eingeht und von dem die Zahlungen wie Miete usw. abgebucht werden. Am Ende der Antragsstrecke erhält der Interessent unmittelbar eine Kreditentscheidung. Fällt sie positiv aus, ist der nächste Schritt die Legitimation, sie ist ausschließlich per VideoIdent vorgesehen. Während des VideoIdents bittet der Gesprächspartner darum, den Personalausweis in die Kamera zu halten und den ausgedruckten Kreditantrag vor seinen Augen zu unterschreiben. Dies wird dokumentiert, sodass kein postalisches Einsenden nötig ist. Je nachdem, wie früh am Tag der Vertrag so geschlossen wird, kann die Auszahlung sogar noch am selben Tag erfolgen, spätestens aber am Morgen des nächsten Bankarbeitstags.

Wer das Haupt-Girokonto aber bei TARGOBANK, Santander Consumer Bank oder Santander Bank hat, kann den Express-Kredit derzeit noch nicht beantragen. Barclaycard gibt technische Gründe an, jedenfalls liegt es an dem Kontozugriff über die Zugangsdaten, der zurzeit dort nicht genutzt werden kann. Parallel zum Express-Kredit hat Barclaycard weiterhin ihren bisherigen Ratenkredit im Programm, bei dem die Zinsen abhängig von der Bonität sind. Bei sehr guter Bonität ist er möglicherweise günstiger, bei mittlerer Bonität hat er dieselben Zinskonditionen wie der Express-Kredit. Hier lässt sich die Legitimation ebenfalls per VideoIdent durchführen, das ist aber nicht zwingend, alternativ ist PostIdent möglich.

05.02.2016 |

ING-DiBa: Rekordgewinne am laufenden Band

Das abgelaufene Geschäftsjahr war das wirtschaftlich erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. Diese Kernaussage trifft auf ING-DiBa, eine 100-prozentige Tochter der niederländischen Großbank ING, zum dritten Mal in Folge zu. Das Besondere an den heute in Frankfurt bekannt gegebenen Ergebnissen von 2015: Der Gewinn vor Steuern liegt erstmals über einer Milliarde – es wurden 1,115 Milliarden Euro erwirtschaftet. 2014 waren es 888 Millionen Euro, 691 Millionen Euro in 2013. ING-DiBa arbeitete 2015 extrem effizient, mit einem Aufwand-Ertrag-Verhältnis von gerade mal 40 Prozent (Vorjahr: 44 Prozent). Enthalten in den Zahlen ist auch das Österreich-Geschäft. Die Kundenzahl erhöhte sich in Deutschland und Österreich zusammen gegenüber dem Vorjahr um netto rund 200.000 auf 8,5 Millionen. Das Wachstum kam im Niedrigzinsumfeld über die Girokonten, das Brokerage und die Konsumentenkredite. Die Gesamtzahl der Girokonten stieg um 16 Prozent auf 1,4 Millionen. Beim Brokerage konnte ING-DiBa als erster Online-Broker in Deutschland die Marke von einer Million Depots feiern. Es wurden 22 Prozent mehr Orders ausgeführt, stark gefragt war das Angebot, 5.000 Fonds und ETFs im Direkthandel ohne Orderprovision kaufen zu können. Das Volumen der vergebenen Konsumentenkredite liegt 20 Prozent im Plus. Das vor drei Jahren aufgenommene Geschäft mit den Unternehmenskunden nimmt an Bedeutung zu, es konzentriert sich auf Finanzierungsprodukte für große Unternehmen, um die Liquidität anzulegen, die über Einlagen reinkommt. Diese Finanzierungen stiegen um 78 Prozent. Als nächste Neuerung plant ING-DiBa, für Unternehmenskunden eine digitale Banking-Anwendung einzuführen, genannt "Inside Business".

Spannend ist der Ausblick für Österreich. ING-DiBa Austria kam nicht mehr wesentlich voran, 525.000 Kunden gegenüber 524.000 im Vorjahr. Seit Jahren besteht die Produktpalette lediglich aus Tagesgeld, Festgeld, Konsumentenkrediten und einem Fondsdepot. Doch ING-DiBa Austria wird bald nicht mehr ausschließlich Zweitbank sein. Gemäß der Ankündigung von Luc Truyens, der im September die Leitung von ING-DiBa Austria übernahm, ist ein Girokonto in Vorbereitung. Es soll im ersten Halbjahr 2016 eingeführt werden und auf die Bedürfnisse von Smartphone-Nutzern zugeschnitten sein, sich durch einfache und clevere Lösungen auszeichnen. Es werde nicht zig verschiedene Apps geben, aber eine PushTAN-App zur Auftragsfreigabe. Truyens sieht viel Potenzial für sein Institut, da die Wechselbereitschaft bei den Girokonten laut Umfragen mittlerweile überaus hoch sei. Sicherlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt auch sinnvoll, sich über das Banking für die Hosentasche zu positionieren. Aus Verbrauchersicht ist mehr Wettbewerb positiv, von österreichischen Direktbanken gab es lange Zeit wenig Angebot bei den Girokonten.

22.01.2016 |

Zinspilot-Modul zuerst bei flatex integriert

Die Kunden des Online-Brokers flatex können seit Mitte des Monats über ihr bereits vorhandenes Depot-Verrechnungskonto nicht nur Wertpapiere handeln, sondern auch auf Tages- und Festgeldkonten von Drittbanken anlegen. Das basiert auf einer Kooperation mit Zinspilot, einem Anlegerservice für Zinsanlagen, der Bequemlichkeit und Zeitersparnis in den Mittelpunkt stellt. Über Zinspilot kann bei einigen deutschen Banken und einigen Banken im EU-Ausland angelegt werden, zurzeit aber erst bei der CreditPlus Bank und der Hanseatic Bank (beide aus Deutschland), der Austrian Anadi Bank (Österreich) und der FIMBank (Malta). Die bei Zinspilot verfügbaren Konten wurden über ein Modul bei flatex in das Online-Banking eingebaut. Dort genügen für den Produktabschluss bei der jeweiligen Anlagebank ein paar Klicks. Abschließend ist wie bei Überweisungen oder Wertpapieraufträgen der Auftrag zur Anlage mit dem bei flatex verwendeten iTAN-Verfahren freizugeben. Gegenüber dem Weg über zinspilot.de entfallen das Eröffnen eines Zinspilot-Abwicklungskontos und das dafür notwendige PostIdent. Zinspilot propagiert das eigene Angebot als eine Ein-Konto-Lösung. Das ist jedoch nicht ganz zutreffend, zwar steuert der Anleger die verschiedenen Anlagen von nur einem Ort und muss nur ein einziges Mal zum PostIdent, mehrere Bankverbindungen entstehen aber dennoch. Und die Auslandsanlagen führen wegen der ohne Abzug von deutscher Abgeltungssteuer ausgezahlten Zinserträge zu dem unbeliebten Mehraufwand bei der Einkommensteuererklärung.

flatex fügte so das Segment Tages- und Festgeld zu, ohne selbst ein Angebot an Einlageprodukten aufzubauen. Und Zinspilot fand eine Gelegenheit, durch den Zugang zu einem großen Kundenstamm potenziell schnell und effizient zu wachsen. Da flatex das Depot-Verrechnungskonto wie Zinspilot das Abwicklungskonto von der biw Bank führen lässt, werden bei dieser Kooperation im Grunde zwei Konten hausintern zusammengelegt. Zinspilot hofft, das fertige Modul zu den Anlagekonten aber auch bei weiteren Banken und Online-Brokern unterbringen zu können. Ein solches Partnermodell, bei dem statt hauseigener Produkte eine Auswahl an Fremdprodukten unterbreitet wird, ist aus vielen anderen Bankbereichen bekannt, zum Beispiel bei Baufinanzierungen oder Ratenkrediten. Für das Einlagengeschäft gab es das bislang noch nicht.

21.01.2016 |

Einlagensicherungsfonds verlassen: flatex und andere biw-Partner bieten keinen erweiterten Schutz mehr

Die biw Bank für Investments und Wertpapiere hat ihre Mitgliedschaft im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken e. V. zum 31.12.15 gekündigt. Darüber informierte sie nachträglich in einer Pressemitteilung und teilte in dieser auch die Information mit, dass es zum Jahresende eine Kapitalerhöhung um 15 Millionen Euro auf rund 35 Millionen Euro gegeben hat. Die biw Bank führt mit ihrer Vollbanklizenz die Kundenkonten für die Online-Broker flatex, benk und ViTrade sowie für die Zinsplattformen Savedo und Zinspilot. Die Einlagen sind nach dem Austritt nur noch im Rahmen der europaweit gesetzlich vorgeschriebenen EUR 100.000 je Einleger geschützt, zuvor bis 3,752 Millionen Euro. Es greift eine Übergangsbestimmung, wonach noch einen Monat ab Veröffentlichung des Austritts im Bundesanzeiger im Insolvenzfall bis zu dem Millionenbetrag ersetzt würde. Der Austritt wurde am 11.1.16 dort veröffentlicht, sodass die Sicherungsgrenze nach dem 11.2.16 sinkt. Warum der Austritt? Die Mitgliedschaft im freiwilligen Sicherungsfonds war für die biw Bank mit erheblichen Kosten verbunden. Die FinTech Group, zu der sowohl die Bank als auch die drei genannten Online-Broker gehören, sieht die Mitgliedschaft als entbehrlich an, weil die Einlagen der weitaus meisten Kunden der biw Bank unterhalb der Grenze von EUR 100.000 liegen. Sie hat deshalb entschieden, die biw Bank herauszunehmen. Der ungewöhnliche Schritt spart die jährlichen Beiträge und weitere Belastungen, die zuletzt stark zunahmen, da ein Großteil der Einlagen sehr konservativ angelegt werden musste, etwa zu den derzeitigen Negativzinsen bei der EZB. In einem Zeitungsinterview räumte FinTech-Chef Frank Niehage ein, dass die schwache Eigenkapitalausstattung der Bank seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Bank und Fonds war und deshalb entsprechende Auflagen des Fonds bezüglich der Anlage bestanden.

Wer die genannten Zinsplattformen nutzt, für den ist die neue Sicherungsgrenze für Gelder auf dem Abwicklungskonto relevant. Und wer ein Depot bei den genannten biw-Partern hat, sollte auf dem Depot-Verrechnungskonto keine Beträge größer EUR 100.000 liegen lassen. Wichtig: Die Sicherungsgrenze gilt je Kunde und Bankinstitut – und das Bankinstitut ist in allen Fällen die biw Bank. Die über die Partner zugeführten Einlagen sind somit gedanklich zu addieren, um nicht ungesichert anzulegen. Für die Wertpapiere im Depot greift keine Einlagensicherung, sondern es existieren gesetzliche Aussonderungsrechte, sodass die Wertpapiere jederzeit Eigentum der Kunden bleiben.

08.01.2016 |

Meine Bank - der PSD Bankengruppe abtrünnig

Die PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz ist seit Beginn des Jahres nicht mehr im Verband der PSD Banken. Sie ist konsequenterweise ausgetreten, um bundesweit anbieten zu können. Wegen der dauerhaft gesicherten bundesweiten Verfügbarkeit der Produkte haben wir sie jetzt in die Vergleiche eingebunden. Der Beschluss zum Austritt wurde auf der Generalversammlung im Juni 2015 gefasst. Das Geldinstitut hat sein angestammtes Geschäftsgebiet in den Bezirken Niederbayern und Oberpfalz, den Hauptsitz in Regensburg und unterhält eine weitere Geschäftsstelle in Landshut. Die Dienstleistungen, die der PSD-Verband bislang für das Institut bereitgestellt hatte, holen sich die Regensburger nun vom Verband der Volks- und Raiffeisenbanken. Das "PSD" ist weitgehend verschwunden: Die alte Domain unter www.psd-niederbayern-oberpfalz.de wird umgeleitet auf eine neue unter www.meine-bank-no.de. Das PSD-Logo wird nicht mehr verwendet. "Meine Bank Niederbayern-Oberpfalz eG" nennt sich die Bank jetzt, mit dem Slogan "Die Direktbank fürs Leben". Die eigentliche Firmierung "PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz eG" taucht nur noch am Rande auf, zum Beispiel im Impressum. Im nationalen Wettbewerb mithalten können zurzeit die Zinssätze beim Online-Tagesgeld und beim Online-Sparkonto für Minderjährige. Auf dem Online-Tagesgeld verzinst die Bank Guthabenteile bis EUR 10.000 mit 1,00% und die darüber mit 0,70%. Auf dem Online-Sparkonto für Minderjährige gelten 2,00% für Guthabenteile bis EUR 5.000 und darüber 0,25%. Die Zinsen der Sparbriefe und der Sparpläne sind mittelmäßig. Die Einlagen sind über die Sicherungssysteme der Genossenschaftsbanken gesichert. Ein bei Gehaltseingang gebührenfrei geführtes Girokonto ist auch vorhanden, das für dessen Nebenspesen wichtige Preis-Leistungs-Verzeichnis aber nicht direkt auf der Internetseite abrufbar. Es muss jedes Mal angefordert werden, wenn man es einsehen will, das geht über ein Online-Formular unter Angabe der Anschrift, anschließend wird es postalisch zugesendet.

Die Regensburger beugen sich dem Regionalprinzip schon seit Längerem nicht mehr, konnten dadurch einen sprunghaften Anstieg bei den ausgelegten Krediten erzielen. Es war ein Konfrontationskurs gegen den Grundgedanken der PSD Bankengruppe. Gemäß den Satzungen wollen deren Mitgliedsinstitute nämlich vorwiegend Kunden bedienen, die im eigenen Geschäftsgebiet wohnen oder arbeiten, um sich untereinander nicht in die Quere zu kommen. Auch setzen sie darauf, die Kreditrisiken durch ihre regionalen Kenntnisse besser einschätzen zu können. Die übrigen PSD Banken waren über die Entscheidungen des schwarzen Schafes der Gruppe nicht erfreut. Sie hoffen, dass kein weiteres Institut dem Beispiel folgt. Die Gruppe der PSD Banken, die nun 14 Mitglieder zählt, deckte bislang das gesamte Bundesgebiet ab. Niederbayern und die Oberpfalz, die jetzt fehlen, haben die beiden angrenzenden Institute noch nicht zu einem Teil ihres Geschäftsgebiets erklärt. Die genossenschaftlichen PSD Banken waren ursprünglich dafür da, Postbeamten mit günstigen Krediten zu helfen und deren Ersparnisse sicher zu verwahren. Sie sind in der deutschen Bankenwelt eine relativ unscheinbare, aber erfolgreiche Gruppe, technisch modern aufgestellt, stark im Einlagengeschäft und bei den Baufinanzierungen. Die Gebietsabsprachen wirken angesichts der Tatsache, dass viel Bankgeschäft über das Internet läuft, aus der Zeit gefallen. Anlagekonten eröffnen einige der PSD Banken mittlerweile auch für Personen außerhalb des Geschäftsgebiets. Damit gehen sie nicht hausieren. In der Vergangenheit konnte man einen häufigen Wechsel zwischen überregionalem und einem strikt auf die Region begrenzten Anbieten beobachten, weil sich die einen einerseits nicht gerne Geschäft entgehen lassen und andererseits doch alle darauf bestehen, die Vereinbarungen einzuhalten.

04.01.2016 |

Bis zu EUR 2.000 für Wertpapierübertrag zur Commerzbank

Von der Commerzbank gibt es seit heute bis 31.3.16 wieder ein Angebot zum eingehenden Übertrag von Wertpapieren, die zuvor bei anderen Instituten verwahrt wurden. Dieses Angebot lief zuletzt im November letzten Jahres, demgegenüber haben sich die Geldprämien in der vierstufigen Unterteilung nach übertragenem Wertpapiervolumen verdoppelt. Auch im Langzeitvergleich sind die jetzigen Geldprämien spitze, die Höhe der ersten zwei Stufen wurde zwar schon einige Male erreicht, in den beiden oberen Stufen sind jedoch Beträge ausgelobt, mit denen man bislang nicht rechnete. Ab EUR 10.000 übertragenem Wertpapiervolumen erhalten die teilnehmenden Anleger EUR 200,00, ab EUR 50.000 Wertpapiervolumen EUR 600,00, ab EUR 125.000 Wertpapiervolumen EUR 1.200 und ab EUR 250.000 Wertpapiervolumen EUR 2.000. Bei den Aktionen der Commerzbank wird deutlich, dass sie von einer Filialbank kommen. Die Auszahlung der Prämien wird nämlich nicht zentral, sondern über den zugeordneten persönlichen Betreuer veranlasst, was gegebenenfalls einen Filialbesuch für ein Kennenlerngespräch nötig macht. Entsprechend hebt die Bank schon im PDF zu den Bedingungen hervor, dass sie eine individuelle Anlageberatung biete. Neue Depotkunden beantragen zunächst online das Depotmodell, für Online-Brokerage gibt es das Depotmodell "DirektDepot". Im Antrag lässt sich ankreuzen, dass man an der Aktion teilnehmen möchte. Bestehende Depotkunden müssen bereits zu Beginn in die Filiale, um ihre Teilnahme zu erklären.

Spätestens drei Monate nach der Entscheidung, das Übertragungsangebot zu nutzen, müssen die Wertpapiere bei der Commerzbank eingegangen sein. Bewertungstag ist der Tag der Einbuchung der übertragenen Wertpapiere. Ausgeschlossen sind bankinterne Überträge und Überträge von Instituten, die zum Konzern der Commerzbank gehören. Der Auftrag zum Übertrag kann über die Commerzbank oder das abgebende Institut erteilt werden. Die Haltefrist beträgt ein Jahr, in dieser Zeit müssen die zusätzlichen Wertpapiere im Depot bei der Commerzbank bleiben. Gleiches gilt bei bestehenden Depotkunden auch für den Wertpapierbestand und das Kontoguthaben per 31.12.15. Marktwertveränderungen oder Verkäufe bei Beibehaltung des Gegenwerts berühren den Anspruch auf die Prämie nicht.

Prämienbegünstigt ist auch übertragenes Kontoguthaben, mit dem Wertpapiere innerhalb der drei Monate erworben werden. Im Falle des Übertrags von neuen Geldern zur unmittelbaren Investition in Depotwerte behält die Commerzbank von der Prämienzahlung Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein. Werden im Rahmen der Aktion von einer Fremdbank sowohl Depotwerte übertragen als auch neu anzulegendes Geld überwiesen, verbucht die Commerzbank wegen der - nach ihrer Auslegung - unterschiedlichen steuerlichen Behandlung zwei Prämienzahlungen. Die Geldprämie für den Übertrag von Wertpapieren fällt demnach unter die "sonstigen Einkünfte" gemäß Einkommensteuergesetz. Sofern sämtliche sonstigen Einkünfte in einem Kalenderjahr weniger als EUR 256,00 betragen, sind sie steuerfrei, andernfalls in der persönlichen Einkommensteuererklärung anzugeben. Nicht alle Online-Broker geben inhaltlich gleiche Informationen zur Besteuerung. maxblue weicht zum Beispiel ab, bemisst bei einer sehr ähnlichen Aktion, bei der ebenso auch Kontoguthaben prämiert wird, Abgeltungssteuer auf die gesamte Geldprämie.

02.01.2016 |

DAB Bank ohne eigene Rechtspersönlichkeit

Die DAB Bank AG wurde zum Neujahrstag rechtlich auf ihre Mutter BNP Paribas S. A. verschmolzen, in deren deutsche Niederlassung überführt. Vertragspartner der Kunden ist jetzt offiziell die BNP Paribas S. A., Niederlassung Deutschland. Der älteste Online-Broker Deutschlands ist dadurch keine Aktiengesellschaft mehr, kein eigenständiges Unternehmen, lediglich noch eine Marke, unter der BNP Paribas auftritt. Der unternehmensgeschichtliche Lauf ist der gleiche, wie der beim über mehr als zwei Jahrzehnte argen Konkurrenten Consors, der seine Rechtspersönlichkeit bereits im November 2014 verlor und nach mehrmaligen Namenswechseln jetzt als Consorsbank bezeichnet wird. Die Marken DAB Bank und Consorsbank werden nun ganz unmittelbar von ein und demselben Unternehmen betrieben, die DAB Bank operativ aber weiterhin am Standort München und Consorsbank in Nürnberg. Wegen der rechtlichen Umstrukturierung und weil sich der Hauptsitz der BNP Paribas in Frankreich befindet, sind die Kundeneinlagen seit Jahresbeginn über die französische Einlagensicherung gesichert, nicht mehr durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH. Beide Institutionen sichern Einlagen bis EUR 100.000 je Einleger. Für Einlagen darüber hinaus besteht auch weiterhin eine Absicherung über den freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. Für die Kunden ergeben sich ansonsten zunächst keine weiteren Änderungen. Kontonummern, Produktbedingungen usw. bleiben unverändert.