News: Alle Meldungen aus dem Jahr 2017

11.10.2017 |

Massive Probleme bei IT-Umzug der netbank

Bei einem Umzug der netbank-Konten auf das Computersystem der Augsburger Aktienbank ist einiges schiefgelaufen. Hunderte von frustrierten Bankkunden wandten sich auf der Facebook-Seite mit unterschiedlichen Problemschilderungen an die netbank. Lastschrifteinzüge sind in Mengen fehlgeschlagen, mit einer automatischen Rückmeldung, das Konto sei erloschen; auch PayPal konnte getätigte Zahlungen über die netbank-Konten nicht abbuchen und sperrte deshalb Accounts. Eingehende Überweisungen kamen ebenso nicht an. Und in vielen Fällen können die Kunden nicht auf ihr Konto zugreifen, weder über das Online-Banking noch über Multibanking-Anwendungen wie Starmoney oder Quicken per HBCI. Zu alledem ist telefonisch bei netbank und Augsburger Aktienbank kein Durchkommen, viele hilfesuchende Anrufer bekommen direkt ein Besetztzeichen. Der Umzug war für das vergangene Wochenende geplant, von Freitagabend bis Montagmorgen. Er fand statt, um die Systeme zusammenzulegen, weil die netbank vor einigen Monaten zu einer Marke der Augsburger Aktienbank geworden ist. Erst heute Nachmittag bekannte sich die netbank in einer Kundeninformation allgemein zu den Störungen und deren aktuellem Stand, verborgen auf einer Unterseite des Internetauftritts, mit dem Klickweg "Service > Rund ums Banking (hilfreiche Extras für mehr Komfort und Freiheit)". Wer nur die Startseite aufruft, sieht dort keine Information zu dem Chaos. Die Routingprobleme bei Lastschriften und Überweisungen sind laut der Information behoben, sie hingen mit der neuen BIC zusammen; offenbar wurde er im Zahlungsverkehr unter den Banken als ungültig angesehen. Die netbank sagt jetzt im Nachhinein, der Kunde solle den alten BIC doch noch bis 4.12.17 bei den Lastschrifteinzügen verwenden, weil der BIC erst dann im zentralen Register der Deutschen Bundesbank geändert werde; bei den Überweisungen im SEPA-Raum benötige man nur die IBAN. Durch die Rücklastschriften verursachte Gebühren will die netbank erstatten und mit den betreffenden Kunden Kontakt aufnehmen. Allerdings stehen diese nun bei dem Einziehenden als säumige Zahler da und müssen das regeln, um keine negativen Auswirkungen zu riskieren, wie die Abgabe der Forderung an ein Inkassobüro oder einen Schufa-Eintrag. Für das neue Online-Banking versandte die netbank die Login-Daten postalisch Anfang September, ein erstaunlich hoher Anteil der Kunden hat sie nicht bekommen. Die netbank erklärt dies damit, dass nicht alle Briefe zugestellt werden konnten und die Deutsche Post teilweise verspätet zugestellt habe. Für einige Geschäftskunden in einer speziellen Konstellation seien die Login-Daten tatsächlich noch nicht versendet, das werde ab Donnerstag geschehen. Wer das PushTAN-Verfahren nutzte, soll wegen der Zusammenlegung der Computersysteme die alte App von seinem Gerät entfernen und für das Autorisierungsverfahren eine andere App über den Play Store bzw. App Store herunterladen und installieren. Daraufhin wird ein Freischaltcode benötigt, falls er bei der netbank angefordert werden muss, verlängert dies wegen der schlechten Erreichbarkeit und der Bearbeitungs- und Postlaufzeiten ärgerlicherweise die Zeit ohne Online-Banking. Einige Überweisungsvorlagen der Kunden konnte die Bank wegen Umlauten oder Leerzeichen nicht auf das neue System übertragen. Die Dokumente der Online-Postfächer konnte sie technisch bedingt erst nachträglich übertragen.

Auch der Kartentausch von girocard zu Mastercard Debit verlief nicht nahtlos. Der Tausch ist bei den Kunden nach wie vor unbeliebt, sie können nicht mehr überall bargeldlos zahlen, weil die Akzeptanz der Kreditkarten in Deutschland geringer ist als die der girocard. Laut FAQ der netbank hätte die alte Karte bis 8.10.17 funktionieren sollen und die neue am 9.10.17 durch die netbank aktiviert werden. Aber die alte Karte funktionierte schon am 6.10.17 nicht mehr, als die neue Karte noch nicht aktiviert war.

16.09.2017 |

ING-DiBa und Scalable Capital kooperieren

Vermögen mithilfe von Algorithmen zu verwalten, ist ein Bereich der Finanzindustrie, dem mit Blick auf die so in den USA verwalteten Volumina großes Wachstumspotenzial zugeschrieben wird. ING-DiBa setzt anders als die Deutsche Bank oder die Commerzbank nicht auf die Eigenentwicklung eines Robo-Advisors, sondern bietet seit Freitag die computergesteuerten ETF-Portfolios des Münchner Startups Scalable Capital an. Das Angebot ist für die Kunden in Deutschland verfügbar. Wenn es angenommen wird, will die ING es auf weitere europäische Länder ausweiten, in denen sie aktiv ist. Es ist die erste Kooperation dieser Art einer größeren deutschen Bank, ING-DiBa steht gemessen an der Kundenzahl an dritter Stelle. Breitflächig macht eine Stretchlimousine auf ihrer Startseite auf das neue Angebot der Online-Vermögensverwaltung aufmerksam. Auf der Produktseite wird der Kunde beim Klick auf "Jetzt investieren" zu einer Landingpage von Scalable Capital geleitet, wo seine finanzielle Situation und Risikobereitschaft erfragt werden. Für die Kunden der ING-DiBa ist die Registrierung verkürzt, denn die persönlichen Daten und die Legitimation kann Scalable Capital von der Bank übernehmen; der Vertrag lässt sich komplett online abschließen, ohne Unterschrift. Zwölf Monate haben mehrere Teams daran gearbeitet, die Online-Vermögensverwaltung in die technische Infrastruktur der ING-DiBa zu integrieren, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Partner. Für die von ING-DiBa akquirierten Kunden werden das speziell für die ETF-Portfolios notwendige Depot und das Depot-Verrechnungskonto direkt bei der ING-DiBa geführt, bezeichnet als Scalable-Depot und Scalable-Konto, gegebenenfalls zusätzlich zum bereits vorhandenen normalen Depot. Den aktuellen Stand und die Performance können die Kunden sowohl bei Scalable Capital als auch bei ING-DiBa in den jeweiligen Online-Portalen und Apps verfolgen. Bei den selbst akquirierten Kunden lässt Scalable Capital das Depot über die Baader Bank führen. Die Gebühr ist auf beiden Abschlusswegen identisch: Es fallen 0,75% des verwalteten Vermögens pro Jahr an (0,33% fließen an Scalable Capital und 0,42% an die Bank), anteilig in zwölf monatlichen Raten belastet. Damit sind auch die Depotführung und die Ausführung der ETF-Käufe und -Verkäufe abgegolten. Zusätzlich entstehen in den verschiedenen ETFs wie bei einer eigenen Zusammenstellung laufende Kosten, laut den Angaben betragen sie durchschnittlich 0,25% pro Jahr. Die Mindestanlage beträgt EUR 10.000, weitere Einmalzahlungen und monatliches Sparen sind nach getätigter Mindestanlage möglich.

Scalable Capital ist seit Januar 2016 aktiv und in der noch jungen Branche in Deutschland der Marktführer. Seit Juni 2017 ist BlackRock an dem Unternehmen beteiligt, der größte Vermögensverwalter der Welt und mit iShares ETF-Anbieter. Scalable Capital stellt ausgehend vom Risikoprofil des Kunden individuelle Portfolios aus bis zu 14 ETFs zusammen, global und in vielen Anlageklassen diversifiziert - in Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, Immobilienaktien und Rohstoffen. Das Besondere an Scalable Capital ist der Ansatz, für ein optimiertes Rendite-Risiko-Verhältnis fortlaufend die Schwankungsrisiken an den Finanzmärkten in verschiedenen Modellen zu prognostizieren. Die erstellten Portfolios werden automatisch umgeschichtet, um zum einen die Gewichtung gemäß dem Kundenprofil konstant zu halten und zum anderen bei einem sich abzeichnenden Wechsel von ruhigen und volatilen Marktphasen zu reagieren. In volatilen Phasen wäre man so theoretisch weniger in Aktien-ETFs investiert. Insgesamt wirken Aufmachung und Methode ausgeklügelt und professionell. Letztlich lassen sich aber auch aus einer großen Datenbasis, die zwangsläufig aus Daten der Vergangenheit besteht, und den programmierten Zusammenhängen, die zukünftige Börsenentwicklung oder die kursbewegenden Ereignisse nicht zuverlässig vorhersagen.

15.09.2017 |

Bundesgerichtshof kippt abermals Bankgebühren

Gleich mehrere von der Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau für Nebenleistungen verlangte Gebühren erklärte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil vom Dienstag für rechtswidrig. Im Einzelnen sind das: Jeweils EUR 5,00 für die Unterrichtung per Brief über eine aufgrund fehlender Kontodeckung abgelehnte SEPA-Lastschrift bzw. Überweisung. EUR 2,00, wenn der Kunde einen Dauerauftrag aussetzen oder löschen will. EUR 5,00, wenn der Kunde eine Wertpapierorder streichen will. Bereits in einem früheren Grundsatzurteil hatte der BGH entschieden, dass ein Pfändungsschutzkonto nicht mehr als ein gewöhnliches Konto kosten darf, auch dagegen hatte die beklagte Sparkasse bis Dezember 2012 verstoßen. Rechtswidrig sind die beanstandeten Gebühren nach Auffassung der BGH-Richter, weil sie sich teilweise nicht an den tatsächlichen Kosten orientieren oder teilweise für Arbeiten erhoben werden, zu denen die Bank von Gesetzes wegen verpflichtet ist. Soweit die Bank versuchte, die Gebühr für die Unterrichtung über die abgelehnte Lastschrift/Überweisung mit den Kostenpositionen für die vorgelagerte Prüfung zu rechtfertigen, entsprach der BGH dem nicht. Vielmehr dürfen hier nur die mit der Unterrichtung im Zusammenhang stehenden Kosten wie zum Beispiel Porto und Papier angesetzt werden. Daueraufträge auszusetzen oder zu löschen dürfe überhaupt nichts kosten, befand der BGH, diese Rechte sind nämlich Teil des im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerten Widerrufsrechts und müssen sich kostenfrei ausüben lassen. Das Einrichten oder Ändern darf hingegen bepreist sein. Beim Streichen einer Wertpapierorder ist es ähnlich, die Gebühr in dieser Höhe benachteiligt den Kunden unangemessen. Zahlreiche andere Banken verwenden inhaltsgleiche Klauseln. Verbraucherschützer raten Bankkunden dazu, gezahlte, jetzt für rechtswidrig erklärte Gebühren aus den Kontoauszügen herauszusuchen und mit Bezug auf das Urteil (Az.: XI ZR 590/15) zurückzuverlangen. Die Erstattungsforderung verjährt drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem sie entstanden ist - bis Ende 2017 können somit ab 1.1.14 gezahlte Gebühren zurückgeholt werden. Die Stiftung Warentest stellt einen Musterbrief zur Verfügung. Die Schutzgemeinschaft für Bankkunden e. V., ein 1999 gegründeter Verbraucherschutzverein mit Sitz im bayrischen Büchenbach, der das Urteil erstritt, will nun weitere Banken mit ähnlicher Preisgestaltung ausfindig machen, diese abmahnen.

Das Urteil setzt eine Reihe von BGH-Entscheidungen gegen die freie Preisgestaltung fort: Bearbeitungsgebühren von Verbraucherkrediten wurden genauso gekippt wie Bearbeitungsgebühren von gewerblichen Krediten. Untersagt wurden zuletzt ebenfalls ausnahmslose Gebühren für mTANs und Gebühren für Ersatzkarten nach Kartensperrung aufgrund von Verlust oder Diebstahl einer Karte. Dennoch wird eine Bank Erträge erzielen müssen, notwendigerweise an anderer Stelle.

22.08.2017 |

Commerz Finanz wird nach dem Ausstieg der Commerzbank zu Consors Finanz

Die Commerzbank und die französische Großbank BNP Paribas haben ihr Joint Venture "Commerz Finanz GmbH" beendet, wie die bisherigen Partner am Montag mitteilten. Aus dem Unternehmen herausgelöst wurden von der Commerzbank vermittelte Kreditverträge, sodass rund 300.000 Verträge mit einer Kreditsumme von insgesamt 3,5 Milliarden Euro an sie übergingen. Ebenso wechselten 150 der 1.000 Mitarbeiter zur Commerzbank. Die Transaktion sei per 18.8.17 mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden bereits vollzogen worden, Geld sei dabei nicht geflossen. Die Commerzbank hielt bis dahin 49,9 Prozent der Anteile. Sie hatte das Joint Venture mit BNP Paribas von der Dresdner Bank geerbt, die 2001 zusammen mit der französischen Cetelem bei der ehemaligen WKV Bank eingestiegen war. Nun gehört der BNP Paribas die Commerz Finanz allein. Es ist ein auf die hochmargige Kreditvergabe spezialisierter Anbieter. Hauptprodukt ist eine auf Maestro basierende Debitkarte, die mit einem revolvierenden Kredit und gegebenenfalls Versicherungen verbunden ist. Als Finanzierungslösung für kleinere und größere Anschaffungen wird dieses Paket über diverse Einzel- und Online-Händler an die Verbraucher gebracht. Nicht wenige Verbraucher beklagen, im Nachhinein erst festgestellt zu haben, dass ihre Kosten viel höher liegen, als aus dem Gespräch mit dem jeweiligen Verkäufer hervorging. BNP Paribas plant, das Unternehmen in Consors Finanz umzubenennen und die bisherige Strategie und die Kooperation mit den 15.000 Handelspartnern fortzusetzen, im Bestand ein Kreditvolumen von 4,4 Milliarden Euro. BNP Paribas hat in Deutschland bereits eine starke Präsenz mit der Marke Consorsbank, eine Direktbank. Mit Consors Finanz baut sie diese Präsenz aus. Das Erscheinungsbild der Commerz Finanz war bislang an den gelben Markenauftritt der Commerzbank angeglichen. Auf ihrem Internetauftritt, demnächst zieht sie auf consorsfinanz.de um, ist noch nichts von den Änderungen zu lesen oder zu sehen.

Die beiden ehemaligen Partner kommunizierten in ihrer jeweiligen Pressemitteilung nur den sie betreffenden Part. Die Commerzbank legte dar, die Ratenkredite seien für sie mittlerweile ein wichtiges Wachstumsfeld, sie wolle sie wieder auf eigene Rechnung betreiben, digitalisieren und ausbauen. Produktgeber ihrer Ratenkredite war lange Zeit die Commerz Finanz. Im Juni wechselte die Commerzbank die Ratenkredite gegen eigene aus, anfangs auch mit der Möglichkeit sie online, abzuschließen. Zurzeit ist das nicht möglich, für den Abschluss wird auf eine Terminvereinbarung mit der Filiale verwiesen. Laut einer Aussage vom April 2017 von Falko Schöning, Bereichsleiter Kredite und Vorsorge, habe die Commerzbank zugesagt, der Commerz Finanz für eine Übergangszeit keine Konkurrenz zu machen. Doch auch die Commerzbank verspreche sich Potenziale, vor allem im Online-Handel. Sie könne sich vorstellen, gegen Ende des Jahres ins Geschäft mit Ratenkrediten an der Ladenkasse und im E-Commerce einzusteigen.

16.08.2017 |

Bargeldabheben grundsätzlich bei jedem Händler möglich

CardProcess, ein Dienstleister der Genossenschaftsbanken für bargeldlose Transaktionen, hat eine Erlaubnis der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) erhalten, die Funktion "Bargeld abheben" an seinen Händlerterminals freizuschalten. Dadurch können sich Verbraucher bald bei noch viel mehr Händlern, auch kleinen und mittleren, bis zu EUR 200,00 gebührenfrei von ihrem Bankkonto auszahlen lassen, und zwar bei Zahlung via girocard mit PIN. Die fünf inländischen Bankenverbände, vertreten über die DK, haben mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Regeln abgestimmt und vereinbart, dass Netzbetreiber wie CardProcess mit einer entsprechenden Erlaubnis der DK die Bargeldabhebungen abwickeln dürfen. Bislang mussten Händler, die ihren Kunden das Bargeldabheben ermöglichen wollten, eine Einzelvereinbarung mit der BaFin treffen. Das machten nur einige große Filialisten wie Aldi Süd, die REWE-Handelsgruppe, Netto Marken-Discount und Galeria Kaufhof. Mit dem FinTech-Unternehmen Barzahlen.de zusammenzuarbeiten, war eine Alternative dazu. Die jetzt leicht zugängliche Funktionalität stellt einen Teil deren Geschäftsmodells infrage.

Bei den Kassenterminals von CardProcess wird in der aktuellen Softwareversion das Bargeldabheben bereits unterstützt, es muss lediglich aktiviert werden, wenn der Händler sich dafür entscheidet. CardProcess ist jetzt der erste Netzbetreiber, andere werden sicherlich folgen. Mit der Auszahlung ist ein Mindesteinkaufswert von EUR 20,00 verbunden, weshalb sich Geldabheben und Brötchen beim Bäcker holen schwierig miteinander verbinden lassen wird. Nach oben kann der Händler den Mindesteinkaufswert frei definieren. Das Angebot bedeute für ihn einen Service, keinen Zwang, eine Bargeldbevorratung sei deshalb nicht notwendig, heißt es seitens CardProcess. Wäre dies anders, würde es der Grundidee widersprechen, denn mit den Bargeldabhebungen reduziert der Händler seinen Bargeldbestand in der Kasse und damit das Diebstahlrisiko. Neu ist auch, dass der Bargeldbetrag künftig separat in die Abbuchung eingestellt wird. Bislang war der Abbuchung aufgrund technischer Gegebenheiten nur die Gesamtsumme aus Einkauf und Auszahlung zu entnehmen. Die Banken profitieren von der gefundenen Regelung enorm, sie gewährleistet eine Bargeldversorgung ohne eigene Kosten, gerade in ländlichen Regionen, wo viele Filialen und Geldautomaten abgebaut wurden. Bei der Lösung über Barzahlen.de haben die Banken hingegen eine individuell vereinbarte Provision zu tragen, wenn sie ihren Girokunden das zusätzliche Kassennetz bereitstellen wollen, was bislang DKB, N26 und die Sparda-Banken tun.

14.08.2017 |

Zinspilot verleibt sich Savedo ein

Bei den Zinsplattformen, die Konten mit guten Zinsen von europäischen Auslandsbanken vermitteln, verschieben sich die Marktverhältnisse: Die Deposit Solutions GmbH, Betreibergesellschaft von Zinspilot, hat Savedo übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Deal ist seit vergangenen Donnerstag perfekt, auf beiden Plattformen wurde er heute durch eine Pressemitteilung bekannt gegeben. Die Übernahme fügt Deposit Solutions in der Kundenbasis ausgehend von 60.000 registrierten Anlegern 18.000 hinzu, außerdem zwölf anbietende Anlagebanken und eine Präsenz auf den Einlagemärkten in Österreich und den Niederlanden. Zinspilot vermittelt die Tagesgeld- und Festgeldkonten über einen direkten Kanal und schlagkräftig über Schnittstellen. Über eine solche sind die Zinsangebote auf Zinspilot zum Beispiel auch für die Kunden von flatex im Online-Banking verfügbar. Der jetzige Deal hilft, international im direkten Geschäft mit den Anlegern zu wachsen, denn Savedo hatte hier schon expandiert. Er hilft Deposit Solutions außerdem, mit der Raisin GmbH mitzuhalten, einem Berliner Unternehmen, das mit WeltSparen und 90.000 Anlegern bislang unstrittig die Nummer eins war. Savedo, dem Dritten im Markt, hatten Marktbeobachter gegenüber den beiden Konkurrenten keine großen Chancen mehr eingeräumt. Savedo suchte die Nischen, ein Großteil der Anlagebanken bei Savedo stammt aus Osteuropa, zudem sind Investments in Edelmetalle im Angebot und die von der Kursentwicklung eines Aktienkorbs abhängigen Festgeldzinsen mit der Bezeichnung "FestgeldPlus".

Christian Tiessen, Gründer und Geschäftsführer, bleibe an Bord, er soll künftig neben seiner Funktion als Geschäftsführer bei Savedo auch die Internationalisierung auf der Einlagenseite von Deposit Solutions übergreifend vorantreiben. Die Marke Savedo bleibe erhalten. Doch das kann wohl nur für eine Übergangsphase sinnvoll sein, auch die weiteren Maßnahmen zeigen in eine andere Richtung. Die Plattform soll nämlich schon bald mit der Technologie von Deposit Solutions laufen und die Savedo-Kunden sollen Zugang zu den zusätzlichen Angeboten von Zinspilot bekommen. Am Standort in Berlin will der Hamburger Käufer nur die Hälfte der rund 50 mitübernommenen Mitarbeiter weiter beschäftigen.

01.08.2017 |

Santander-Banken werden eins

Die zwei separat geführten Filialinstitute Santander Consumer Bank und Santander Bank werden zusammengelegt. Dazu kommt auch die Direktbank, die Santander Direkt Bank. Aus diesen drei in Deutschland agierenden Marken der spanischen Banco Santander soll ab April nächsten Jahres ein einheitlicher Auftritt als "Santander" mit einer einheitlichen Produktpalette entstehen. Der Umbau basiert auf einem Projekt namens "One". Er steht im Zusammenhang mit dem geplanten Abbau von 600 Arbeitsstellen und der Schließung von insgesamt rund 100 Filialen, worüber mehrere Zeitungen berichteten unter Berufung auf einen Brief des Vorstandschefs der Santander Consumer Bank Ulrich Leuschner an die Mitarbeiter. Die Stellen sollen über einen Zeitraum bis 2020 wegfallen, infolge von weniger Überschneidungen und mehr Effizienz durch Digitalisierung. Die Zentrale der Santander Bank in Frankfurt wird aufgegeben. Santander hat in Deutschland zurzeit etwa 4.000 Mitarbeiter und 313 Filialen. Das Handelsblatt schreibt zudem von einer Stellungnahme von Leuschner gegenüber dem Blatt. Santander wolle sich demnach in Deutschland bestmöglich aufstellen, auch weil neue Wettbewerber mit digitalen Geschäftsmodellen ins Bankgeschäft drängten, Kommunikationsformen sich veränderten und mit ihnen das Verbraucherverhalten. Neben einer strafferen Organisation setze Santander auf erweiterte Beratungsangebote mittels Video und Internet, sie sollen ab Anfang kommenden Jahres in einem Pilotprojekt getestet werden.

Die Filialen der Santander Bank stammen aus der Übernahme der deutschen SEB-Privatkundensparte im Januar 2011. Sie flaggten nach der Übernahme um und wurden rechtlich als Zweigniederlassung der Santander Consumer Bank aus Mönchengladbach angegliedert. Die Trennlinien blieben in all den Jahren. Für den normalen Verbraucher war schwierig zu erkennen, dass es sich um zwei separate Banken handeln sollte, zumal sie sich optisch kaum voneinander unterscheiden und die Namen ähnlich sind. Die Kunden konnten nur die Filialen nutzen, die zu der jeweiligen Einheit gehörten. Die 1994 in Eigenständigkeit an den Markt gegangene Direktbank ist seit 2003 ebenfalls eine Zweigniederlassung der Santander Consumer Bank. Seit dieser Zeit spiegeln die Konditionen der Direktbank lediglich die des übergeordneten Instituts wider. Eine Ausnahme bildet das Tagesgeld "SuperKonto", das für Santander-Neuanlagen angeboten wird.

27.07.2017 |

paydirekt kauft sich in den Check-out von Otto ein

Der Bezahldienst paydirekt konnte am Mittwoch einen Erfolg vermelden: Mit der Otto Group erweitert paydirekt die Händlerbasis um einen der größten deutschen Online-Händler. Als Erstes soll paydirekt auf otto.de integriert werden, spätestens ab Jahresende sollen die dort Einkaufenden auf diese Weise direkt von ihrem Girokonto bezahlen können, mit der für den schnellen Versand wichtigen sofortigen Zahlungsbestätigung. Auch weitere Online-Shops der Gruppe bekommen zukünftig paydirekt als eine der Zahlungsoptionen, wann ist noch nicht bekannt. Zur Gruppe gehören Adressen wie baur.de, bonprix.de, heine.de und SportScheck.com. Der Deal ist allerdings teuer, nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wurde die Otto Group mit einem IT-Zuschuss von zehn Millionen Euro und einem Werbekostenzuschuss von drei Millionen Euro geködert. Branchenkenner verblüffte die Höhe der Summe, wohl niemand hätte sie ausgeschlagen. Bereits in der Vergangenheit wurden einzelne teilnehmende Banken oder Händler mit Zuschüssen für die Werbung unterstützt, allerdings in deutlich geringerem Umfang. Zeitweise konnten dadurch auch die Verbraucher eine Geldprämie in Aktionen erhalten, wenn sie ihr Girokonto im Online-Banking ihrer Hausbank mit paydirekt verknüpften.

Mit paydirekt wollen die deutschen Banken und Sparkassen gemeinsam ein Bezahlverfahren für den E-Commerce etablieren, Branchenriesen wie PayPal mit ihrem langjährigen Vorsprung das Geschäft nicht mehr allein überlassen. Die ersten beiden Jahre waren ernüchternd, paydirekt blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Die Einführung bei Otto gibt wieder Aufwind, wenn durch die stärkere Präsenz andere Händler und die Verbraucher von der Nutzung überzeugt werden. Bislang fehlte es vor allem an Händlern, zuletzt waren 1.100 Online-Shops registriert, darunter aber viele kleine, kaum prominente. Zudem ist paydirekt zu Monatsbeginn mit dem Möbelhändler Reuter ein wichtiger Partner abgesprungen, begründet damit, dass der Dienst einfach zu wenig genutzt wurde. Seit Monatsbeginn gibt es übrigens über die paydirekt-App eine Funktion, mit der Nutzer sich untereinander Geld senden können, um Kosten ohne Kleingeld aufzuteilen. Sie steht zunächst Kunden von comdirect, Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Postbank und 14 genossenschaftlichen Instituten zur Verfügung, danach schrittweise auch den Kunden der weiteren Banken und Sparkassen. Das Limit pro Transaktion liegt bei EUR 200,00. Der Empfänger erhält eine E-Mail oder eine SMS über die Zahlung. Eine Zahlung empfangen kann jede Privatperson mit einem Girokonto, mittels der paydirekt-App lässt sie sich auch ohne Registrierung annehmen.

25.07.2017 |

Ausnahmslose Preise für mTANs sind unwirksam

Banken dürfen ihren Kunden für per SMS verschickte Transaktionsnummern, sie werden als mTANs oder smsTANs bezeichnet, nur dann einen Preis belasten, wenn diese anschließend tatsächlich für einen Zahlungsauftrag erfolgreich verwendet wurden. Das geht aus einem heute Vormittag verkündeten Urteil des Bundesgerichtshofs hervor (Az.: XI ZR 260/15). Das bloße Übermitteln berechtigt demnach nicht, ein Entgelt zu belasten. Das mTAN-Verfahren ist beim Online-Banking weit verbreitet. Ein Teil der Banken verlangt dabei ein Entgelt, bereits ab der ersten versendeten mTAN oder nach einem Freikontingent von fünf oder zehn mTANs im Monat. Nicht selten kommt eine angeforderte mTAN aber gar nicht zum Einsatz, weil beispielsweise der Kunde einen Fehler in seinen Überweisungsdaten entdeckt hat, die zeitliche Geltungsdauer überschritten wird oder die Transaktion technisch bedingt fehlschlägt.

Die Verbraucherzentralen hatten stellvertretend die Kreissparkasse Groß-Gerau verklagt. In den Vorinstanzen war die Klage jedoch erfolglos geblieben. Bei der beklagten Sparkasse kostete das Online-Konto EUR 2,00 im Monat. "Jede" mTAN sollte nach Darstellung der Verbraucherschützer zehn Cent extra kosten. Die konkrete Klage gegen die Kreissparkasse Groß-Gerau ist aus formalen Gründen noch nicht entschieden: Die Verbraucherschützer konnten bei Erhebung der Klage das Preisverzeichnis der Sparkasse nicht einsehen und bezogen ihre Informationen nur aus der Beschreibung des Online-Bankings auf der Internetseite, dort hieß es: "Jede smsTAN kostet 0,10 € (unabhängig vom Kontomodell)". Auf diese vorgetragene Formulierung stellte der Bundesgerichtshof sein Urteil ab. Die Sparkasse bestritt nicht, eine Preisklausel für mTANs zu verwenden, aber dass diese in ihrem Preisverzeichnis den vom Kläger behaupteten Wortlaut hat. Die Vorinstanz, das zuständige Oberlandesgericht, soll sich deshalb den Fall nun noch einmal genauer anschauen und die exakte Formulierung feststellen. Der Anwalt der Sparkasse brachte vor, die Sparkasse habe fünf verschiedene TAN-Verfahren angeboten, einzig das mTAN-Verfahren sei kostenpflichtig gewesen, die Kunden hätten also ausreichend kostenlose Alternativen gehabt. Die Verbraucherschutzzentralen hofften darauf, dass der Bundesgerichtshof diese Preisgestaltung zugunsten von mehr Transparenz generell verbietet, die Kontoführungsgebühren müssten sämtliche Kosten für das Sicherheitsverfahren gleich beinhalten. Das Verschicken von Transaktionsnummern sei aus ihrer Sicht keine Extra-Leistung, sondern ein notwendiger Vorgang für das Online-Banking. Bislang verlangen von den Anbietern in unserem Girokonto-Vergleich BBBank, Cronbank, Deutsche Bank, Deutsche Skatbank, EthikBank und norisbank für jede mTAN Geld. Bei GLS Bank, Meine Bank und Triodos Bank sind die mTANs nach einem Freikontingent kostenpflichtig. Wie die Institute der neuen, differenzierten Rechtsprechung nachkommen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob sie generell auf das Entgelt verzichten, kurzfristig ein System für die Dokumentation der tatsächlich eingesetzten mTANs aufsetzen können oder dieses Sicherheitsverfahren ganz aus ihrem Angebot nehmen.

01.07.2017 |

1822direkt und Sparkassen gehen auch beim Smartphone-Girokonto nicht zusammen

Aus dem Lager der Sparkassen gibt es gleich zwei neue Girokonten, die ausschließlich per Smartphone eröffnet und geführt werden. Bei beiden Konten hat der Kunde nur mit dem Smartphone einen Kontozugriff, andere Geräte sind hier nicht vorgesehen. Die Smartphone-Girokonten sollen die junge Generation ansprechen (ab Volljährigkeit erhältlich) und einen Trend bedienen, bei dem N26 in Deutschland Vorreiter war. Überraschend ist, dass 1822direkt ein solches Projekt still und leise selbst entwickelt hat und zudem dem Gemeinschaftsprojekt yomo der Sparkassen zuvorgekommen ist. Die App "1822Mobile" steht seit 14.6.17 im App Store bei Apple und seit 15.6.17 im Google PlayStore. Dort ist sie in den ersten beiden Wochen kaum jemandem aufgefallen, da 1822direkt bis dahin in keiner Weise darauf hinwies. yomo ist hingegen seit Langem angekündigt, wurde von zehn großen Sparkassen finanziert, entwickelt von dem zur Sparkassengruppe gehörenden Softwarehaus Starfinanz. Das Girokonto von yomo können auch alle anderen Sparkassen per Lizenzvertrag in ihr Angebot aufnehmen, zu Beginn ist die Resonanz hier offenbar nicht überwältigend. Bei yomo ist das Regionalprinzip außer Kraft gesetzt, denn der Nutzer kann sich seine zuständige Sparkasse unter den verfügbaren frei auswählen, unabhängig vom Wohnort. Die Frankfurter Sparkasse, die viertgrößte Sparkasse in Deutschland, war nicht unter den Initiatoren, jetzt ist klar warum. Sie ist ohnehin ein Sonderfall, weil sie seit mehr als 20 Jahren mit 1822direkt eine bundesweit aktive Direktbank betreibt, von anderen Sparkassen deswegen auch als Wettbewerber betrachtet wird.

In den Konditionen besteht bei 1822Mobile der Unterschied zum regulären Girokonto, dass die Kontoführung bedingungslos kostenlos ist, auch ohne den einen Geldeingang pro Monat. Die EUR 100,00 Geldprämie bei Führung als Gehaltskonto gibt es bei 1822Mobile nicht, nur ein Einführungsangebot zur optionalen Kreditkarte: Der Kartenpreis wird bei Kartenantrag bis 31.7.17 im ersten Jahr altersunabhängig erlassen. Die Kontoeröffnung ist papierlos, mit Videolegitimation via WebID und Kontowechselservice über fino. Die App hat eine moderne Optik. Konten von anderen Banken lassen sich hinzufügen, das Multibanking beschränkt sich bislang jedoch darauf, Kontostände anzuzeigen. Umsätze ansehen oder gar Transaktionen vornehmen, ist bei den hinzugefügten Bankverbindungen noch nicht möglich. Die Funktion zum Einlesen von Rechnungsdaten per Foto ist integriert. Überweisungen und andere sensible Transaktionen werden mit einem einmalig selbst gewählten Passwort freigegeben. Auf ein TAN-Verfahren wie mTAN oder pushTan wird zugunsten der Bequemlichkeit verzichtet. Die Koppelung mit dem registrierten Smartphone im Hintergrund soll das wie bei N26 kompensieren. Auch 1822Mobile soll über Kooperationen mit FinTech-Unternehmen im Funktionsumfang und den externen Dienstleistungsangeboten wachsen, das jetzt bereitgestellte Banking nur der erste Schritt gewesen sein.

yomo ist am 30.6.17 von der geschlossenen Betaphase in die für jeden Interessenten offene übergegangen. Aufgrund der "großen Nachfrage" - die Downloadzahlen der App im Vergleich zu 1822Mobile bestätigen sie nicht - bekommt man zunächst nur einen Platz auf der Warteliste. Auch bei yomo gibt es noch nicht viel, was von den Funktionen besticht. yomo steht für "your money". Die Kontoführung ist anders als bei den meisten der normalen Sparkassen-Girokonten gratis. Eine girocard, die kontaktloses Zahlen ermöglicht, gibt es hinzu. Das Geldabheben ist an allen Sparkassen-Geldautomaten kostenfrei. Die weiteren Gebühren hängen davon ab, für welche Sparkasse man sich entscheidet. Die Aufträge werden mit einer einmalig selbst gewählten PIN freigegeben.

01.07.2017 |

Restschuldversicherungen: Die gesetzlichen Eingriffe

Über die Pläne zu den neuen Regeln bei den Restschuldversicherungen stimmte der Bundestag am Donnerstagabend ab. Sie werden wie in unserem vorangegangenen Beitrag angekündigt bei der Umsetzung der EU-Versicherungsrichtlinie IDD gesetzlich verankert. Es wurden Informationspflichten und eine Erweiterung des Widerrufsrechts beschlossen. Das bleibt weit hinter den Erwartungen der Verbraucherschützer zurück. Dorothea Mohn, Teamleiterin beim Marktwächter Finanzen, ordnete es in einer Aussendung der Verbraucherzentralen mit prägnanten Worten ein, bezeichnete die Restschuldversicherung als überteuertes Produkt mit lückenhaftem Versicherungsschutz, das oft unter zweifelhaften Umständen verkauft werde. Die Politik habe eine Chance verpasst, dessen Vertrieb zu stoppen.

Bei Restschuldversicherungen gibt es die Besonderheit, dass die meisten Verträge in Form einer Gruppenversicherung geschlossen werden, bei denen der Kreditnehmer nicht der Versicherungsnehmer ist, sondern die Bank. Der Kreditnehmer tritt hier nur mit in den Vertrag ein. Deshalb gab es ihm gegenüber bislang nicht dieselben Beratungs- und Auskunftspflichten wie sonst bei einer Versicherung. Diese sind per Gesetz nun auferlegt, insbesondere auch beim Widerrufsrecht. Der Kunde, dem die Versicherung als Nebenprodukt oder als Teil eines Pakets angeboten wurde, soll eine Woche nach Abschluss ein Produktinformationsblatt mit dem gesonderten Ausweis der Kosten für die Versicherung bekommen sowie in Textform den Hinweis, dass der Abschluss der Versicherung innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden kann. Erst ab dieser vom Verkaufsgespräch losgelösten nochmaligen Belehrung darüber beginnt künftig die Frist. Eine Erhebung soll nach zwei Jahren zeigen, wie die Umsetzung in der Praxis ist und ob das Gesetz nachgeschärft werden muss.

22.06.2017 |

Befragung der Finanzaufsicht belegt Ausmaß des Provisionsanteils bei Restschuldversicherungen

Die Finanzaufsicht BaFin veröffentlichte gestern eine eigene Marktuntersuchung zu den mit Privatkrediten häufig gleich mitangebotenen Restschuldversicherungen. Die Versicherungen springen ein, wenn ein Kreditnehmer durch Schicksalsschlag wie Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit oder Tod seiner Rückzahlungsverpflichtung nicht mehr nachkommen kann. Die auf Grundlage eines Fragebogens erstellte Studie ist umfassend und aufschlussreich, die BaFin spricht von festgestellten Defiziten. Es sind Einblicke, die sich in vielen Punkten mit der langjährigen Kritik von Verbraucherschützern decken. Bei dem Produkt verdient nicht nur der Versicherer, sondern auch die Bank für die Vermittlung, was die Kosten in die Höhe treibt. Die Auswertung der Antworten der Banken zeigt, die Provisionen sind "außerordentlich hoch": Demnach gaben zwölf von 34 Banken an, ca. 50 Prozent der Versicherungsprämie zu erhalten. Sieben Banken erhalten mehr als 50 Prozent - in Einzelfällen mehr als 70 Prozent. Bei zwölf Banken lag der Provisionsanteil unter 50 Prozent. Drei Banken vertreiben keine Restschuldversicherung. Aus der Auswertung der Antworten der angeschriebenen Versicherer überraschte die Erkenntnis, aus welcher Vielfalt an Komponenten sich die bestehenden Provisionsmodelle mitunter zusammensetzen, zum Beispiel einmalige oder laufende Abschlussprovisionen, Beteiligungen am Risikoergebnis, Übernahme von Marketingkosten, Zuschüsse zu Trainings- und Belohnungsmaßnahmen, umsatz-, qualitäts- und stückabhängige Sonderbonifikationen etc. Alle der befragten Banken mit Restschuldversicherung gaben an, der Abschluss der Versicherung sei für den Kreditsuchenden optional. Zwei Drittel davon gaben an, tendenziell mehr Privatkredite ohne die Versicherung zu vergeben als mit ihr. Ein Drittel gab an, in der Mehrzahl mit der Versicherung zu vergeben. Die BaFin schloss daraus, dass der Gesamtblick auf die Branche nicht zu der in der Öffentlichkeit häufig erhobenen Kritik passe, die Banken drängten den Verbrauchern die Versicherung nahezu auf. Betrachte man hingegen die Gruppe der Banken, die regelmäßig die Mehrzahl der Verträge gekoppelt mit Versicherung verkaufen, würden die Zahlen aber durchaus die Annahme rechtfertigen, dass einzelne Banken gezielte Vertriebsstrategien einsetzen, mit denen wirksam überdurchschnittlich viele Verbraucher zum Abschluss bewegt werden. Die Banken bieten regelmäßig für ein Kreditprodukt das Versicherungsprodukt nur eines Anbieters an. Ein Vergleich verschiedener Versicherungsprodukte ist für Verbraucher so mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Der Vertrieb erfolgt gemäß den Antworten der Versicherer überwiegend über die Filialen der Banken, diesen Vertriebsweg nutzen 28 von 30 Versicherern, ein direkter Abschluss von Restschuldversicherungsverträgen ist lediglich bei elf der Versicherer möglich. Vorhandener Versicherungsschutz der Kunden spielt in der Praxis offenbar keine oder eine unbedeutende Rolle, er wird üblicherweise nicht durch Abtretung Teil der Finanzierungsvereinbarung. Die Beitragsunterschiede für den Versicherungsschutz, gemessen anhand von zwei vorgegebenen Musterkunden, stellen "eine beachtliche Spanne" dar, so die BaFin. Als weiteres Ergebnis stellte sie fest, dass die Bedingungen und Verfahrensabläufe bei Beendigung bzw. Kündigung sehr unterschiedlich gestaltet sind und sich auch auf Tarifebene unterscheiden können. Dies bezieht sich auf den Widerruf des Versicherungsvertrags, die alleinige Kündigung der Versicherung ohne die gleichzeitige Kündigung des Kredits, die vorzeitige Rückzahlung des Kredits und auf das Versicherungsende nach planmäßiger Kreditrückführung. Es können automatische Abläufe vorgesehen sein, durch die Bank veranlasste, oder der Kunde muss selbst aktiv werden und seine Rechte wie zum Beispiel eine Rückzahlung von überzahlten Beiträgen einfordern. Geregelt ist dies größtenteils in den jeweiligen Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Der Verbraucher solle sich daher dort informieren, soweit keine gesetzlichen Mindeststandards bestehen.

Die Aufsichtsbehörde startete die Befragung im Sommer 2016, auffallend ist der lange Zeitraum bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse. Sie will mit den Marktteilnehmern nun über die Konsequenzen sprechen. Die Zeit für gesetzgeberische Verbesserungen ist aber denkbar knapp. Die parlamentarischen Verhandlungen zur Umsetzung der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD, in der es auch um die Restschuldversicherungen geht, sind fast abgeschlossen. Am kommenden Mittwoch will der Wirtschaftsausschuss letzte Hand an das Gesetz anlegen und dann zur Beschlussfassung im Bundestag vorlegen.

03.06.2017 |

Zahlungsverkehr ab Januar in der zweiten Stufe

Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD II) in der vom Finanzausschuss in einigen Punkten geänderten Fassung. Basierend auf der Richtlinie der Europäischen Union, im Oktober 2015 festgelegt, werden in Deutschland die nun auf nationaler Ebene beschlossenen Änderungen zu weiten Teilen am 13.1.18 in Kraft treten. Sie betreffen mehrere bestehende Gesetze wie das Kreditwesengesetz, das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und das Bürgerliche Gesetzbuch. Aus Verbrauchersicht ist manches von Vorteil. So dürfen Händler ab dem kommenden Jahr in vielen Fällen keine gesonderten Preisaufschläge mehr für Kartenzahlungen, Überweisungen und Lastschriften verlangen. Dies gilt sowohl für Zahlungen an der Ladenkasse als auch im Internet. Die Kartenzahlungen sollen gleichzeitig sicherer werden und es soll mehr Wettbewerb im Bereich der Zahlungsdienste herrschen. Gerade vom Bestellen und Flugbuchen im Internet kennt man die Preisaufschläge, die oft erst ganz am Ende des Prozesses durch die Wahl eines Zahlungsmittels noch hinzugerechnet werden. Bislang war nur vorgeschrieben, dass es ein zumutbares Zahlungsmittel geben muss, bei dem keine zusätzlichen Kosten anfallen. Künftig sind für die besonders gängigen Zahlungsmittel wie die girocard, die Kreditkarten von Mastercard und Visa und alle Überweisungen und Lastschriften im SEPA-System die Zusatzkosten untersagt. Dass die Regelung nicht alle Kreditkarten umfasst, hängt mit Besonderheiten bei der Vertragsgestaltung der Kreditkartengesellschaften zusammen. Für American Express und Diners Club gilt sie nicht, auch Zahlungen mit PayPal werden von ihr nicht erfasst.

Sicherheit und Wettbewerb: Die Haftung der Verbraucher sinkt für unautorisierte Zahlungen von derzeit höchstens EUR 150,00 auf EUR 50,00. Zudem verschiebt sich die Beweislast zum Zahlungsdienstleister, der nachvollziehbare Beweismittel vorlegen muss, um dem Kunden grobe Fahrlässigkeit oder gar Betrug nachzuweisen. Fehlüberweisungen von Kunden können einfacher zurückgeholt werden; für den Zahlungsdienstleister des Empfängers wird eine Mitwirkungspflicht gelten, damit das falsch überwiesene Geld wieder beim Absender ankommt. Bei den elektronischen Zahlungsvorgängen müssen die Anbieter künftig für eine starke Kundenauthentifizierung sorgen. Das verlangt mindestens zwei voneinander unabhängige Komponenten aus den Kategorien Wissen, also etwa eine Zahlenkombination, Besitz, beispielsweise eine Bankkarte, oder ein ständiges Kundenmerkmal, wie es der Fingerabdruck ist. Zusätzlich muss der Zahlungsvorgang dynamisch mit einem bestimmten Betrag und einem bestimmten Zahlungsempfänger verknüpft werden. Konkrete Standards dazu soll demnächst die Europäische Bankenaufsichtsbehörde in einer Verordnung definieren. Der Kontozugriff durch sogenannte Zahlungsauslösedienstleister und Kontoinformationsdienstleister wird legitimiert. Bei Nutzung von SOFORT Überweisung etwa muss der Zahlende seine sensiblen Zugangsdaten zum Bankkonto nebst TAN auf einer Internetseite des Dienstes eingeben, sodass dieser bei der Bank des Kunden die Zahlung vom Konto auslösen kann. Banken können sich einem solchen Austausch nicht mehr verwehren. Die Dienstleister werden aber der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterstellt, um Missbrauch zu vermeiden.

01.06.2017 |

Wüstenrot stellt seine verkleinerte Bank zur Disposition

Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) prüft Optionen für die Zukunft der 100-prozentigen Tochtergesellschaft Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. Diese ist unter der Marke "Wüstenrot direct" bekannt, sie wurde erst kürzlich zu einer als solche von W&W bezeichneten Digitalbank für Privatkunden neu ausgerichtet. Die Überlegungen reichen von einer weiteren Fokussierung der Geschäftsaktivitäten über Kooperationen bis hin zum Verkauf, teilte die börsennotierte W&W am späten Mittwochabend per Adhoc-Meldung mit. Die Analyse erfolge "ausdrücklich ergebnisoffen". W&W besteht aus Versicherungen, Bausparkasse und Bank. Die Wüstenrot Bausparkasse und die Bank sind Schwestergesellschaften. W&W hat Doppelstrukturen zugunsten der Bausparkasse abgebaut, am Ende könnte stehen, dass der Bankbetrieb und die umfangreichen regulatorischen Anforderungen dafür wegfallen. Im Wesentlichen ist es eine Entwicklung, die nach dem Ende 2015 novellierten Bausparkassengesetz einsetzte, denn Bausparkassen haben nun mehr Möglichkeiten, sie dürfen Baufinanzierungen mit 100 Prozent Beleihungsauslauf anbieten und Pfandbriefe zur Refinanzierung begeben. W&W nutzte das frühzeitig, verlagerte dieses Geschäft. Die Bilanzsumme der Bank verminderte sich durch den Übertrag des Bestands an Baufinanzierungen an die Bauspar-Schwester von über 10 Milliarden Euro auf 1,6 Milliarden Euro. Die Wertpapierdepots wurden im Oktober 2016 auf einen Kooperationspartner ausgelagert, die ebase. Zudem fand im April 2017 der Übertrag der Einlagekonten von der Bank zur Bausparkasse statt. Über die damit verbundene Reorganisation des gesamten Bankgeschäfts hatten wir berichtet, die Kunden äußern sich im Netz weiterhin sehr unzufrieden, da es noch immer in kaum einem Bereich rund läuft. Bei der Bank verblieben die Girokonten, die Karten, das Vermitteln von Depots und Investments sowie einige digitale Aktivitäten. Unabhängig von einem möglichen Verkauf der Bank werde W&W auch die bislang in der Bank angesiedelten, im Aufbau befindlichen digitalen Aktivitäten an ein Geschäftsfeld innerhalb der W&W übertragen. Zu diesen Aktivitäten gehört unter anderem Treefin, ein FinTech-Zukauf. Nutzer von Treefin bekommen auf der Plattform einen Allfinanz-Überblick zu ihren eigenen Konten, Kreditkarten, Depots und Versicherungen, was in den nächsten Monaten insbesondere auf die W&W-Kunden zugeschnitten werden soll.

02.05.2017 |

Kunden bescheinigen Wüstenrot eine überhastet durchgeführte Umstellung

Für die Kunden der Marke "Wüstenrot direct" sind die Bankgeschäfte umständlicher und unübersichtlicher geworden, in Kommentaren in einigen Foren und in den App-Stores von Apple und Android ist dies dargelegt. Hintergrund ist eine konzerninterne Reorganisation - die rechtliche Abspaltung eines Teilbetriebs der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank an die Wüstenrot Bausparkasse AG. Die Tagesgeldkonten und die im Neugeschäft nicht mehr angebotenen Zinskonten "Top Termingeld flex" und "Vorsorge Sparen" sind deshalb nun bei der Bausparkasse, während Girokonten, Kreditkarten, die Kredite und die Vermittlung von Depots und Investments bei der Bank verbleiben. Dennoch, die zahlreichen Änderungen betreffen alle Kunden, auch die, die weiterhin der Bank zugeordnet sind. Die Girokonten zogen am langen Osterwochenende vom 13.4.17 bis zum 17.4.17 in ein neues Online-Banking um. Das alte Portal bekam die Bezeichnung "Tagesgeldportal" und gehört nun zur Bausparkasse, die Einlagekonten werden dort angezeigt. Man muss sich somit gegebenenfalls auf zwei separaten Portalen einloggen, um alle seine Konten zu überblicken. Ein Nutzer formulierte es treffend so: "Die Aufsplittung macht für mich als Endkunde überhaupt keinen Sinn." Die Bank hat eine neue BIC und eine neue Bankleitzahl und die Girokunden erhielten eine neue IBAN, weil die sich auch aus BIC und Prüfziffer zusammensetzt. Unter der alten IBAN eingehende Transaktionen können weiterhin von der Bank verarbeitet werden, die Kunden müssen zu bestehenden Lastschrifteinzügen nichts unternehmen, sie sollen die neue IBAN und BIC aber verwenden, wenn sie Lastschriftermächtigungen neu erteilen oder ihre Kontoverbindung für Überweisungen mitteilen. Auch eine neue Banking-App für die mobilen Geräte wurde verfügbar gemacht, mit der es jedoch nicht einmal möglich ist, Überweisungen zu tätigen, denn das mTAN-Verfahren ist in dieser aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Es ist eine weitere Stelle, die noch nicht fertig ist. An einem zusätzlichen TAN-Verfahren ("SecureGo Tan"), das sich für den mobilen Zahlungsverkehr eignet, werde mit Hochdruck gearbeitet. Mit der erst kürzlich abgeschafften TAN-Liste und der alten App hätte man sich hier noch behelfen können. Die Kreditkartenumsätze werden derzeit weder im Online-Banking noch in der App angezeigt, die Karteninhaber erhalten zu den Kreditkarten vorübergehend kostenlose Kontoauszüge auf dem Postweg. Erst mit den neuen Karten, die Ende Mai kommen sollen, werden die Umsätze wieder angezeigt. Die Karten haben eine neue Kartennummer, wenn sie als Zahlungsmittel zum Beispiel bei Online-Shops oder PayPal hinterlegt sind, sollte nicht vergessen werden, die Daten zu ändern. Bei den Prepaid-Karten, die in Verbindung mit dem Girokonto häufig bei Wüstenrot direct ausgegeben wurden, gestaltet sich das Aufladen derzeit schwierig, bis die Neue da ist, wird das Aufladen über eine Nachricht an karten@wuestenrot.de angestoßen. Vorhandenes Prepaid-Guthaben wird nicht automatisch auf sie übertragen. Noch im ersten Halbjahr 2017 soll es ein Kundenportal geben, bei dem in einer Gesamtübersicht neben Girokonten, Kreditkarten, Zinskonten, Krediten und Bausparen zugleich die Versicherungsverträge bei der Württembergischen Versicherung dargestellt werden, für Details und Transaktionen wird der Kunde von dort aus auch zu den jeweiligen Portalen gelangen können.

29.04.2017 |

Postbank Business Giro auch bei hohem Habensaldo nicht mehr günstig

Die Postbank hebt die Preise bei den Geschäftskonten per 1.7.17 drastisch an. Im vergangenen November hatte sie den Privatkunden eine neue Kontenwelt präsentiert, jetzt schickte sie den Geschäftskunden ein Schreiben, in dem sie Änderungen ankündigt. Ein Flyer ist beigelegt, zwei zusätzliche Kontomodelle stellt sie zur Auswahl und empfiehlt, welches von den künftig drei Business-Girokonten mit der derzeitigen Kontonutzung geeignet wäre. Im Neugeschäft gelten die Konditionen ab 22.5.17. Die Postbank betreibt die Geschäftskundensparte als Massengeschäft, zur Zielgruppe gehören Selbstständige, Freiberufler, Handwerker, Gewerbetreibende und kleine Unternehmen. Bei dem bis dahin einzigen Kontomodell, dem "Business Giro", ist dann keine kostenlose Kontoführung mehr durch einen hohen durchschnittlichen Habensaldo ab EUR 10.000 zu bewirken. Lediglich die Stufe ab EUR 5.000 bleibt, mit der sich die Monatspauschale von EUR 9,90 auf EUR 5,90 drücken lässt. Für jede beleglose Buchung fallen ab Juli EUR 0,20 (bisher EUR 0,12) an, wodurch sich schnell eine größere Summe ergibt. Jede beleghafte Buchung kostet künftig EUR 1,50 (bisher EUR 0,99). Die zwei neuen Kontomodelle haben unabhängig vom Habensaldo eine Monatspauschale von EUR 12,90 ("Business Giro aktiv") und EUR 16,90 ("Business Giro aktiv plus"), und dafür mit EUR 0,12 bzw. EUR 0,08 einen gemäßigten Preis je beleglose Buchung. Als zusätzlicher Mehrwert ist eine Standard-Kreditkarte im ersten Jahr beitragsfrei und die Gold-Kreditkarte von EUR 80,00 auf EUR 40,00 vergünstigt, beim Business Giro aktiv plus wird auch das optionale Depot kostenlos geführt. Den Rechnungsabschluss stellt die Postbank von quartalsweise auf monatlich um. Für Unternehmer ist die Frage der steuerlichen Anerkennung von Online-Kontoauszügen mit Unsicherheiten behaftet, das bloße Ausdrucken reicht nicht aus, um sie in die Buchführung zu übernehmen, weshalb viele noch immer dem Papierkontoauszug den Vorzug geben. Der kostenlose Kontoauszug per Post fällt nun aber weg, je Versand werden EUR 1,00 abgebucht. Stattdessen lässt sich ab sofort über das Kontaktformular des Online-Bankings der Online-Kontoauszug oder das Abholen am Kontoauszugsdrucker aktivieren. In den Konten steckt viel Funktionalität und im Schreiben benennt die Postbank auch, dass sie die Höhe des individuellen Sollzinses für den Kontokorrentkredit senken wird und eine App, "Postbank Business Assistent", speziell für Geschäftskunden entwickelt hat. Die App ist ab sofort für iPads und Android-Tablets erhältlich, sie verknüpft das Online-Banking mit Office-Funktionen. Angebote, Rechnungen und Mahnungen lassen sich mit Vorlagen und einem Upload des eigenen Logos erstellen. Anschließend lassen sich die Dokumente aus der Anwendung heraus per E-Mail versenden oder per kostenpflichtigem E-POST-Service als Brief. Die Fristen der eingegebenen Zahlungsziele werden digital überwacht, eingehende Zahlungen den offenen Rechnungen zugeordnet. Die Vorstellung, die Arbeitsabläufe mit der App zu erledigen, ist sicherlich angenehm, nur die wenigsten Unternehmer werden aber tatsächlich schon mit einfachen Vorlagen zufrieden sein oder diesen Teilbereich der Buchhaltung auf das Tablet ausquartieren.

12.04.2017 |

BaFin rudert bei den Anforderungen für das VideoIdent zurück

Die Aufsichtsbehörde BaFin veröffentlichte gerade für alle von ihr beaufsichtigten Institute ein neues Rundschreiben (3/2017) zum VideoIdent-Verfahren. VideoIdent ist eine Alternative zur Legitimation am Postschalter, auf die sich Dienstleister wie WebID oder IDnow spezialisiert haben. Die BaFin legt in dem Rundschreiben dar, wie genau eine solche Identifizierung ablaufen muss. Von einigen Anforderungen, die sie zwischenzeitlich einführen wollte, ist sie komplett abgerückt. Mit Blick auf die Sicherheit wollte die BaFin nämlich schon im vergangenen Juni neu regeln, was die Anbieter erfüllen müssen - um Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und andere Straftaten effektiver zu bekämpfen. Das damalige Rundschreiben sollte ohne Übergangsfrist gelten und hätte das Verfahren viel komplizierter gemacht, die BaFin setzte es nach einem Aufschrei der Finanzwelt zwei Wochen nach der Veröffentlichung erst einmal aus. Mit den damaligen Regeln hätten die Unternehmen in sonstigen Datenquellen, etwa den sozialen Netzwerken, über die potenziellen Kunden recherchieren müssen. Außerdem wäre erforderlich gewesen, dass die angehenden Kunden als zusätzlichen Schritt von einem ihrer anderen Konten einen kleinen Geldbetrag auf ihr neues Konto überweisen - eine sogenannte Referenzüberweisung. Zu den Kritikpunkten zählte auch, dass das Verfahren nur noch Kreditinstituten zu Verfügung stehen sollte, Zahlungsinstituten oder E-Geld-Instituten zum Beispiel nicht mehr. Diese Punkte wurden allesamt verworfen, sie kommen in dem aktuellen Rundschreiben gar nicht mehr vor.

Ab 15.6.17 gelten die überarbeiteten Vorgaben, die in vielen Punkten sehr konkret sind. So müssen die Anfragen zufällig auf die Mitarbeiter verteilt werden, um Manipulationen vorzubeugen. Und es sind zahlreiche Sichtprüfungen des Ausweisdokuments in einer Liste benannt, von denen mindestens drei aus verschiedenen Kategorien für die Identifizierung zufällig ausgewählt und erfüllt werden müssen. Außerdem sollen die Mitarbeiter psychologische Fragen stellen und beobachten, um sich von der Plausibilität der Angaben sowie der vorgegebenen Absicht der zu identifizierenden Person zu überzeugen. Es könne beispielsweise im Gespräch nach dem Alter gefragt werden, im Hinblick auf eine Validierung der Geburtsangaben im Ausweisdokument. Von den Mitarbeitern wird erwartet, so auch zu erkennen, ob nach eigenem Willen oder durch Druck einer zweiten Person das Konto beantragt wird. Es gibt einen weiteren Prüfschritt, der eine computergestützte Manipulation der Bildübertragung verhindern soll. Dabei soll die zu identifizierende Person den Ausweis an einer systemseitig zufällig bestimmten Stelle mit dem Finger teilweise verdecken oder etwa eine Hand vor ihrem Gesicht bewegen. Anhand von Standbildern ist dann die Echtheit zu überprüfen. Neu hinzugekommen ist die verpflichtende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die sichere Kommunikation, die fragwürdige Nutzung von Skype oder ähnlichen Diensten ist nicht mehr zulässig.

06.04.2017 |

Deutsche Bank schafft Fakten beim mobilen Zahlen

Kunden der Deutschen Bank können seit gestern ihr Smartphone für das kontaktlose Zahlen an der Ladenkasse nutzen. Als erstes Kreditinstitut in Deutschland bietet die Deutsche Bank das flächendeckend an, und zwar als neue Funktion ihrer Banking-App in der Android-Version. Es wird dazu ein NFC-fähiges Smartphone mit Betriebssystem ab Android 4.4 und eine Mastercard der Deutschen Bank benötigt (Deutsche Bank Card Plus, Mastercard Standard, Mastercard Travel, Mastercard Gold oder Mastercard Platin). Das schränkt den potenziellen Nutzerkreis ein, Kreditkarten anderer Institute oder girocards können vorerst nicht in der digitalen Börse der Deutschen Bank für die Zahlungen hinterlegt werden. Die von der Kreditkartengesellschaft stammende Verschlüsselung der Transaktionen funktioniere damit noch nicht, erklärte die Bank. Die Kreditkarten der Deutschen Bank sind vergleichsweise teuer, aber als Einzelprodukt zu bekommen. Die im Dezember 2016 eingeführte Deutsche Bank Card Plus (eine Debit-Mastercard) ist hingegen über eine aktuelle Aktion im ersten Jahr beitragsfrei, kostet dann jährlich EUR 18,00 und erfordert für das sofortige Abbuchen ein Girokonto bei der Deutschen Bank. Auch iPhone-Nutzer sind erst mal außen vor, da Apple den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle für Dritte nicht freigibt, sie allein dem hauseigenen Bezahldienst Apple Pay vorbehält, um an allen Zahlungstransaktionen mitzuverdienen. Für die Kunden der Deutschen Bank ist das Einrichten des mobilen Zahlens mit wenig Aufwand verbunden: Sofern eine der unterstützten Karten vorhanden ist, zeigt die App diese automatisch virtuell an, die Kunden können nach der Bestätigung der Nutzungsbedingungen sofort loslegen. Das Smartphone speichert dann zehn Zahlenschlüssel, sogenannte Token. Für die einzelne Zahlung werde statt der sensiblen Kreditkartendaten jeweils ein Token und dessen Ablaufdatum für die verschlüsselte Übermittlung bereitgehalten. Die Token sind selbst dann verfügbar, wenn das Smartphone nicht im Mobilfunknetz oder mit dem Internet verbunden ist. Sind einige davon aufgebraucht, werden sie beim nächsten Einloggen in die App über das Internet nachgeladen. Beim eigentlichen Bezahlvorgang reicht es aus, das Smartphone zu entsperren und an das Lesegerät zu halten, die App muss nicht aufgerufen werden. Ab EUR 25,00 wird am Kassenterminal zusätzlich die PIN der hinterlegten Mastercard abgefragt; der Schwellenbetrag gilt für Deutschland, er ist länderspezifisch. Wenn die Zahlung erfolgreich war, wird die Zahlungsbestätigung direkt am Terminal angezeigt und der Kunde wird zusätzlich über sein Smartphone informiert.

Das mobile Zahlen ist Teil der Digitalisierungsstrategie, in die die Deutsche Bank zurzeit viel Geld pumpt. Sie fährt die vermutlich einzig erfolgversprechende Strategie, den US-Konzernen zuvorzukommen, und in der Zwischenzeit den Dienst auszubauen, damit der Nutzer einen Wechsel zu Apple Pay oder Google Pay nicht mehr als notwendig erachtet. Wann diese nach Deutschland kommen, ist noch immer ungewiss, wenngleich sich bei Apple Pay die Anzeichen für einen baldigen Start verdichten. Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken arbeiten daran, dass ihre Kunden künftig per Smartphone zahlen können. Bei den Sparkassen soll es Ende des Jahres so weit sein, bei den Genossenschaftsbanken Anfang 2018. Allerdings setzen die beiden Bankengruppen daneben auch auf kontaktloses Zahlen mit der girocard, was die Deutsche Bank als einen Zwischenschritt ansieht, der übersprungen werden könne, in der Entwicklung hin zur Virtualisierung, bei der gar keine Karten mehr benötigt werden. Von den Mobilfunkanbietern ist Vodafone der Einzige, der noch eine mobile Geldbörse hat. Bei Vodafone steht sie nur den eigenen Vertragskunden (ohne Prepaidtarife) zur Verfügung, ist an die SIM-Karte gekoppelt und die technischen Hürden sind höher.

03.03.2017 |

-0,40% Negativzinsen bei drei Online-Brokern

Der Online-Broker flatex wird den Kunden für Einlagen ab dem ersten Euro ab 15.3.17 einen Negativzins von minus 0,40 Prozent in Rechnung stellen. Die FinTech Group, ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Frankfurt zu dem flatex gehört, teilte dies in einer Aussendung mit. Die 175.000 Kunden in Deutschland und Österreich wurden wenige Stunden danach mit einem entsprechenden Schreiben über das Online-Postfach informiert. Damit müssen erstmals auch auf kleine Guthaben hierzulande Negativzinsen gezahlt werden, nicht erst wie bei den Instituten, die einen solchen Schritt wagten, ab einer Schwelle von EUR 100.000, EUR 500.000 oder mehreren Millionen. Guthaben wird für die flatex-Kunden zum Kostenfaktor, und das schon in weniger als zwei Wochen. Die FinTech Group führt als Grund für das Erheben des Negativzinses die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Feld, Geschäftsbanken müssen für bei ihr geparkte Einlagen einen Strafzins in exakt derselben Höhe bezahlen. Diese Kosten würden nun lediglich an den Kunden weitergereicht, das sei "maximal transparent", andere Anbieter würden quersubventionieren. Den Negativzins wird flatex quartalsweise berechnen, bei einem durchschnittlichen Guthaben von beispielsweise EUR 10.000 auf dem Depot-Verrechnungskonto ergeben sich EUR 10,00 pro Quartal. Die EZB verlangt seit Juni 2014 Strafzinsen, zunächst lag der Satz bei 0,10 Prozent, nach drei weiteren Schritten seit März 2016 bei 0,40 Prozent. FinTech-Chef Niehage zufolge hält man sich auch die Möglichkeit offen, den Negativzins zu erhöhen, sollte die EZB nachlegen. Umgekehrt werde der Kunde niedrigere Negativzinsen zu tragen haben, sollte die EZB ihren Strafzins senken. Bislang war flatex mit seinen Discountpreisen die erste Adresse für günstigen Wertpapierhandel. Bei flatex sind die Kunden nicht, um Tagesgeldanlagen zu unterhalten, Guthabenzinsen gab es dort noch nie, das Geld auf den Konten dient einzig zur Verrechnung von Wertpapiergeschäften. Es ist der übliche Ablauf, das Depot-Verrechnungskonto mit Anlagebeträgen zu befüllen, um auf gute Kaufgelegenheiten zu warten bzw. darauf, dass die gesteckten Kauflimits bedient werden. Eine solche Kaufstrategie wird nun teurer. Auch wird die Neuregelung dazu führen, dass viele Kunden auflaufende Erträge oder Verkaufserlöse unmittelbar abziehen. Sie werden versuchen, den Kontostand möglichst nahe null zu halten, wobei das auf Dauer lästig sein dürfte und durch die laufenden Buchungen auch die Gefahr besteht, in den Sollbereich zu geraten, innerhalb der bewilligten Kreditlinie fällt zurzeit ein Sollzins in Höhe von 3,90 Prozent an. Die FinTech Group ist zuversichtlich, dass die Kunden bleiben, eine unter ihnen zuvor durchgeführte Umfrage habe ergeben, dass fast niemand deswegen wechseln würde. In der Aussendung hob sie zwei Ausweichmöglichkeiten hervor, die Zinskonten im Ausland und die geldmarktnahen ETFs, beides von Kooperationspartnern. Für Geld, das die Kunden für den Kauf von Aktien und Fonds vorsehen, ist das jedoch keine Lösung.

Wer nicht bereit ist, für Einlagen Negativzinsen zu zahlen, dem bleibt nur der Wechsel zu einem anderen Online-Broker. brokerport (frühere Bezeichnung benk) und ViTrade stellten heute Nachmittag wie flatex ein Preis- und Leistungsverzeichnis online, in dem der Negativzins von minus 0,40 Prozent aufgeführt ist. Auch strich brokerport das Angebot des Zinspakets, über die Buchung dieses Pakets konnte sich der Kunde gegen eine Pauschale Guthabenzinsen sichern und einen günstigeren Zins beim Dispokredit. flatex, brokerport und ViTrade gehören allesamt zum Konzern der FinTech Group. In der Preisklasse befindet sich auch die OnVista Bank. Sie wirbt jetzt in ihrer Produktdarstellung mit dem Vorteil, dass bei ihr keine Negativzinsen anfallen. Auch schaltete sie bei Google Textanzeigen mit einer Frage als Titel: "Zahlen Sie Negativzinsen? - Nicht bei der OnVista Bank". Die Anzeige erscheint selbst bei Suchanfragen mit dem fremden Markennamen "flatex" oder "ViTrade" als einzigem Suchbegriff.

24.02.2017 |

comdirect Girokonto wird an einzelnen Stellen teuer

Zum Girokonto der comdirect kommen per 24.4.17 einige Anhebungen bei den Gebühren. Sie betreffen den Telefon-/Briefzuschlag, das Einlösen von Schecks, die Karten der Bevollmächtigten und das Geldabheben mit der falschen Karte. Die comdirect führt rund 1,4 Millionen Girokonten. Sie geht den Weg, über die Zusatzposten mehr verdienen zu wollen; an dem für die Kundengewinnung zugkräftigen Verzicht auf eine Monatspauschale rüttelt sie nicht. Das sind die Details: Der Zuschlag für telefonisch oder schriftlich veranlasste Überweisungen beträgt künftig EUR 4,90 (bisher EUR 1,90). Gleiches gilt für Daueraufträge, die nicht selbst online eingerichtet, geändert oder gelöscht werden. Überträge auf eigene Konten bei comdirect werden gesondert geregelt, für sie bleibt es beim Telefon-/Briefzuschlag von EUR 1,90. Schecks werden bei comdirect nur noch kostenlos eingelöst, wenn die Schecksumme weniger als EUR 10,00 beträgt, ist sie höher, fallen EUR 2,90 pro Einlösung an. Bevollmächtigte erhalten die girocard und die Kreditkarte nicht mehr wie der Kontoinhaber beitragsfrei, für beide Kartenarten sind jeweils jährlich EUR 9,90 zu zahlen. Und man muss sich schon wieder beim kostenlosen Bargeldabheben am Geldautomaten umorientieren, ab 24.4.17 ist dazu die girocard im Inland und in den weiteren Ländern mit dem Euro als offizielle Landeswährung zu verwenden, die Kreditkarte in den Ländern mit Fremdwährung. Zuletzt machte comdirect die Unterscheidung am EWR-Raum fest, der neben der gesamten EU inklusive der Mitgliedsländer mit eigener Währung auch Island, Liechtenstein und Norwegen umfasst. Die neue Regelung ist zwar einfacher, wer aber für das Bargeldziehen nicht die Karte verwendet, die comdirect dafür vorsieht, wird doch erheblich bestraft, zahlt an comdirect ein Entgelt von EUR 9,90 (bisher mit der girocard EUR 5,90 und mit der Kreditkarte 3,00% vom Abhebebetrag, mindestens aber EUR 5,90) und zusätzlich gegebenenfalls das direkte Entgelt an den Automatenbetreiber. Für Kartenzahlungen mit der girocard in Fremdwährung wird comdirect ein Auslandsentgelt von 1,75% vom Umsatz (bisher 1,00% vom Umsatz, mindestens aber EUR 0,77) erheben. Bei den Tagesgeldkonten und den Depot-Verrechnungskonten wird der Telefon-/Briefzuschlag für Auszahlungen auf das Referenzkonto entsprechend der Regelung zum Girokonto eingeführt, der Kunde kann sie nur noch online kostenlos vornehmen.

20.02.2017 |

Privatbanken wollen freiwillige Einlagensicherung einschränken

Der Bundesverband deutscher Banken e. V. (BdB) arbeitet daran, den Schutzumfang seines Einlagensicherungsfonds weiter einzuschränken, denn den Banken wird die Haftung für ihre Kunden zu teuer. Für Privatkunden und Stiftungen ändert sich dieses Mal nichts, aber alle anderen Einleger verlieren große Teile des bisherigen Schutzniveaus. Der Einlagensicherungsfonds ist der Topf, den die deutschen Privatbanken zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung aufgebaut haben. Am Freitag gab der BdB bekannt, dass der Vorstand beschlossen hat, ihn zu reformieren. Die Mitgliedsinstitute werden dies voraussichtlich bei der noch notwendigen Abstimmung am 5. April absegnen. Die geplanten Maßnahmen sind: Bund, Länder und Gemeinden sowie Finanzinstitute wie Vermögensverwalter, Leasing-Gesellschaften und bestimmte Wertpapierfirmen sollen ab Oktober 2017 überhaupt nicht mehr aus dem Einlagensicherungsfonds bedient werden. Bei Unternehmen, Versicherungen und halbstaatlichen Stellen wie zum Beispiel Versorgungswerke wird der Schutz in zwei Stufen heruntergefahren, und zwar entfällt er in dieser Kundengruppe im Oktober 2017 in Bezug auf Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen, und im Januar 2020 auch für Einlagen mit einer Laufzeit von mehr als 18 Monaten. Für vor dem jeweiligen Stichtag erworbene Papiere bzw. vereinbarte Einlagen gilt ein Bestandsschutz. Für den Einzelunternehmer, den kleinen Handwerker etwa, soll die Einlagensicherung gemäß Auskunft eines Sprechers weiterhin greifen. Wenn ein Unternehmer sein Geschäft in der Rechtsform einer juristischen Gesellschaft oder einer Personengesellschaft habe, sehe es anders aus, das werde eben nicht mehr geschützt. Die ausgeschlossenen Investoren könnten nach Auffassung des Bankenverbands ihre Risiken gut selbst einschätzen. Die Kräfte würden für die besonders schutzwürdigen privaten Einleger gebündelt. Auslöser des Umbaus sei der Kostendruck durch die Regulierung in den vergangenen Jahren (Bankenabgabe, Eigenkapitalanforderungen, gesetzliche Einlagensicherung usw.) und zudem durch die Zinssituation. Wenn weniger Einlagen abgesichert werden, müssen die Banken aller Voraussicht nach deutlich geringere Beiträge in den Fonds einzahlen. Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer unterlegte das mit Zahlen. Hätte es die Reform 2016 schon gegeben, wären die Entschädigungen bei der über das Dividendenstripping gestolperten Maple Bank um rund ein Drittel geringer ausgefallen. Bei der Pleite der deutschen Tochter der untergegangenen US-Bank Lehman Brothers wären es wohl sogar zwei Drittel weniger gewesen. Bei den Maßnahmen ist auch eine Widersprüchlichkeit zu erkennen: Für die öffentliche Hand entfällt der Schutz komplett, doch vor allem in den Städten und Gemeinden dürften die Verantwortlichen für die finanziellen Angelegenheiten weniger Erfahrungen haben als in Großunternehmen und Versicherungen, deren Einlagen mit weniger als 18 Monaten Laufzeit der BdB aber weiterhin absichern will.

Bis zu einem Betrag von EUR 100.000 pro Einleger gilt in der EU eine der gesetzlichen Einlagensicherungen. Für die meisten der privaten Banken in Deutschland ist als gesetzliche Einlagensicherung die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH zugeordnet. Dort haben Privatpersonen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften einen Anspruch auf Entschädigung, nicht geschützt sind die Einlagen von Kreditinstituten und institutionellen Anlegern, wie beispielsweise Finanzdienstleister, Versicherungsunternehmen und Einlagen der öffentlichen Hand. Die im BdB organisierten privaten Banken sichern darüber hinausgehende Beträge über den freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Die Sicherungsgrenze pro Einleger ist abhängig vom haftenden Eigenkapital der Bank. In einer vorangegangenen Reform wurde beschlossen, die Sicherungsgrenze stufenweise abzusenken. So sank sie im Dezember 2015 von 30 auf 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Es folgt zum Januar 2020 ein Anpassen auf 15 Prozent, danach zum Januar 2025 auf 8,75 Prozent.

02.02.2017 |

netbank führt Kontoführungsgebühr ein

Das Girokonto der netbank, das "giroLoyal", wird wie viele andere Konten bald nicht mehr kostenlos sein, und weniger Vorteile bei Einkommenseingang bereithalten. Am 27.2.17 endet zunächst die Vereinbarung der netbank mit der ReiseBank. In deren Filialen konnten die Kunden kostenlos Bargeld auf ihr netbank-Konto einzahlen und die Kunden mit Einkommenseingang sich nach telefonischem Vorbestellen außerdem große Bargeldsummen zwischen EUR 5.000 und EUR 25.000 auszahlen lassen. Alle weiteren Änderungen kommen zum 1.4.17: Einen Grundpreis hatte bislang niemand bei der netbank zu zahlen, auch nicht für Pfändungsschutz- oder Basiskonten, künftig sind nur noch Minderjährige davon befreit. EUR 3,50 wird der Grundpreis sein, bei einem regelmäßigen monatlichen Einkommenseingang von mindestens EUR 400,00 ist er auf EUR 1,00 ermäßigt. Der für viele Zusatzleistungen notwendige Einkommenseingang ist künftig immer mit Mindesthöhe angegeben - EUR 400,00 im Kalendermonat. Als Einkommenseingang zählen weiterhin Gehalt, Lohn, Vergütung, Bezüge, Rente, Pension, BAföG, Studiengeld, Studium, Sold, Entlohnung, Privatentnahme, Ruhegeld, Blindengeld, Blindenhilfe. Ausgeschlossen sind Mieteinnahmen. Nach dem ersten Eingang in der geforderten Höhe wird auf die attraktiveren Konditionen zum Folgequartal umgestellt. Die Zusatzleistungen waren früher unter dem Begriff Treue-Bonus zusammengefasst, sie bestehen seit geraumer Zeit nur noch aus einer beitragsfreien Bankkarte (sonst EUR 5,00 p. a.) und einer im ersten Jahr beitragsfreien Mastercard Classic (sonst EUR 20,00 p. a.). Die weltweit kostenlose Bargeldversorgung über die Mastercard Classic kann künftig ein Mal pro Monat genutzt werden, bislang fünf Mal. Auf das Auslandsentgelt verzichtet die netbank dabei. Jedes weitere Geldabheben wird mit EUR 3,00 Bargeldgebühr belastet, bislang mit 2,00% des verfügten Betrags, mindestens aber EUR 5,11; außerhalb der Eurozone jeweils zuzüglich 1,00% Auslandsentgelt. Die Bonusregelung wird auf Karten begrenzt, die vor dem 1.4.17 ausgegeben wurden. Der Bonus machte den hälftigen Kartenpreis aus ab EUR 2.000 Vorjahreswarenumsatz und den vollen ab EUR 4.000 Vorjahreswarenumsatz. Immerhin wird ein beleghaft/formlos erteilter Überweisungsauftrag nicht mehr die unverhältnismäßig hohe Gebühr von EUR 10,00 nach sich ziehen. Diesen Preis passt die netbank auf EUR 2,00 an, was gleichzeitig der Preis für eine telefonische Erteilung sein wird.

02.02.2017 |

Kurzmeldung

Gravierende Kursänderungen bei den beiden Direktbanken der Volksbank Eisenberg: Zum einen wurde die Volksbank Eisenberg Direkt eingestellt, nur noch die bestehenden Konten werden fortgeführt. Zum anderen informierte die EthikBank, dass sie wegen der Herausforderungen durch die Zinslosigkeit intern über einen monatlichen Zusatzbeitrag diskutiere (mit einer an die GLS Bank angelehnten Argumentation und Bezug auf das nachhaltige Geschäftsmodell). Es stehe noch nicht fest, ob die EthikBank dabei auf ein Beitragsmodell pro Kunde oder auf höhere Gebühren bei den einzelnen Konten zurückgreifen werde. Die Ausgestaltung werde soziale Aspekte berücksichtigen. Als Richtwert gab sie ca. EUR 5,00 pro Monat an. Genaue Informationen für die Kunden sollen spätestens im März folgen, die Gebührenanpassung ist im Sommer geplant.

30.01.2017 |

girocard kontaktlos: Esso und Lidl beginnen den Rollout

Das kontaktlose Bezahlen mit Bankkarte (girocard) wird 2017 wohl in den Alltag einziehen. Bis Ende März will Esso es bundesweit an allen Kassen ermöglichen, der Lebensmittelhändler Lidl ab diesem Frühjahr. Über den Zusammenschluss der Bankenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, wurde vor Kurzem entschieden, in den Regelbetrieb zu gehen und ein erstes, weit verbreitetes Bezahlterminal-Gerät für die Nutzung lizenziert. 14 Millionen Bankkarten mit der benötigten Funktechnologie sind von Genossenschaftsbanken und Sparkassen bereits im Umlauf. Auf solchen Karten ist ein kleines Wellensymbol auf der Vorderseite abgebildet. Ab wann tatsächlich die Bankkarte nur noch vor das entsprechende Lesegerät gehalten werden muss, liegt nun an den Händlern. Sie werden in den kommenden Monaten nach und nach umstellen, oft wird es genügen, ein Software-Update der Bezahlterminals durchzuführen und die Mitarbeiter zu schulen. Auch den anderen Geldinstituten innerhalb der Deutschen Kreditwirtschaft steht es offen, nachzuziehen und den eigenen Kunden diese Möglichkeit anzubieten, denn girocard ist ein gemeinsames Zahlungssystem der Deutschen Kreditwirtschaft, die inländischen Umsätze der zum Girokonto ausgegebenen Bankkarten werden darüber abgewickelt.

Bei Kreditkarten ist das kontaktlose Zahlen seit einigen Jahren Standard, für die Bankkarten gab es hingegen noch fast nirgends Akzeptanzstellen. Das girocard-System ist das meistgenutzte Zahlungssystem in Deutschland und deshalb für potenziell viel größere Bevölkerungskreise von Interesse. Der mit einem Piepton eingeleitete Prozess ist nicht einheitlich: Wenn eine Unterschrift zu leisten ist, wird lediglich eine klassische Lastschrift erstellt. Wenn eine Zahlung per Datenverbindung autorisiert wird, ist das für den Händler zwar teurer, garantiert ihm aber den Geldeingang. Beträge unter EUR 25,00 werden bei den autorisierten kontaktlosen Zahlungen in der Regel keine PIN-Eingabe erfordern, doch die Bank kann im eigenen Interesse Sicherheitsvorkehrungen einsetzen wie ein tägliches Limit von beispielsweise in der Summe EUR 100,00 ohne PIN-Abfrage. Natürlich hätte das girocard-System schon wesentlich weiter sein können. Kassel war die Pilotregion, in der die Volks- und Raiffeisenbanken zeitweise im entschlossenen Alleingang das Projekt mit EDEKA-Hessenring und anderen Händlern der Region auf die Beine stellten. Die Sparkassen, die zweite an dem Projekt beteiligte Bankengruppe, verlief sich in dem Vorhaben, die mit Beträgen erst aufzuladende GeldKarte für die Funktion einsetzen zu wollen, bis sie einsah, dass kaum jemand das so nutzen will. Volks- und Raiffeisenbanken und die Sparkassen haben frühzeitig begonnen, alle neuen Bankkarten mit dem Funkchip auszugeben, bis zum Jahr 2020 sollen sämtliche ihrer 26 Millionen Bankkarten so ausgestattet sein.

02.02.2017 |

netbank führt Kontoführungsgebühr ein

Das Girokonto der netbank, das "giroLoyal", wird wie viele andere Konten bald nicht mehr kostenlos sein, und weniger Vorteile bei Einkommenseingang bereithalten. Am 27.2.17 endet zunächst die Vereinbarung der netbank mit der ReiseBank. In deren Filialen konnten die Kunden kostenlos Bargeld auf ihr netbank-Konto einzahlen und die Kunden mit Einkommenseingang sich nach telefonischem Vorbestellen außerdem große Bargeldsummen zwischen EUR 5.000 und EUR 25.000 auszahlen lassen. Alle weiteren Änderungen kommen zum 1.4.17: Einen Grundpreis hatte bislang niemand bei der netbank zu zahlen, auch nicht für Pfändungsschutz- oder Basiskonten, künftig sind nur noch Minderjährige davon befreit. EUR 3,50 wird der Grundpreis sein, bei einem regelmäßigen monatlichen Einkommenseingang von mindestens EUR 400,00 ist er auf EUR 1,00 ermäßigt. Der für viele Zusatzleistungen notwendige Einkommenseingang ist künftig immer mit Mindesthöhe angegeben - EUR 400,00 im Kalendermonat. Als Einkommenseingang zählen weiterhin Gehalt, Lohn, Vergütung, Bezüge, Rente, Pension, BAföG, Studiengeld, Studium, Sold, Entlohnung, Privatentnahme, Ruhegeld, Blindengeld, Blindenhilfe. Ausgeschlossen sind Mieteinnahmen. Nach dem ersten Eingang in der geforderten Höhe wird auf die attraktiveren Konditionen zum Folgequartal umgestellt. Die Zusatzleistungen waren früher unter dem Begriff Treue-Bonus zusammengefasst, sie bestehen seit geraumer Zeit nur noch aus einer beitragsfreien Bankkarte (sonst EUR 5,00 p. a.) und einer im ersten Jahr beitragsfreien Mastercard Classic (sonst EUR 20,00 p. a.). Die weltweit kostenlose Bargeldversorgung über die Mastercard Classic kann künftig ein Mal pro Monat genutzt werden, bislang fünf Mal. Auf das Auslandsentgelt verzichtet die netbank dabei. Jedes weitere Geldabheben wird mit EUR 3,00 Bargeldgebühr belastet, bislang mit 2,00% des verfügten Betrags, mindestens aber EUR 5,11; außerhalb der Eurozone jeweils zuzüglich 1,00% Auslandsentgelt. Die Bonusregelung wird auf Karten begrenzt, die vor dem 1.4.17 ausgegeben wurden. Der Bonus machte den hälftigen Kartenpreis aus ab EUR 2.000 Vorjahreswarenumsatz und den vollen ab EUR 4.000 Vorjahreswarenumsatz. Immerhin wird ein beleghaft/formlos erteilter Überweisungsauftrag nicht mehr die unverhältnismäßig hohe Gebühr von EUR 10,00 nach sich ziehen. Diesen Preis passt die netbank auf EUR 2,00 an, was gleichzeitig der Preis für eine telefonische Erteilung sein wird.

02.02.2017 |

Kurzmeldung

Gravierende Kursänderungen bei den beiden Direktbanken der Volksbank Eisenberg: Zum einen wurde die Volksbank Eisenberg Direkt eingestellt, nur noch die bestehenden Konten werden fortgeführt. Zum anderen informierte die EthikBank, dass sie wegen der Herausforderungen durch die Zinslosigkeit intern über einen monatlichen Zusatzbeitrag diskutiere (mit einer an die GLS Bank angelehnten Argumentation und Bezug auf das nachhaltige Geschäftsmodell). Es stehe noch nicht fest, ob die EthikBank dabei auf ein Beitragsmodell pro Kunde oder auf höhere Gebühren bei den einzelnen Konten zurückgreifen werde. Die Ausgestaltung werde soziale Aspekte berücksichtigen. Als Richtwert gab sie ca. EUR 5,00 pro Monat an. Genaue Informationen für die Kunden sollen spätestens im März folgen, die Gebührenanpassung ist im Sommer geplant.

30.01.2017 |

girocard kontaktlos: Esso und Lidl beginnen den Rollout

Das kontaktlose Bezahlen mit Bankkarte (girocard) wird 2017 wohl in den Alltag einziehen. Bis Ende März will Esso es bundesweit an allen Kassen ermöglichen, der Lebensmittelhändler Lidl ab diesem Frühjahr. Über den Zusammenschluss der Bankenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, wurde vor Kurzem entschieden, in den Regelbetrieb zu gehen und ein erstes, weit verbreitetes Bezahlterminal-Gerät für die Nutzung lizenziert. 14 Millionen Bankkarten mit der benötigten Funktechnologie sind von Genossenschaftsbanken und Sparkassen bereits im Umlauf. Auf solchen Karten ist ein kleines Wellensymbol auf der Vorderseite abgebildet. Ab wann tatsächlich die Bankkarte nur noch vor das entsprechende Lesegerät gehalten werden muss, liegt nun an den Händlern. Sie werden in den kommenden Monaten nach und nach umstellen, oft wird es genügen, ein Software-Update der Bezahlterminals durchzuführen und die Mitarbeiter zu schulen. Auch den anderen Geldinstituten innerhalb der Deutschen Kreditwirtschaft steht es offen, nachzuziehen und den eigenen Kunden diese Möglichkeit anzubieten, denn girocard ist ein gemeinsames Zahlungssystem der Deutschen Kreditwirtschaft, die inländischen Umsätze der zum Girokonto ausgegebenen Bankkarten werden darüber abgewickelt.

Bei Kreditkarten ist das kontaktlose Zahlen seit einigen Jahren Standard, für die Bankkarten gab es hingegen noch fast nirgends Akzeptanzstellen. Das girocard-System ist das meistgenutzte Zahlungssystem in Deutschland und deshalb für potenziell viel größere Bevölkerungskreise von Interesse. Der mit einem Piepton eingeleitete Prozess ist nicht einheitlich: Wenn eine Unterschrift zu leisten ist, wird lediglich eine klassische Lastschrift erstellt. Wenn eine Zahlung per Datenverbindung autorisiert wird, ist das für den Händler zwar teurer, garantiert ihm aber den Geldeingang. Beträge unter EUR 25,00 werden bei den autorisierten kontaktlosen Zahlungen in der Regel keine PIN-Eingabe erfordern, doch die Bank kann im eigenen Interesse Sicherheitsvorkehrungen einsetzen wie ein tägliches Limit von beispielsweise in der Summe EUR 100,00 ohne PIN-Abfrage. Natürlich hätte das girocard-System schon wesentlich weiter sein können. Kassel war die Pilotregion, in der die Volks- und Raiffeisenbanken zeitweise im entschlossenen Alleingang das Projekt mit EDEKA-Hessenring und anderen Händlern der Region auf die Beine stellten. Die Sparkassen, die zweite an dem Projekt beteiligte Bankengruppe, verlief sich in dem Vorhaben, die mit Beträgen erst aufzuladende GeldKarte für die Funktion einsetzen zu wollen, bis sie einsah, dass kaum jemand das so nutzen will. Volks- und Raiffeisenbanken und die Sparkassen haben frühzeitig begonnen, alle neuen Bankkarten mit dem Funkchip auszugeben, bis zum Jahr 2020 sollen sämtliche ihrer 26 Millionen Bankkarten so ausgestattet sein.

12.01.2017 |

GE Capital Direkt dauerhaft umgeleitet

Die Internetseite der GE Capital Direkt führt seit Mittwoch zu einer Unterseite von targobank.de, die in wenigen Sätzen darüber informiert, dass aus GE Capital Direkt nun "TARGOBANK Direkt" geworden ist. Das Anhängsel gibt einen Hinweis darauf: TARGOBANK Direkt ist etwas anderes als TARGOBANK. Die Filialen sind keine Anlaufstelle, TARGOBANK Direkt sei als reine Onlinebank konzipiert. Ein Neuabschluss von Konten ist nicht möglich. Nur die bestehenden Tagesgeldkonten und Festgelder werden fortgeführt. Der spätere vollständige Übergang ist bei dieser Vorgehensweise absehbar, der derzeitige Status quo ein Übergangsprozess. Die Verzinsung des Tagesgelds ist bislang unverändert, es gelten 0,25% für Guthabenteile bis EUR 75.000. Hinter dem neuen Label steht nicht unmittelbar die TARGOBANK, sondern wie vorher die TARGO Commercial Finance AG, die ansonsten auf eine ganz andere Kundengruppe ausgerichtet ist, nämlich Firmenkunden. Hinsichtlich der Einlagensicherung ist das Tochterunternehmen selbst ein Mitgliedsinstitut, wodurch hier beim freiwilligen Einlagensicherungsfonds ein geringerer Sicherungsbetrag als bei der TARGOBANK gilt. Mehrere Kunden berichteten, dass sie ein Willkommensangebot bekommen haben, mit 0,35% für Guthabenteile bis EUR 100.000 und garantiert für sechs Monate. Dieses Angebot stammt von der TARGOBANK, denn innerhalb der Unternehmensgruppe sollen die Konten letztlich bei ihr angesiedelt werden. Wenn der Kunde das Angebot wahrnimmt, stimmt er damit der Übertragung seines Kontos zu.

Im Juli 2016 hatte die französische Bankengruppe Crédit Mutuel die Finanzunternehmen der GE Capital in Frankreich und Deutschland erworben. Es sind im Wesentlichen im gewerblichen Factoring und im gewerblichen Leasing aktive Unternehmen. Der Verkäufer, der US-Konzern General Electric, will sich in diesem Bereich aus Europa zurückziehen, sich auf die industrielle Produktion konzentrieren. Im französischen Markt waren die Factoringeinheiten von GE Capital und der Crédit Mutuel beide mittelgroß. In Deutschland war GE Capital führend in diesem Geschäft, bei dem Firmen ihre Rechnungen verkaufen, mit einem Marktanteil von zuletzt über einem Viertel, Crédit Mutuel hingegen kein namhafter Spieler. Die deutschen Gesellschaften – zu denen auch die übergeordnete GE Capital Bank mit Sitz in Mainz gehörte - wurden zusammen zur TARGO Commercial Finance AG umfirmiert und in das Portfolio der TARGOBANK-Unternehmensgruppe integriert. Mit der TARGOBANK verfügen die Franzosen hierzulande über eine Privatkundenbank, die rund vier Millionen Kunden bedient. Um das Geschäftsmodell in der allgemein für die Banken schwierigen Ertragssituation breiter aufzustellen, kamen Finanzierungen für Autohändler hinzu und eben auch die beschriebene führende Stellung im Factoring und der Einstieg beim Leasing. GE Capital Direkt sorgte in der ursprünglichen Konstellation ab Juli 2010 für Refinanzierungsmittel über Einlagen von Privatkunden, als Marke der GE Capital Bank. Für eine Zweitmarke im Bereich der Einlagen hat die TARGOBANK keine Verwendung, mehr Einlagen könnte sie jederzeit durch Zinsanhebung selbst einsammeln, standardmäßig verzinst sie auf ihrem eigenen Tagesgeldkonto mit 0,01%.