Brokerage: Smartbroker versus onvista bank - uneingeschränkt günstig

Smartbroker und onvista bank sind sich in vielen Dingen ähnlich. Beide zählen definitiv zu den günstigsten Anbietern und stellen dennoch Handelsmöglichkeiten bereit, die keine Wünsche offen lassen. Im Folgenden benennen wir deren Stärken und Schwächen, um eine Entscheidungshilfe zu geben, denn oft stehen sie in der engeren Wahl, wenn es um ein neues Depot geht.

Beiden Online-Brokern gemeinsam ist auch, dass eine Zugehörigkeit zu einem Wirtschafts- und Finanzportal besteht, sodass Börsenkurse, Analysen und Musterdepots zusammen genutzt werden können und digitale Reichweite vorhanden ist. Bei Smartbroker sind es die Portale der wallstreet:online Gruppe mit wallstreet-online.de, ariva.de, finanznachrichten.de und boersennews.de. onvista bank ist eng mit dem Finanzportal onvista.de verbunden, wobei sowohl onvista bank als auch onvista.de seit April 2017 zur comdirect gehören. Smartbroker ist ein aufstrebender, junger Herausforderer, onvista bank seit vielen Jahren etabliert. Bei onvista bank ist für diese direkte Gegenüberstellung das 5 EUR-Festpreis-Preismodell zugrunde gelegt, es ist mittlerweile das einzig angebotene Preismodell von onvista bank.

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Depot und Konto

Das Führen von Depot und Depot-Verrechnungskonto ist bei beiden Anbietern kostenlos. Dies schließt das Einlösen von fälligen Papieren und Zins- und Dividendenscheinen mit ein.

Beim Thema Negativzins lassen sich die ersten Unterschiede feststellen. Smartbroker sehen viele den Negativzins auf Kontoguthaben als ärgerlichen Kostenpunkt an, aber er lässt sich leicht umgehen, denn auf neue Geldeingänge wird der Negativzins für drei Monate ab dem jeweiligen Eingangstag gar nicht angewendet. Und bei länger als drei Monate vorliegenden Geldern muss der Kunde erst bei einer Cashquote von mehr als 15%, das ist hier das durchschnittliche Verhältnis von Guthaben auf dem Depot-Verrechnungskonto zum Bestand an Wertpapieren, für die Guthabenteile darüber den Negativzins zahlen. Nach jedem Einzahlen ist somit genug Zeit, in Ruhe einen Bestand an Wertpapieren aufzubauen. Und wenn er aufgebaut ist, kann ein dazu im Verhältnis passendes Guthaben für Kaufgelegenheiten vorgehalten werden, ohne dass Zinskosten entstehen. Ansonsten kann man allein durch Abziehen und neu auf das Depot-Verrechnungskonto überweisen den Negativzins vermeiden. Das Depot-Verrechnungskonto bei Smartbroker ist übrigens nach allen Seiten offen, das Überweisen ist nicht auf ein festgelegtes Referenzkonto eingeschränkt.

Bei onvista bank muss man bezüglich dem Negativzins weniger aufpassen, da er erst bei einem Kontoguthaben größer EUR 250.000 zu zahlen ist, nur auf die Guthabenteile darüber und dann auch nur bei den ab Januar 2020 eröffneten Konten. Die Schwelle ist somit so hoch, dass es für die wenigsten ein Kostenpunkt sein wird.

Online-Inlandsorder

Smartbroker zeichnet sich durch das volle Spektrum an Handelsmöglichkeiten aus: An sämtlichen Börsen und elektronischen Handelsplätzen in Deutschland kann gehandelt werden - also an der Börse Frankfurt, Frankfurt Xetra, den Regionalbörsen, Tradegate, Quotrix, gettex und Lang & Schwarz. Zudem punktet Smartbroker durch den sehr niedrigen Orderpreis: Der liegt pauschal bei EUR 4,00, unabhängig von der Höhe des Ordervolumens, zuzüglich der Börsengebühren und eventuell Maklercourtage. Betreffend dieser Fremdspesen ist im Preisverzeichnis von Smartbroker auf die Internetstelle verlinkt, an der der jeweilige Handelsplatz sie aufschlüsselt. Der Orderpreis ist so niedrig, dass sich der Anleger beim Handeln nicht auf Buy-and-Hold beschränken muss, weil allzu häufiges Umschichten nur die Bank reicher mache, wie es früher hieß. Für gettex und Lang & Schwarz gelten abweichende Preise, was wir weiter unten beschreiben.

Bei onvista bank sind die Handelsmöglichkeiten ebenfalls umfassend, lediglich ohne gettex und Lang & Schwarz. onvista bank erhebt für die Orderausführung im Inland einheitlich EUR 5,00 plus EUR 2,00 Handelsplatzgebühr an eigenen Gebühren. Wenn als Handelsplatz Tradegate oder Quotrix gewählt wird, bleibt es dabei, ansonsten kommen noch die Börsengebühren und eventuell Maklercourtage hinzu. Bis November 2019 gehörte auch Xetra Frankfurt zu den Handelsplätzen, an denen man beim Festpreis-Depot am günstigsten, ohne diese Zusatzkosten handeln konnte, nun werden sie auch hier an den Kunden weiterbelastet, was in der Wirkung eine Preisanhebung war. In einer Aufstellung von onvista bank zu den Börsengebühren sind sie zu Xetra Frankfurt mit 0,00739% vom Ordervolumen, mindestens aber EUR 0,75 und maximal EUR 89,96, angegeben. Eine Order über beispielsweise EUR 10.000 kostet hier also im Gesamten EUR 7,75 und eine Order über EUR 15.000 kostet EUR 8,11.

Das Setzen, Ändern und Löschen von Limits ist bei beiden kostenlos.

Gratis-Handel bei Smartbroker

Ein Coup ist Smartbroker mit dem im Mai 2020 eingeführten Gratis-Handel gelungen, wodurch Smartbroker gleichzeitig es sowohl mit den Allroundern wie onvista bank als auch mit den Gratis-Brokern wie Trade Republic aufnehmen kann. onvista bank und Trade Republic sind die direktesten Konkurrenten, weil sie in ihrem jeweiligen Segment ähnlich erfolgreich sind wie Smartbroker. Am Handelsplatz gettex können Kunden bei Smartbroker Aktien, Anleihen, ETFs und gemanagte Fonds ganz ohne Ordergebühr handeln und am Handelsplatz Lang & Schwarz sämtliche Wertpapierarten für jeweils nur EUR 1,00. Voraussetzung ist in beiden Fällen eine Ordergröße von mindestens EUR 500,00. Ordergrößen unterhalb der Schwelle würden wie an den anderen Handelsplätzen zu EUR 4,00 abgerechnet. Der Gratis-Handel ist eine tolle Sache, die es bei onvista bank nicht gibt. Über gettex und Lang & Schwarz sind fast alle in Deutschland börsengängigen Wertpapiere handelbar. Zu Lang & Schwarz stehen in der Ordermaske des Smartbrokers die Auswahlmöglichkeiten "L&S ETF Best Ex (9-17:30 Uhr)", "Lang & Schwarz" und "Lang & Schwarz Exchange". Bei allen drei Einträgen gilt das Angebot, für EUR 1,00 handeln zu können. Der erstgenannte Eintrag bezieht sich auf Orders in ETFs, die dort nur zu den Zeiten ausgeführt werden, an denen auch Xetra Frankfurt geöffnet ist. In der Kostenaufstellung vor Ausführung, die als PDF herunterladbar ist, werden die Handelskosten mitunter falsch angezeigt, es wird stets mit dem Normalpreis von EUR 4,00 gerechnet, auch wenn die Voraussetzungen durch Auswahl von gettex oder Lang & Schwarz sowie die Mindestordergröße von EUR 500,00 gegeben sind. In der Wertpapierabrechnung wird der reduzierte Preis berücksichtigt.

Anders als die reinen Gratis-Brokern, die ausschließlich auf den einen oder den anderen Handelsplatz setzen (Trade Republic auf Lang & Schwarz, justTrade auf Lang & Schwarz und Quotrix, Gratisbroker auf gettex), bietet Smartbroker den Kunden alle Möglichkeiten, um einen möglichst optimalen Handelsplatz für die jeweilige Order auswählen zu können. Generell ist dazu zu raten, Orders an den von Maklergesellschaften betriebenen Handelsplätzen nur zu den Xetra-Handelszeiten zu platzieren, denn auf Xetra ist, soweit das Wertpapier dort handelbar ist, unstrittig mehr Liquidität. Die Spreads könnten außerhalb der Zeiten, an denen keine Referenz gegebenen ist, hoch ausfallen. Durch die höheren Spreads und eine eingeräumte Exklusivität sind die Handelsplätze bereit, Rückvergütungen zu zahlen. Das sind Gründe, weshalb die Gratis-Broker mit ihrem Geschäftsmodell dennoch Geld verdienen können.

Fonds und ETFs

Zu gemangten Fonds besteht bei beiden die Besonderheit, dass der Erwerb ganz ohne Ausgabeaufschlag über die jeweilige Fondsgesellschaft möglich ist. Beim Kauf per Einmalanlage sowie beim Verkauf fällt stattdessen ein Orderentgelt an, bei Smartbroker EUR 4,00 und bei onvista bank EUR 5,00. Der Kauf per Sparplan ist bei Smartbroker ohne Orderentgelt, was wiederum vorteilhaft ist. Bei onvista bank sind lediglich 81 gemanagte Fonds als Sparplan besparbar, jede Sparplanausführung kostet EUR 1,00.

Der Kauf von ETFs per Einmalanlage wird bei beiden zum gewöhnlichen Orderpreis abgerechnet. Per Sparplan sind bei Smartbroker mehr als 600 verfügbar, 279 davon im Rahmen einer ETF-Aktion ohne Orderentgelt. Bei onvista bank ist die Auswahl geringer, mehr als 150 sind verfügbar, ETF-Aktionskonditionen gelten zurzeit nicht. Für eine reguläre Ausführung werden bei Smartbroker 0,20% vom Kurswert erhoben, mindestens EUR 0,80. Bei onvista bank kostet sie pauschal EUR 1,00. Bei Smartbroker darf die Sparrate EUR 25,00 bis EUR 3.000 betragen. Bei onvista bank sind keine sehr hohen Sparraten erlaubt, EUR 50,00 bis maximal EUR 500,00 darf die Rate betragen.

Beständigkeit

Smartbroker besitzt selbst keine Banklizenz. Depot und Konto werden von der DAB BNP Paribas geführt. Die DAB bank kennen viele noch, sie und Consors wurden vor einigen Jahren von der französischen Großbank BNP Paribas erworben. Die jetzige DAB BNP Paribas ist ausschließlich auf White-Label-Tätigkeit für Finanzinstitute und Vermittler spezialisiert. Aufgrund der bewährten Systeme und der jahrzehntelangen Erfahrung mit dem Abwickeln von Börsenaufträgen hat man somit keine Anfangsschwierigkeiten zu befürchten. Smartbroker hat im Dezember 2019 den Betrieb aufgenommen. Online-Broking-Anwendung und Preisverzeichnis setzen auf denen der DAB BNP Paribas auf, Smartbroker ist sozusagen ein Stylesheet bzw. eine Schicht darüber. Die Reaktionen in den Medien und der Kunden waren und sind bislang überwiegend sehr positiv. Aber hier muss man eben doch berücksichtigen, dass es sich um einen jungen Online-Broker handelt, der erst seit wenigen Monaten am Markt ist, es sich nicht voraussagen lässt, ob er mit den extrem niedrigen Gebühren Konstanz erweisen kann.

onvista bank besteht bereits seit 1997, in den Anfangsjahren hießen sie Fimatex. Besonders in den letzten Jahren war onvista bank sehr beliebt geworden. Im April 2017 wurden sie dann vom weitaus größeren Konkurrenten comdirect übernommen. comdirect führt onvista bank als separate Marke fort, die eigene Rechtspersönlichkeit von onvista bank wurde aber aufgelöst und in mehreren Schritten wurden an einigen Stellen die Preisschrauben leicht angezogen. Insgesamt ist die Zufriedenheit der Kunden dadurch wohl von den Höchstständen ein wenig abgesunken; und über allem steht Ungewissheit, weil comdirect demnächst wohl in der Commerzbank aufgehen wird, und fraglich ist, ob die Commerzbank sich beim Brokerage auf Dauer neben comdirect auch onvista bank als Zweitmarke leisten wird. Im Großen und Ganzen ist onvista bank aber ein sehr beständiges Agieren über ungewöhnlich viele Jahre zugute zu halten.

Handhabung

Ordermaske Smartbroker

Ordermaske bei Smartbroker, mit Zusatzinformationen über die Reiter auf der rechten Hälfte

Anordnen mittels Desktops bei onvista Bank

das Anordnen von Informationen zum Depot und den Transaktionen mittels Desktops bei onvista bank

Der Internetauftritt von Smartbroker ist überzeugend, allerdings sind die FAQ und die allgemeinen Erläuterungen noch recht sparsam. Im Service hebt sich Smartbroker sichtlich von Billig-Anbietern ab, teilt jedem Anleger für Auskünfte einen persönlichen Ansprechpartner mit direkter Durchwahl zu. Bei Smartbroker ist nur Trading über den Browser möglich. Beim Eingeben einer Kauforder ist der Hintergrund in Grün, beim Eingeben einer Verkaufsorder in Rot - anhand dieser Zuordnung kann man kaum durcheinanderkommen. Aufträge werden mittels einer App freigegeben, das Scannen eines am Bildschirm angezeigten QR-Codes erzeugt dabei eine TAN. Das Setzen einer Session-TAN wird oberhalb der Ordermaske angeboten. Unter "Depot > Auftragsübersicht" ist sofort zu erkennen, ob eine Order noch offen ist und welche früheren Orders gestrichen oder zu welchem Kurs ausgeführt wurden. Im Menüpunkt "Konto > Kontoübersicht" findet man zu abgerechneten Orders über die "Umsatzdetails" schnell alle Daten wie zum Beispiel auch die Orderprovision, ohne das entsprechende PDF im Online-Postfach aufrufen zu müssen. Die Zeit für das automatische Logout ist mit 5 Minuten knapp bemessen, onvista bank lässt 30 Minuten ohne Klick verstreichen, bevor sie ausloggen. Worauf viele Anleger bei Smartbroker noch verzichten müssen, ist eine Smartphone-App zum mobilen Wertpapierhandel und HBCI-Unterstützung zum Einsatz von Homebanking-Software. Man könnte sich die App "DAB B2B Endkunden" herunterladen, aber mit dieser lassen sich nur Informationen zu Depot, Depot-Verrechnungskonto und den erteilten Aufträgen abfragen.

Das Online-Brokerage bei onvista bank unterscheidet sich in der Optik deutlich von anderen Anbietern, die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig. Der Nutzer öffnet Bereiche seiner Wahl, ordnet sie im Browser ähnlich wie auf einem Desktop an, dort bleiben sie dann bestehen; bis zu fünf Bereiche können in einem solchen Desktop angeordnet werden, mehrere Desktops lassen sich anlegen. Die Postbox mit den Abrechnungen lässt sich jedoch nur in einem separaten Fenster öffnen, separat von den Desktops. Parallel dazu gibt es einen Bereich mit Nachrichten von der Bank. Übersichtlich gelöst ist das nicht. Auch bei onvista bank gibt es keine Smartphone-App zum mobilen Wertpapierhandel, nur die Browserversion, die natürlich auch auf kleine Bildschirme optimiert ist.

Eingehende und ausgehende Wertpapierüberträge sind bei beiden kostenlos möglich und werden per Formular auf dem Offline-Weg beauftragt.

  1. Anbieterlink
    Smartbroker
    1. EUR 0,00 Orderentgelt am Handelsplatz gettex (ausgenommen der Handel mit Derivaten) und EUR 1,00 Orderentgelt am Handelsplatz Lang & Schwarz, sofern Ordervolumen mindestens EUR 500,00
    2. EUR 4,00 Orderentgelt plus Fremdspesen an allen weiteren deutschen Handelsplätzen
    3. umfassendes Angebot an ETF-Sparplänen und 279 ETFs von Amundi, Lyxor, iShares und Xtrackers ohne Orderentgelt erwerbbar
    4. Negativzins bei einer Cashquote von mehr als 15%
    5. kein Handel per Smartphone-App
  2. Anbieterlink
    onvista bank
    1. Tradegate und Quotrix mit transparentem, günstigem Endpreis von EUR 7,00
    2. kein Handel per Smartphone-App
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