News: Meldung vom 12.04.2016

VideoIdent der Post kommt in die Gänge

Die Deutsche Post will verlorene Marktanteile bei der nach dem Geldwäschegesetz vorgeschriebenen Identifizierung von Bankkunden zurückholen. Sie konnte jetzt bekannt geben, dass mit der Volkswagen Bank ab sofort eine namhafte Bank das VideoIdent der Post nutzt, zunächst ausschließlich beim Antrag zum Tagesgeldkonto mit 1,25% p. a. Sonderzins. Auch die EthikBank und die PSD Bank Köln nutzen es. Um Kunde einer deutschen Direktbank zu werden, ging man bis 2014 in aller Regel abschließend mit den erstellten Vertragsunterlagen in eine Postfiliale, legte den PostIdent-Coupon am Schalter vor und ließ sich persönlich identifizieren. Mit diesem klassischen PostIdent hatte die Post eine Monopolstellung. Als die Finanzdienstleistungsaufsicht Anfang 2014 die Fernidentifizierung geprüft und schließlich zugelassen hatte, konnten die Unternehmen IDnow aus München und WebID Solutions aus Berlin schnell zuverlässige Abläufe aufbauen. Die Post zog erst ab Mai 2015 mit einem eigenen Angebot zum VideoIdent nach. Jedoch entschied sich bislang kaum eine Bank dafür, mit der Post in dem Bereich zusammenzuarbeiten, selbst DHL nicht, bei der Registrierung für den Päckchenempfang an Packstationen wird lediglich das klassische PostIdent angeboten.

Die Post verwendet online genauso wie offline die Bezeichnung "PostIdent" - unterscheidet in "PostIdent durch Videochat" und "PostIdent durch Postfiliale". Diese und auch einige andere Verfahren zur Feststellung der Identität in weiteren Branchen hat sie auf dem Portal postid.de gebündelt. Die Banken-Websites leiten die angehenden Neukunden mit einer dem Kontoantrag zugeordneten Vorgangsnummer auf dieses Portal. Sie können dort ihr bevorzugtes Identifizierungsverfahren wählen - also ob sie sich mit einem Call-Center-Agenten für ein Videotelefonat verbinden lassen oder den Coupon für den Gang in eine Filiale ausdrucken möchten. Die Post rechnet mit der Bank die vereinbarten Grund- und Rücksendeentgelte ab, fast keine der Banken verlangt die Entgelte für die Identifizierung vom Kunden zurück. Während des Videotelefonats sind die Abläufe ähnlich denen bei den zwei spezialisierten Konkurrenten, die Servicezeiten täglich von 8:00 bis 22:00 Uhr, ausgenommen lediglich bundesweite Feiertage. Am PC/Laptop benötigt der Nutzer eine Webcam und einen WebRTC-fähigen Browser, ein Mobiltelefon um eine mTAN zu empfangen und natürlich seinen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Der Internet Explorer und Safari sind nach Angaben der Post noch nicht WebRTC-fähig, dafür wird behelfsweise ein Plugin über das Portal bereitgestellt. Der Mitarbeiter prüft die Sicherheitsmerkmale auf dem Ausweisdokument und dass der Ausweis tatsächlich auch zur Person vor der Webcam passt. Er macht von Ausweisdokument und Person jeweils Bilder, die gespeichert werden. Für Tablets und Smartphones mit den Betriebssystemen iOS und Android ist eine App für das Videotelefonat mit der Post verfügbar. Identifizierungen bei Wohnsitz im Ausland sind bislang bei der Post noch nicht möglich. Eine weitere Alternative, die je nach Vereinbarung mit der Bank ebenfalls zur Auswahl steht, ist die Legitimation mit dem neuen Personalausweis, dazu muss die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet sein und ein entsprechendes Kartenlesegerät wird benötigt. Durch die Identifikation über das Internet ist ein Antragsprozess kundenfreundlich und schnell, ohne den Medienbruch die Abbruchquote geringer. Trotz der schleppenden Einführung wird die Post nicht dauerhaft an dritter Position im Geschäft mit dem VideoIdent bleiben, weil fast jeder sie gedanklich mit der Identifikation für ein Online-Bankkonto in Verbindung bringt und weil sie den klassischen und den neuen Weg aus einer Hand bieten kann.

Immer mehr Banken bieten das praktische VideoIdent an, wenige wie comdirect ziehen dabei eine Lösung im eigenen Haus vor. An IDnow sind in Deutschland unter anderem die Commerzbank, Meine Bank und Number26 angebunden. Mit WebID Solutions kooperieren 1822direkt, American Express, Barclaycard ("Express-Kredit"), Deutsche Bank, Deutsche Handelsbank, DKB, ING-DiBa, maxblue, MoneYou, TARGOBANK, SWK-Bank und Wüstenrot. IDnow und WebID Solutions konnten schon expandieren. Als beispielsweise die Finanzmarktaufsicht der Schweiz die Rahmenbedingungen für die Fernidentifizierung im März dieses Jahres schuf, war IDnow sofort in der Lage, das für die UBS zu realisieren.