Ausländische Banken machen Revolving-Credit-Cards in Deutschland bekannt. Bei dem Produkt handelt es sich um eine Kombination aus Karte und Rahmenkredit. Da das Revolvingkonto im Soll geführt wird, eignet sich ein solches Angebot in erster Linie für Kunden mit Kreditbedarf.
Revolving-Credit-Cards greifen die ursprüngliche Idee eines Kredits auf und statten eine Karte mit einem flexiblen Rahmenkredit aus. Erweitert durch eine Maestro-, Mastercard- oder VISA-Funktionalität kann die Karte weltweit eingesetzt werden. Das Revolvingkonto wird im Soll geführt. Im Gegensatz zu Kreditkarten mit Teilzahlungsoption ist hier nicht standardmäßig der Einzug des Abrechnungsbetrages per Lastschrift vorgesehen, sondern es wird lediglich mit der Mindestrate von meist fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrages getilgt. Sonderzahlungen sind jedoch jederzeit möglich. Wenn der Karteninhaber keine Sollzinsen zahlen möchte, muss der offene Saldo der Monatsabrechnung innerhalb des Zahlungsziels jeweils manuell überwiesen werden. Ansonsten fallen Sollzinsen ab dem Zeitpunkt des Umsatzes an. Diese sind in ihrer Höhe variabel und werden monatlich belastet.
Für den Kunden ist der zusätzliche Verfügungsrahmen nach der einmaligen Beantragung zunächst mal sehr bequem. Der vereinbarte Verfügungsrahmen steht jederzeit zur Verfügung, zum Teil können sogar Rechnungen davon bezahlt werden. Und oft können attraktive Vergünstigungen wie z. B. Tankrabatte durch die Karte genutzt werden. Wird man jedoch nicht jeden Monat aktiv und gleicht das Kreditkonto aus, werden meist horrende Kreditzinsen berechnet. Ein günstiger Rahmenkredit wäre für den kurzfristigen Kreditbedarf wohl deutlich besser geeignet. Die Bank kann über Revolving-Credit-Cards hohe Erträge generieren, da verwaltungsintensive Kleinkredite auf die Karte verlagert werden und der Kreditzins der Karte - im Gegensatz zum Kreditzins bei Ratenkrediten - nur geringem Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist.
In anderen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien oder Frankreich, ist das Produkt bereits weit verbreitet. Es ist zu erwarten, dass internationale Banken ihre Marktpräsenz im Bereich Revolving-Credit-Cards auch in Deutschland ausbauen werden. Eine starke Stellung hat die spanische Groupo Santander mit mehren Produkten (X-ite Card, CleverCard und SunnyCard der Santander Consumer Bank) auf dem hiesigen Markt eingenommen.
Die "X-ite Card", die ehemals von RBS ausgegeben wurde, ist jetzt bei der Santander Consumer Bank zu finden. Um Neukunden an die Funktionalität der Karte zu gewöhnen, entfallen die Kreditzinsen sechs Monate lang ab Ausstellungsdatum - für Beträge bis EUR 7.000. Die Jahresgebühr beträgt EUR 28,50, sie wird ab einem Jahresumsatz von EUR 5.000 rückvergütet und entfällt im ersten Jahr bei Online-Beantragung. Bei der beitragsfreien "CleverCard" der Santander Consumer Bank werden für Verträge ab 21.1.08 in den ersten sechs Monaten keine Kreditzinsen berechnet. Dies gilt für Beträge bis EUR 2.000. Die CleverCard ist eine Maestro-Karte, getätigte Umsätze sind somit in allen Fällen sofort zinswirksam. Von Santander gibt es noch ein weiteres Angebot: Die "SunnyCard" (MasterCard) ist beitragsfrei, auch hier fallen sechs Monate lang ab Ausstellungsdatum keine Kreditzinsen an. Speziell bei diesem Angebot wird aber für jede Anpassung der Rückzahlungsvereinbarung eine Gebühr von EUR 25,00 belastet.
Ikano Bank bietet die "Rote MasterCard" ebenso ohne jährlichen Kartenpreis an. Das Kartenkonto darf durch Einzahlungen im Guthaben geführt werden. Guthabenteile bis EUR 100.000 werden derzeit sogar mit 2,22% bei Zinsgutschrift zum 31.12. verzinst, wobei nur EUR 50.000 durch die gesetzliche, deutsche Einlagensicherung geschützt sind. Anders als bei anderen Revolving-Credit-Cards wird das Kartenkonto wie ein Girokonto geführt. Ist kein Guthaben vorhanden, das gegengerechnet werden könnte, fallen Kreditzinsen bereits ab dem Datum der Transaktion an - auch wenn die Monatsabrechnung vollständig durch manuelle Überweisung ausgeglichen wird. Auch die Möglichkeit, Bargeld am Geldautomaten abzuheben, sollte nur in Ausnahmefällen genutzt werden, denn die Gebühr ist mit 2,75% (mindestens EUR 4,75) hoch.
Santander Consumer Bank AG, X-ite Card
Santander Consumer Bank AG, CleverCard
Santander Consumer Bank AG, SunnyCard
Ikano Bank GmbH, Rote MasterCard
Die "GenialCard (VISA)" der Hanseatic Bank ist ohne jährlichen Kartenpreis erhältlich. Anfänglich wird ein Verfügungsrahmen von EUR 2.000 gewährt, später ist eine Erhöhung auf maximal EUR 10.000 möglich. Teilzahlungen sind je nach Höhe des in Anspruch genommenen Kredits ab einer monatlichen Rate von EUR 20,00 möglich. Die Führung des Kreditkartenkontos auf Guthabenbasis ist nicht möglich. Für Bargeldabhebungen und Überweisungen werden auch bei monatlichem Ausgleich des Kreditkartenkontos ab dem Zeitpunkt der Auszahlung Zinsen fällig. Interessant ist die Best-Preis Garantie für Waren, die mit der Karte bezahlt wurden. Findet man innerhalb von 60 Tagen die Ware zu einem geringeren Preis, so erhält man unter Berücksichtigung der Versicherungsbedingungen die Differenz erstattet.
Die "VISA Shopping Card" der Postbank ist im ersten Jahr beitragsfrei. In den Folgejahren entfällt das Entgelt, wenn der Einkaufsumsatz des jeweiligen Vorjahres EUR 3.000 übersteigt, ansonsten liegt es bei EUR 9,90 pro Jahr. Über die Teilzahlungsfunktion werden monatlich stets 5,00% des ausstehenden Sollsaldos per Lastschrift eingezogen. Das Kartenkonto kann jedoch auch mit Guthaben befüllt werden, das sogar verzinst wird. Als Versicherungsleistung ist eine Warenschutzversicherung für Einkäufe mit Warenwert ab EUR 50,00 integriert.
Die "UniCreditCard" des Kreditspezialisten UniCredit Family Financing Bank S.p.A. wird über die HypoVereinsbank als bequemer Kartenkredit vermarktet. Der Kreditzins ist jedoch eigentlich indiskutabel. Wahlweise werden monatlich 4,00%, 10,00%, 15,00% oder ein fester Betrag des offenen Sollsaldos per Lastschrift eingezogen. Die Karte ist als Visa oder MasterCard erhältlich. Der Jahrespreis von EUR 15,00 wird rückerstattet, wenn der Umsatz der Hauptkarte im jeweiligen Vertragsjahr mindestens EUR 1.000 beträgt. Sofern ein Abbuchungskonto bei der HypoVereinsbank besteht, beträgt der Jahrespreis im ersten Jahr nur EUR 5,00. Abhebungen an Geldautomaten der HypoVereinsbank sind kostenfrei.
Die Advanzia Bank aus dem luxemburgischen Munsbach bietet die "Gebührenfrei Mastercard Gold" an. Auf den ersten Blick scheint alles gratis. Die Karte wird gebührenfrei zur Verfügung gestellt. Wenn der offene Saldo der Monatsabrechnung nicht bis spätestens 20 Tage nach Erhalt der Rechnung manuell überwiesen wird, berechnet der Anbieter einen einen Effektivzins von 17,90% für getätigte Einkäufe. Bei Bargeldverfügungen sind Zinsen grundsätzlich ab Transaktionsdatum zu zahlen, der Effektivzins beträgt in diesem Fall sogar 25,94%. Auf Guthabenbasis kann das Kreditkartenkonto nicht geführt werden. Hinzu kommt, dass die Rechnungen per E-Mail verschickt werden. Es gibt immer wieder Fälle, dass Spam-Filter die Zustellung der elektronischen Briefe verhindern oder sich bei der Angabe der E-Mail-Adresse Schreibfehler eingeschlichen haben. Die Rechnung kommt dann bei dem Kunden nicht an, folglich wird er mit den horrenden Zinsen und Mahngebühren belastet. Für das Angebot mag sprechen, dass es keine Gebühr für den Einsatz im Ausland und keine zusätzliche Bargeldabhebungsgebühr gibt.
Hanseatic Bank GmbH & Co KG, GenialCard
Deutsche Postbank AG, VISA Shopping Card
HypoVereinsbank, UniCreditCard
Advanzia Bank S. A., Gebührenfrei Mastercard Gold
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