Newsbeitrag vom 30.06.2020

Was der Wirecard-Bilanzskandal für Nutzer von boon.PLANET bedeutet

Der Dax-Konzern Wirecard hat am 25.6.20 Insolvenz angemeldet und angekündigt, auch für die Tochtergesellschaften solche Anträge zu prüfen. boon.PLANET ist ein Smartphone-Girokonto, das von der Wirecard Bank AG betrieben wird. Die Bank ist Tochtergesellschaft, bislang aber nicht Teil des Insolvenzverfahrens. Sie wickelt Kartenzahlungen bei Händlern ab, gibt Kreditkarten für Partnerunternehmen heraus und ist seit vergangenen November mit boon.PLANET selbst im Endkundengeschäft aktiv. Im Februar stattete sie boon.PLANET mit einer Guthabenverzinsung aus, seitdem gelten für Guthabenteile bis EUR 10.000 vergleichsweise sehr hohe 0,75%, auch als Tagesgeldanlage wurde das folglich von Kunden genutzt.

Die deutsche Bankenaufsicht BaFin platzierte in der Bank einen Sonderbeauftragten, um sie zu separieren. Er soll Mittelabflüsse an die insolvente Wirecard und andere Tochtergesellschaften unterbinden. Es gab bislang, abgesehen von eventuell längeren Überweisungslaufzeiten, keine Einschränkungen für die Kunden und die Bank erwartet laut ihrer Stellungnahme vom 26.6.20 auch, dass es zu keinem Ausfall beim Zahlungsverkehr bzw. in den operativen Prozessen kommen werde. Die Entscheidung über ihre Zukunft liegt jetzt aber bei der BaFin. Es könnte sich ein Käufer finden, oder die BaFin könnte sie geordnet abwickeln oder ein Moratorium aussprechen. Was die Wirecard Bank hat, ist durchaus interessant, andererseits ist schon ein großer Kundenschwund zu verzeichnen, was einen Verkauf zunehmend schwieriger macht. Während die Ereignisse bei Wirecard über Tage die Hauptnachrichten bestimmten, haben sich viele Geschäftskunden für die Kartenzahlungen einen neuen Partner gesucht und viele Einleger ihr Geld abgezogen, um keine Risiken einzugehen. Bei einem Moratorium würden alle Konten eingefroren. Danach würde die Einlagensicherung der Privatbanken die Kontrolle über das Institut übernehmen und sie wahrscheinlich in die Insolvenz schicken. Die Kunden der Wirecard Bank entschädigt dann die Sicherungseinrichtung, denn die Einlagen sind durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, eine gesetzliche Einlagensicherung, bis zu EUR 100.000 je Privateinleger geschützt. Zusätzlich ist die Wirecard Bank Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken.

Anders sieht es beim Produkt "boon" aus. boon ist eine virtuelle Prepaid-Kreditkarte, die für Apple Pay, Google Pay oder die Zahlung mit Smartwatches verwendet werden kann. boon ist bei einem britischen Tochterunternehmen von Wirecard angesiedelt, der Wirecard Card Solutions Ltd. Diese verfügt lediglich über eine Lizenz als E-Geld-Institut und kann deshalb keine Einlagensicherung bieten. Das bedeutet, Kunden, die Guthaben dort stehen lassen, setzen sich dem Risiko aus, es gegebenenfalls nicht zurückbekommen. Wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns Wirecard ordnete die zuständige britische Finanzaufsichtsbehörde FCA am 26.6.20 an, die Geschäfte auszusetzen. Nach Gesprächen mit dem Unternehmen, in denen Bedingungen auferlegt wurden, hob die FCA am Abend des 29.6.20 die Beschränkungen auf und die Kunden können ihre Karten wie gewöhnlich wieder einsetzen. Wirecard Card Solutions stehe allerdings weiter unter ihrer Beobachtung.

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