Newsbeitrag vom 25.09.2020

Samsung Pay startet, und das sofort frontal gegen die Banken

Samsung bringt seinen Dienst Samsung Pay und damit eine weitere Option zum Bezahlen per Smartphone nun nach Deutschland. Seit 24.9.20 läuft eine Beta-Phase, in der die App für Samsung Pay bereits mit bestimmten Flaggschiffen des südkoreanischen Smartphone-Produzenten und vorherigem Registrieren installierbar ist. Ab 28.10.20 - dem offiziellen Starttermin - werden weitere aktuelle Samsung-Smartphones unterstützt, Samsungs Smartwatches bis auf Weiteres aber noch nicht. Samsung Pay ist seit 2015 in Südkorea und den USA verfügbar und mittlerweile in rund 20 Ländern. Statt zahlreiche Kooperationen mit verschiedenen Banken einzugehen, worin Apple und Google einen zeitlichen Vorsprung haben, hat Samsung als Nachzügler auf dem hiesigen Markt eine andere Strategie gewählt und sich exklusiv mit der Solarisbank und Visa zusammengetan. Nach dem Registrieren für Samsung Pay wird eine virtuelle Visa-Debitkarte der Solarisbank erstellt, über die sämtliche Zahlungen laufen. Für den Ausgleich der zunächst auf dem Kartenkonto bei der Solarisbank auflaufenden Zahlungen ist ein Girokonto mit deutscher IBAN zu hinterlegen, sodass der Dienst über diesen Weg quasi mit allen deutschen Girokonten nutzbar ist. Die Solarisbank richtet, wenn die Bonität es zulässt, auf dem Kartenkonto ein Limit von maximal EUR 1.000 zu Beginn ein, die einzelnen Beträge zieht sie im Anschluss an jede Zahlung per Lastschrift vom hinterlegten Girokonto des Kunden ein. Bis dieses belastet wird, kann es somit durchaus ein paar Tage dauern. Wenn der Lastschrifteinzug wegen fehlender Deckung oder Rückgabe scheitert, stellt die Solarisbank EUR 1,20 Gebühr in Rechnung. Auch bietet sie generell an, die Zahlungen in einen kurzlaufenden Kredit umzuwandeln, mit einem Sollzinssatz von 12%.

Auf dem verwendeten Android-Betriebssystem ist immer auch Google Pay eine Option für die Nutzer. Google kooperiert in Deutschland mit mehreren Banken, verbündete sich parallel dazu nach einigen Monaten mit PayPal, um an Kartenzahlungen mitzuverdienen und potenziell für jeden nutzbar zu sein. Apple Pay führte in den USA nach einigen Monaten im Schulterschluss mit Goldman Sachs die Apple Card ein, eine für den Gebrauch von Apple Pay entwickelte Kreditkarte, die zudem Belohnungen in Form eines Cashbacks bietet. Dies sind Konstellationen wie die, für die sich jetzt Samsung entschieden hat. Für die Bezahldienste sind sie lukrativ. Der Hausbank des Nutzers wird dabei eine Nebenrolle zugewiesen, an einfachen Lastschriftabbuchungen verdient sie nichts, während die Interchange-Gebühren für den Karteneinsatz die Duos Google/PayPal, Apple/Goldman Sachs und Samsung/Solarisbank einstreichen. Mit der gewählten Konstellation und dem hohen Marktanteil unter den Smartphone-Produzenten hat Samsung definitiv eine Ertragsquelle erschlossen, selbst wenn Samsung Pay nur einen kleinen Teil der Kundschaft überzeugen sollte. Aus Nutzersicht ist unnötigerweise ein weiteres Bankinstitut in die Zahlkette eingebunden. Die eventuellen Vorteile bereits vorhandener Kreditkarten, wie ein enthaltener Versicherungsschutz, eine günstige Währungsumrechnung oder Cashbacks, können nicht genutzt werden. Die virtuelle Visa-Debitkarte der Solarisbank hat keine besonderen Leistungen. Mit dem Zwischenschalten ist es notwendig, ein Bankkonto zu eröffnen, wobei man im einfachen Registrierungsprozess kaum wahrnimmt, das eines beantragt wird. Um den angehenden Kontoinhaber zu identifizieren, findet normalerweise ein PostIdent oder ein VideoIdent statt. Im Falle der Solarisbank wird dies in einer abgeleiteten Form gleichzeitig mit dem Verknüpfen des Girokontos erledigt. Die Nutzer geben die IBAN ihres Girokontos an, in das sie sich zum Verifizieren ins Online-Banking einloggen und eine Überweisung von fünf Cent anstoßen sollen (die wieder zurückgebucht wird). Die Überweisung bestätigt der Solarisbank die Identität, weil sie bereits von der Hausbank zu prüfen war. Gemeinschaftskonten können nicht hinterlegt werden, und es muss sich um einen volljährigen Kontoinhaber mit einer Adresse in Deutschland handeln. Im Zuge des Registrierungsprozesses wird die Schufa abgefragt und ihr werden die ausgestellte Kreditkarte und der Kreditrahmen gemeldet, Schufa-Einträge für einen so simplen Dienst mit Lastschriftfunktion will nicht jeder in Kauf nehmen. Unmittelbar nach dem Durchlaufen des Prozesses kann man mit dem Bezahlen per Smartphone loslegen. Es geht im In- und Ausland, überall dort wo kontaktlos mit Visa zahlen möglich ist. Im Ausland fällt zwar kein Auslandsentgelt mit der virtuellen Visa-Debitkarte an, bei der Währungsumrechnung werden die von Visa gestellten Wechselkurse angewandt, aber mit einem zusätzlichen Aufschlag von 0,50% bzw. außerhalb der Arbeitszeiten des betreffenden Devisenmarktes sogar mit bis zu 1,00%. Beim Bezahlvorgang an sich ist gegenüber Apple Pay und Google Pay eine Bewegung mehr notwendig: Zum Bezahlen mit Apple Pay und Google Pay muss man lediglich das Gerät entsperren und an das NFC-Terminal halten. Mit Samsung Pay wischen die Nutzer auf dem Sperrbildschirm einmal von unten in die Mitte des Bildschirms (Swipe-up), was die App öffnet, danach verifizieren sie sich per PIN, Fingerabdruck oder Iris-Scan.

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