Newsbeitrag vom 03.11.2020

comdirect rechtlich in Commerzbank integriert

Die comdirect, eine der etabliertesten Direktbanken, ist am 2.11.20 auf der Commerzbank AG verschmolzen worden, bekundet durch Handelsregistereintrag. Damit endeten 26 Jahre unter eigener Rechtspersönlichkeit (zuerst als GmbH, dann als AG) und auch die Notierung an der Börse. Die Aktien der verbliebenen comdirect-Minderheitsaktionäre würden in den kommenden Tagen gegen Barabfindung übertragen, und das neue gemeinsame Geschäftsmodell müsse noch beschlossen und mit den Arbeitnehmergremien verhandelt werden, erklärte die Commerzbank. Vorerst ändere sich nichts an den jeweiligen Leistungen, Konditionen, Kontonummern und Karten. Die comdirect-Kunden sollen weiterhin die Kontaktmöglichkeiten der comdirect nutzen und die Commerzbank-Kunden weiterhin die der Commerzbank. Es sind getrennt voneinander aufgesetzte Computersysteme und gegenseitiger Zugriff auf Kundendaten sei noch nicht möglich. Der Filialservice ist mit Ausnahme des Bargeldein- und -auszahlens weiterhin nur für Commerzbank-Kunden bestimmt. comdirect und auch deren zugekaufte Brokerage-Tochter onvista bank treten nun als Marken der Commerzbank auf. Die Commerzbank ist neuer Vertragspartner der Kunden. Bei der Einlagensicherung sind dieselben Sicherungssysteme wie vor der Verschmelzung zuständig, nur dass sie sich jetzt auf die Commerzbank beziehen.

Die Commerzbank will sich im Privatkundengeschäft mit comdirect neu aufstellen, digital weiterentwickeln ist ein wesentliches Ziel dabei. Wie stark die Marke comdirect künftig genutzt wird, welche Produkte sie anbietet, wird sich nach und nach zeigen. Vor allem im Wertpapiergeschäft soll die Marke comdirect bestehen bleiben. Der interne Plan zur vollständigen Integration sieht dem Vernehmen nach vor, den Zielzustand bis 2023 zu erreichen. Es wird ein differenziertes Produktangebot geben, denn es ist eine schwierige Aufgabe, zugleich sowohl die traditionellen Filialkunden als auch die Direktbankkunden, die digitale Lösungen auf Höhe der Zeit sogar erwarten, beglücken zu wollen.

Im September 2019 hatte Martin Zielke, damaliger Commerzbank-Vorstandschef, die Marschrichtung vorgegeben, alleiniger Eigner der comdirect zu werden, um sie danach zu integrieren. Denn angesichts der Digitalisierung würden sich die beiden Geschäftsmodelle immer stärker gleichen und ein Zusammenführen Kosten sparen, weil Doppelfunktionen wegfallen. Die für das Herausdrängen der Minderheitsaktionäre notwendige Aktienmehrheit von mehr als 90 Prozent erreichte die Commerzbank im zweiten Anlauf, da sie sich separat mit dem institutionellen Anleger Petrus Advisers einigte und dessen Aktienpaket erwarb. Auf der Hauptversammlung im Mai 2020 folgte die Zustimmung für das Herausdrängen. Im Juli erklärte Zielke dann nach einem heftigen Streit um die Strategie seinen Rücktritt. Die Überlegungen zur comdirect sind daher sicherlich noch nicht bis ins letzte Detail final. Zudem hat sich ihre Position in der von Corona geprägten Zeit verbessert und die Erträge stiegen stark durch mehr Wertpapierhandel. Auf der anderen Seite ist das große Filialnetz, an dem die Commerzbank lange festhielt, aus Kosten-Nutzen-Sicht wohl nicht mehr zu rechtfertigen, sodass es weiter ausgedünnt werden muss.

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