Newsbeitrag vom 23.12.2020

Fidor Bank in zwei Teilen verkauft

Die Fidor Bank, vor einem Jahrzehnt ein ambitionierter Herausforderer und in den letzten vier Jahren in der Obhut der französischen Bankengruppe BPCE, wird aufgespalten und an zwei unterschiedliche Bieter verkauft. Der US-Finanzinvestor Ripplewood Advisors übernimmt die Bank, vermutlich zu einem symbolischen Preis. Das Filetstück, die Techniktochter Fidor Solutions - sie stellt ähnlich wie die Solarisbank für andere Banken und Fintechs Softwarelösungen bereit - geht an die Management- und Technologieberatungsfirma Sopra Steria aus Frankreich. Am 18.12.20 seien die Verträge unterzeichnet worden, berichtet das Handelsblatt und beruft sich hierbei auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die beteiligten Unternehmen äußerten sich zum Vertragsabschluss nicht. Allerdings hatte die BPCE schon im vergangenen August in drei dezenten Sätzen mitgeteilt, in exklusiven Verkaufsgesprächen mit Ripplewood zu sein, und dass sie damit rechne, die Transaktion im ersten Halbjahr 2021 abschließen zu können, sofern die Regulierer zustimmen. Zu Fidor Solutions informierte die Fidor Bank im November über die Aufnahme von Verkaufsverhandlungen mit Sopra Steria, die Transaktion erfolge im Rahmen des angekündigten Verkaufs der Bank an Ripplewood.

Welche Pläne Ripplewood mit der Bank verfolgt, ist nicht bekannt. Der Finanzinvestor ist auf die Übernahme von kriselnden Unternehmen spezialisiert und hält Beteiligungen in den Branchen Auto, Telefon und Industrie. Möglicherweise hat Ripplewood es nur auf den Bankmantel abgesehen, die Banklizenz. Sopra Steria hat in Deutschland im vergangenen Jahr bereits einen 51-Prozent-Anteil an einem IT-Dienstleister erworben, ihn betreiben sie gemeinsam mit sieben der elf Sparda-Banken; für die beteiligten Banken und perspektivisch für weitere Banken entwickelt er die Banking-Anwendungen.

Als die BPCE, entstanden aus der Fusion der französischen Volksbanken und Sparkassen, die Fidor Bank im Sommer 2016 erwarb, galt diese als innovationsfreudige Bank, die mit ihren Kunden und Interessenten auf der bankeigenen Community-Plattform und über die sozialen Medien interagiert. Bald stellte sich allerdings heraus, dass die Gebrauchtwagenfinanzierungen in Großbritannien, die sie in den Jahren 2013 bis 2016 von einem britischen Unternehmen zum Aufbau eines Kreditgeschäfts ankaufte, ein größeres Problem darstellen als ursprünglich angenommen. Die Franzosen bewahrten die Bank mit Rekapitalisierungen vor der Insolvenz, wussten mit ihr innerhalb der Gruppe jedoch nie richtig etwas anzufangen, gewiss zu einem Teil auch wegen der grundverschiedenen Unternehmenskulturen. Im Herbst 2018 stellte die BPCE die Fidor Bank zum Verkauf, die Suche nach einem Käufer sollte noch lange erfolglos bleiben. Im März 2019 trennte sie sich wegen "strategischer Differenzen" von Matthias Kröner, Gründer und Kopf der Bank. Nach einer wesentlichen Preis- und Leistungsänderung beim Girokonto zum November 2019, der Abkehr vom Mitentscheiden der Community und dem Verlagern des Fokus auf die Techniktochter verlor die Bank auch viele ihrer treuesten Kunden. Danach tat sich nach außen nicht mehr viel.

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