Newsbeitrag vom 24.02.2021

Wertpapier-Investments bei Vivid Money sind Derivate

Investieren

Text auf der Produktseite von Vivid Money. In Aktien und ETFs wird tatsächlich jedoch nur indirekt investiert, außerbörslich.

Vivid Money erweiterte sein Smartphone-Girokonto am 23.2.21 um eine Funktion zum Investieren. Über das Hinzufügen eines entsprechenden Unterkontos ("Investment Pocket") lässt es sich einrichten, wobei diese Auswahlmöglichkeit noch nicht allen Kunden in der App zur Verfügung steht. Auf der Produktseite ist die Funktionsweise lässig und dabei missverständlich beschrieben: "Mach mehr aus deinem Geld, und investiere in deine Lieblingsunternehmen aus über 1.000 Aktien und ETFs. Wähle in unserem Katalog aus bekannten Top-Namen und aufstrebenden Stars wie Tesla, Apple, Netflix und mehr." Der Nutzer zahle absolut keine Provision auf Aktien und ETFs. Nur bei einem Währungstausch werde ein geringer Aufschlag von 0,50% auf den Wechselkurs erhoben. Es wirkt zunächst wie ein weiteres Angebot zum Handeln von Aktien und ETFs ohne direktes Orderentgelt, aber Achtung, es ist etwas ganz anderes als das, was Low-Cost-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital anbieten. Denn über Vivid Money handelt der Kunde gar nicht mit echten Aktien oder ETFs, und auch nicht über einen regulierten Börsenplatz. Er handelt Derivatekontrakte, direkt mit dem Emittenten!

Vivid Money gründete für das Angebot eine Tochtergesellschaft, die Vivid Invest GmbH. Vivid Invest ist in diesem Fall Anlagevermittler für die Münchener CM-Equity AG, über die jeder Kauf und jeder Verkauf erfolgt, sie ist die Gegenpartei für den handelnden Kunden. Im FAQ-Bereich finden sich die klareren Auskünfte. Es wird kein herkömmliches Depot eröffnet, sondern lediglich ein Vertrag mit CM-Equity geschlossen. Die gehandelten Derivatekontrakte sind Fractional Shares (Teilanteile) ohne Hebel. Sie sollen die Wertentwicklung des jeweiligen Basiswerts abbilden. Es besteht kein Miteigentum am Basiswert, es bestehen keine Stimmrechte oder ähnliche Rechte, die Aktionäre hätten. Dividendenzahlungen der Unternehmen werden jedoch ausgeglichen. Bei Aufruf der Kursinformation zum jeweiligen Derivat in der App wird während der Börsenzeiten fortlaufend ein aktueller Marktpreis genannt, darunter ein Kauf- und ein Verkaufskurs. Der Unterschied der beiden letztgenannten Kurse macht indirekte Kosten erkenntlich. Die Fractional Shares können nur an CM-Equity zurückverkauft werden. Sie können nicht auf ein anderes Depot bei einem Anbieter übertragen werden. Und um das Versteuern der Kapitalerträge muss sich der Kunde selbst kümmern.

Dass Bruchstücke ab einem Cent handelbar sind, ist ein Vorteil, der in den Texten mehrfach herausgestellt wird, aber auch der Erwerb der ganzen Aktien-/ETF-Anteile wird mittels Derivat dargestellt. Derivate sind risikoreiche und komplexe Finanzinstrumente, das schreibt auch Vivid Money in einem PDF zu den Bedingungen. Es bestehen diverse Risiken, unter anderem das sogenannte Kontrahentenrisiko, dass CM-Equity seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Kunden nicht nachkommen kann. Für Leute, die erstmals in Wertpapiere anlegen möchten, sind das keine passenden Produkte. Die Aufmachung von Vivid Money spricht aber mitunter gerade diese an. Mit seinem Cashback-System hat Vivid Money seine Kunden bereits seit dem Launch im Juni 2020 an eine spielerische Art von Aktienhandel herangeführt. Laut den Angaben hat Vivid Money mittlerweile über 100.000 Kunden in Deutschland, Frankreich und Spanien.

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