Newsbeitrag vom 25.03.2021

RaboDirect steht vor dem Rückzug

Information über Rückzugspläne

Homepage der RaboDirect in Deutschland. Die zwischen Zinssätzen und der Initiative gegen Lebensmittelverschwendung verlinkten Neuigkeiten sind gewichtiger als es scheint.

Die Rabobank überlege, ihr in Deutschland und Belgien unter der Marke RaboDirect betriebenes Direktbankgeschäft zu verkaufen oder zu schließen. Das Firmenkundengeschäft, es richtet sich in erster Linie an Unternehmen aus der Lebensmittel- und Agrarindustrie, ist nicht von den Rückzugsplänen betroffen. Auf der DE-Homepage von RaboDirect führt ein Klick auf den unscheinbaren Hinweis mit dem Titel "Neues von der Rabobank Gruppe" auf die entsprechende Information. Darin heißt es weiter: "Wir befinden uns derzeit in Verhandlungen mit den ArbeitnehmervertreterInnen und streben eine zeitnahe Einigung an. Die Rabobank wird alles daran setzen, gemeinsam mit den ArbeitnehmervertreterInnen faire und sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen ArbeitnehmerInnen zu finden. Diese Aktivitäten haben derzeit keinerlei Auswirkung auf unsere Kunden – all unsere Serviceleistungen können aktuell wie gewohnt genutzt werden." Die Homepage des belgischen Internetauftritts verlinkt auf eine inhaltlich gleichkommende Information, wobei hier nicht von überlegt einzustellen die Rede ist, sondern von beabsichtigt. Angaben zu den Gründen gehen nicht daraus hervor. Anzunehmen ist, dass wegen der allgemein überschüssigen Liquidität der Rabobank nicht noch zusätzliche Spareinlagen in benachbarten Ländern mit ähnlicher Zinssituation hereinholen möchte.

Die Rabobank ist eine niederländische Genossenschaftsbank mit Sitz in Utrecht. Auf dem deutschen Markt ist sie mit RaboDirect seit Juni 2012. Sie unterhält eine Zweigniederlassung in Frankfurt am Main. In den früheren TV-Spots von RaboDirect war ein schnauzbärtiger Niederländer in humorvollen Situationen zu sehen. In den Werbekampagnen der letzten Jahre wurden eher Initiativen für ressourcenschonende Projekte und Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung kommuniziert. RaboDirect hat ausschließlich Einlagekonten - in Deutschland ein Tagesgeld derzeit mit 0,10% verzinst und zwei Kündigungsgelder, "RaboSpar30" mit 0,15% und "RaboSpar90" mit 0,20%. Charakteristisch für RaboDirect ist das Freigabeverfahren mit dem Digipass, einem eTAN-Generator, den jeder Kunde am Anfang der Kundenbeziehung bekommt. Festgelder werden schon seit einigen Monaten nicht mehr angeboten. Im Moment werde sich für die Kunden nichts ändern. Man wolle in aller Transparenz informieren, auch wenn für die nächste Zeit keine Neuigkeiten zu erwarten sind. Das Einlagengeschäft von RaboDirect wird ansonsten noch in Australien und Neuseeland betrieben. Insgesamt hatte RaboDirect Ende 2020 laut der Angabe im Geschäftsbericht 685.000 Kunden. In Irland ist RaboDirect im März 2018 eingestellt worden, die verbliebenen Konten wurden damals geschlossen.

Lange Zeit war der Einlagenmarkt im deutschsprachigen Raum wegen seiner Größe für Banken aus den Niederlanden überaus interessant. Jetzt ist ein gegenläufiger Trend auszumachen: ABN Amro hat ihre Marke Moneyou bereits im Jahr 2020 in Deutschland dichtgemacht und im Jahr davor in Österreich. Und auch ING will das österreichische Privatkundengeschäft am liebsten veräußern, ansonsten bis Jahresende schließen, obwohl sie dort gemessen an der Kundenzahl die zweitgrößte Direktbank sind.

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