Newsbeitrag vom 14.11.2022

Fidor Bank wird vom Markt genommen

Die französische Eignerin, die Bankengruppe BPCE, will die Fidor Bank bis Mitte 2024 auflösen. Darüber berichtete Finanz-Szene. Das Neugeschäft werde demnach bald eingestellt und Bestandskunden werden voraussichtlich im ersten Quartal 2023 die Kündigung erhalten. Rund 100 Mitarbeiter sind von dem Aus betroffen. Das kommt nicht überraschend, die BPCE versuchte Fidor schon seit Langem irgendwie loszuwerden; und um die Fidor Bank war es still geworden, das Preis- und Leistungsverzeichnis beispielsweise ist zum letzten Mal im Dezember 2019 aktualisiert worden.

Eigentlich hätte Fidor verkauft sein sollen, hatte BPCE doch im Jahr 2020 den Verkauf in zwei Teilen avisiert. Wie sich herausstellte, kam es betreffend des eigentlichen Bankgeschäfts, das der US-Finanzinvestor Ripplewood übernehmen wollte, jedoch nicht zur abschließenden Transaktion. Ripplewood hielt die Franzosen hin und sprang letztlich ab. Nur die abgespaltete IT-Sparte Fidor Solutions konnte tatsächlich veräußert werden, an den französischen Konzern Sopra Steria. Bis zuletzt war BPCE bemüht, noch einen Käufer für die Bank zu finden. Weil das erfolglos blieb, folgt nun ein Liquidieren der Vermögenswerte. Den Schilderungen von etlichen Kunden auf Bewertungsportalen zufolge muss es schon im Oktober zu einer ersten Welle von Kontokündigungen gekommen sein, bei der beanspruchte Dispokredite per sofort fällig gestellt wurden.

Die Fidor Bank war vor einem Jahrzehnt ein ambitionierter Herausforderer etablierter Banken – bereitete sozusagen den Weg für heutige Fintechs im Spektrum von N26 bis Solaris. Damals war sie als Community-Bank konzipiert, Kunden und Interessenten sollten mitentscheiden können. Kopf und Gründer der Bank war Matthias Kröner, bis März 2019 ihr Vorstand. Zentrales Produkt das "Smart Girokonto" - wie bei heutigen Ansätzen eine digitale Plattform, deren großer Funktionsumfang zu weiten Teilen über Kooperationen realisiert wurde. BPCE hatte die Fidor im Jahr 2016 für rund 100 Millionen Euro übernommen. Seitdem musste BPCE kumulierte Verluste von mehreren hundert Millionen hinnehmen. Gleich zu Beginn sorgten die unerwartet hohen Ausfälle im Großbritannien-Abenteuer, einem Ankauf von fremden Gebrauchtwagenfinanzierungen, für eine heftige Schieflage. Und operativ lief es auch stets defizitär. Die ursprünglich angedachte Strategie, Fidor zu einer europäischen Digitalbank auszubauen, oder in einer anderen Weise weiterzuentwickeln, wurde nie wirklich angegangen.