Newsbeitrag vom 06.01.2023

Trade Republic setzt mit Guthabenverzinsung weiteres Alleinstellungsmerkmal

Der Neobroker Trade Republic führte am 4.1.23 eine Verzinsung für das nicht in Wertpapiere angelegte Guthaben ein. Und der Zinssatz ist mit derzeit 2,00% auf Guthabenteile bis EUR 50.000 so hoch, dass er reine Zinsanleger anziehen und bei Trade Republic für weiteres Wachstum sorgen dürfte. Er gilt für Bestands- und Neukunden, ist zeitlich nicht befristet, die Höhe kann gemäß den AGB nach billigem Ermessen aber auch jederzeit von Trade Republic geändert werden. Guthabenteile oberhalb von EUR 50.000 werden nicht verzinst. Die anteiligen Zinsen werden monatlich gutgeschrieben. Bestandskunden erhalten eine Verzinsung erst, wenn sie die neuen AGB akzeptieren. Der Weg dazu ist, die App zu öffnen und in der Portfolio-Ansicht auf "Verdiene 2% p. a. Zinsen" zu tippen. Möglicherweise muss die App aktualisiert werden, um das angezeigt zu bekommen. Neukunden müssen die Verzinsung nicht explizit aktivieren, und sie können bei Depoteröffnung auch von der derzeitigen Aktion mit Gratisaktie profitieren, bei der Bedingungen wie unter anderem zwei Trades binnen 21 Tagen zu erfüllen sind.

Der Charme an der Sache bei Trade Republic ist, dass diejenigen, die in Wertpapiere investieren, so nun auch in der Zeit eine ansprechende Verzinsung bekommen, in der sie auf günstige Einstiegskurse warten. Sie erhalten die Verzinsung direkt auf ihre Liquidität, die sie für den Wertpapierhandel vorhalten, ohne umbuchen zu müssen. Das bietet so kein anderer Online-Broker oder Neobroker in Deutschland, die meisten zahlen gar keine Zinsen. Daher ist es wieder etwas - nachdem einige Neobroker ihr Leistungsangebot im Handel von Aktien und ETFs ausgebaut haben und dort durchaus sogar stärker sind - mit dem Trade Republic sich hervortut, wie zuletzt auch mit dem Handel von echten Bruchteilen.

Einen Makel hat es: Die Kunden haben für das Guthaben kein Konto, das auf ihren Namen lautet. Stattdessen unterhält Trade Republic ungewöhnlicherweise für alle nicht angelegten Kundengelder Treuhandsammelkonten bei drei Bankpartnern. Die Kunden zahlen über eine ihnen zugeteilte individuelle virtuelle IBAN ein, sodass die Umsätze zugeordnet und die Salden der einzelnen Kunden von Trade Republic buchhalterisch ermittelt und ausgewiesen werden können. Trade Republic hat ein Treuhandsammelkonto bei Solaris und Deutsche Bank in Deutschland und bei der Citibank in Irland. Der Geschäftspartner für die Partnerbank ist Trade Republic, nicht der einzelne Kunde. Die Kunden teilt Trade Republic auf die Partnerbanken auf. Das Kontoguthaben ist bei der jeweiligen Bank durch eine gesetzliche Entschädigungseinrichtung nach EU-Recht geschützt, bei der irischen Citibank entsprechend von der irischen Einlagensicherung. Die Formulierungen von Trade Republic lassen stets darauf schließen, dass betraglich trotz der Sammelkonto-Konstruktion EUR 100.000 je Trade-Republic-Kunde gesichert seien. Die Rechtsposition der Kunden ist jedoch mit der Unsicherheit behaftet, dass letztlich doch nur insgesamt EUR 100.000 greifen könnten. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken bestätigte uns auf unsere Anfrage auch nur im Grundsatz (nicht konkret zu Trade Republic), dass ihre Sicherung bei Treuhandkonten in der Sicherungshöhe auf den einzelnen Einleger abstellt, jedoch müsse die konkrete Ausgestaltung des Treuhandsammelkontos ihren Vorgaben entsprechen und sowohl der Treuhandcharakter als auch die einzelnen Einleger eindeutig bezeichnet sein. Ob das bei Trade Republic so ausgestaltet ist, lässt sich für Außenstehende nicht beurteilen. Und Trade Republic sichert sich selbst gegenüber den Kunden ab; in der Kundenvereinbarung, die man im Antragsprozess vorgelegt bekommt, heißt es: "[…] Der Kunde trägt damit im Ergebnis das Insolvenzrisiko der das Treuhandsammelkonto führenden Treuhandbank, soweit Trade Republic in der Insolvenz der Treuhandbank den Anspruch auf Auszahlung des Kundenguthabens weder gegenüber der Einlagensicherung der Treuhandbank noch gegenüber dem Insolvenzverwalter der Treuhandbank im Rahmen des Insolvenzverfahrens realisieren kann." Update: Gleichfalls wurde Mitte Januar auf Bitte der Citibank ein Hinweis ergänzt unter "Wie ist mein Geld abgesichert?", mit dessen letztem Satz wiederum die Citibank alle Verantwortung von sich weist: "[…] Da Trade Republic die Citibank Europe plc (CEP) darüber informiert hat, dass die CEP die Gelder auf dem Konto im Namen der Trade-Republic-Kunden hält, wird die CEP das Konto in ihren Unterlagen als "Begünstigtenkonto" kennzeichnen. Sollte der Fall der Einlagensicherung eintreten, wäre es Sache der irischen Zentralbank (Central Bank of Ireland), zu prüfen, welche der Begünstigten für den Schutz in Frage kommen."

Für die Kunden mit Wohnsitz in Deutschland wird die Kapitalertragssteuer automatisch abgeführt bzw. wenn möglich werden die Zinserträge mit einem vorhandenen Freistellungsauftrag verrechnet, dies gelte laut Auskunft des Kundensupports von Trade Republic auch wenn man dem Treuhandsammelkonto bei der irischen Citibank zugeordnet ist. Ebenso findet kein Quellensteuerabzug in Irland statt. Das erklärt sich insofern, dass Trade Republic eine Verzinsung von der Partnerbank als Zuwendung erhält, in der Kundenvereinbarung verzichtet der Kunde auf diese. Stattdessen erhält er die Verzinsung durch Trade Republic nach billigem Ermessen.

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