Newsbeitrag vom 10.02.2024

Vivid Money wagt mit E-Geld-Lizenz die Eigenständigkeit

Geschäftsbedingungen Vivid Money

Die Geschäftsbedingungen, jeweils separat aufgeführt für die Konten bei der luxemburger Unternehmenseinheit von Vivid und für die Konten bei Solaris.

Ende Januar hat Vivid Money weitestgehend unbemerkt damit begonnen, neue Kunden in einem eigenen System unter eigener Lizenz aufzunehmen, nicht mehr in Zusammenarbeit mit Solaris als Bankpartner. Es ist ein Wendepunkt in der bislang 3 ½-jährigen Geschichte von Vivid Money. Die Lizenz, die Vivid in Zukunft nutzen möchte, ist keine Banklizenz, sondern nur eine Lizenz als E-Geld-Institut. Mit dieser Änderung mussten zwangsläufig auch die Informationen auf der Website von Vivid überarbeitet werden, denn von Bankdienstleistungen kann jetzt nicht mehr gesprochen werden. Auf der Website sind nun zum einen die rechtlichen Dokumente wie Geschäftsbedingungen und Gebührenaufstellungen für Konten zu finden, die im eigenen System geführt werden, und zum anderen die mit Kontoführung bei Solaris. Auf der Homepage und in den FAQ sind die Texte fast ausschließlich auf die neue Konstellation zugeschnitten, so schreibt Vivid auf der Homepage: "Alle unsere Dienstleistungen werden von uns erbracht, ohne Beteiligung Dritter. Konten, Karten und Zahlungsdienste werden von Vivid Money S. A., Teil der Vivid Money Gruppe, einem von der Commission de Surveillance du Secteur Financier in Luxemburg zugelassenen und regulierten Finanzinstitut, angeboten." Und weiter, was die als "Interest-Rate"-Pockets bewusst missverständlich beworbenen Geldmarktfonds-Investments betrifft: "Zinskonten werden von Vivid Money BV (Teil der Vivid Money Gruppe) angeboten, einem von der niederländischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (AFM) zugelassenen Investmentunternehmen."

Vivid hatte am 10.1.24 die Übernahme eines luxemburgischen Fintech-Unternehmens, des Bezahldienstes Joompay, bekanntgegeben. Die Technologieplattform und die Infrastruktur von Joompay werde die Grundlage für zukünftige Produkte bilden, hieß es in der damaligen Mitteilung. Joompay wurde in Vivid Money S. A. umfirmiert und in die Unternehmensgruppe integriert. So gelangte Vivid zur E-Geld-Lizenz.

Der Status als E-Geld-Institut ist mit Einschränkungen verbunden. Im Gegensatz zu einer Vollbank dürfen E-Geld-Institute keine Einlagen im klassischen Sinne verwahren und keine Kredite vergeben. Ein wesentlicher Nachteil für Kunden ist, dass ihre Kontoguthaben nicht durch eine Einlagensicherung geschützt sind. Aus Kundensicht ist es deshalb ein Rückschritt, von einem vollwertigen Girokonto zu einem E-Geld-Konto, auf dem man besser keine größeren Beträge parken sollte.

Für den Banking-as-a-Service-Anbieter Solaris war Vivid eines der kundenstärksten Mandate. Mittelfristig wird es wohl auseinandergehen. Einen festen Zeitplan für die Migration der Bestandskunden gibt es noch nicht. Vivid wird in den nächsten Monaten erst mal schauen wollen, wie es anläuft. Mit der Abkehr von Solaris will Vivid die Kosten pro Kunde senken, auch wenn es wahrscheinlich ist, viele Kunden dabei zu verlieren. Mit der E-Geld-Lizenz plant Vivid, via Passporting in der gesamten Europäischen Union anzubieten – diese Ausdehnung könnte die Kundenzahl stabilisieren. Bisher bedient Vivid mit Solaris neben Deutschland nur Spanien, Frankreich und Italien. Für die Expansion in diese Länder hatte Solaris Niederlassungen vor Ort aufgebaut und lokale IBANs ermöglicht.

Am 23.1.24 hat Vivid sein Kontoangebot über die luxemburger Unternehmenseinheit schon auf Geschäftskunden ausgedehnt. Die privaten Kontenmodelle "Standard" und "Prime" sind in der Ausgestaltung der Konditionen nahezu identisch zu denen in der Zusammenarbeit mit Solaris. Auch unter dem eigenen Setup ist die Unterstützung von Apple Pay und Google Pay gegeben. Die Möglichkeit zur Bargeldeinzahlung via Barzahlen.de/viacash jedoch nicht, denn die Anbindung an das Kassennetz von Barzahlen.de/viacash lief über Solaris. Die Konten können nur auf Guthabenbasis geführt werden, eine Überziehungsmöglichkeit kann nicht mehr eingeräumt werden.