Newsbeitrag vom 05.07.2024

BAWAG kauft sich via Barclays im deutschen Kreditkartenmarkt ein

Die BAWAG Group, eine österreichische Bankengruppe, hat den Zuschlag für das deutsche Privatkundengeschäft von Barclays erhalten. Am 4.7.24 verkündete sie die Unterzeichnung des Kaufvertrags. Die Barclays in Hamburg, um die es geht, ist seit mehr als drei Jahrzehnten aktiv und der führende Kreditkartenanbieter in Deutschland. Früher war sie unter dem Namen "Barclaycard" bekannt. Im Zuge des Brexits wurde sie zur "Barclays Consumer Bank Europe" und als EU-Zweigstelle der irischen Unternehmenseinheit zugeordnet, die wiederum der britischen Großbank untersteht. Die Transaktion unterliegt den üblichen aufsichtsrechtlichen Genehmigungen und soll im vierten Quartal 2024 oder im ersten Quartal 2025 abgeschlossen werden. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben; es wird wahrscheinlich auch keinen exakten Preis geben, er wird von bestimmten Leistungskennzahlen zum Zeitpunkt des Abschlusses abhängen. Die BAWAG erwähnte in ihrer Mitteilung lediglich, dass sie "alle Verbindlichkeiten und Vermögenswerte" übernehmen werde.

Die Expansion der in Wien ansässigen BAWAG geht damit weiter, auf dem deutschen Markt ist es für sie ein erheblicher Wachstumsschub. Vor allem im Kreditkartengeschäft wird sie damit zu einem gewichtigen Akteur. In Österreich ist sie das bereits, da sie hinter dem Kartenanbieter Paylife steht, der zusammen mit CardComplete ein Duopol innehat. Die deutsche Barclays hat rund zwei Millionen Kunden und etwa 700 Mitarbeiter. Sie bietet neben Kreditkarten auch Ratenkredite, die Ratenkauf-Finanzierungen über Amazon und ein Tagesgeldkonto an. Das passt auch gut zur BAWAG, die seit 2018 mit der Marke "Qlick" versucht, im deutschen Markt für Online-Ratenkredite Fuß zu fassen. BAWAG-Generaldirektor Anas Abuzaakouk äußerte sich so: "Wir freuen uns darauf, das Team von Barclays in Hamburg willkommen zu heißen und auf dem starken Fundament aufzubauen, das sie geschaffen haben."

Die Übernahme reiht sich in eine Serie von Zukäufen der BAWAG in der DACH/NL-Region ein, die sie als ihren Kernmarkt betrachtet. In den vergangenen Jahren hat sie dort mehrere getätigt, darunter die Südwestbank aus Stuttgart (2017) und die Hello bank Österreich (2021). Die Hello bank galt als größter Online-Broker des Landes, das Brokerage wurde der BAWAG-Direktbankenmarke easybank zuteil. Erst im Februar dieses Jahres vereinbarte die BAWAG den Erwerb der niederländischen Online-Bank Knab. Und im vergangenen November erwarb sie auch noch in den USA eine kleinere landesweit operierende Bank.

Barclays hatte im Juli 2023 angekündigt, die Optionen für ihr europäisches Privatkundengeschäft zu sondieren, einschließlich eines Verkaufs. Damit hatte sie das Interesse mehrerer potenzieller Käufer geweckt. Neben der BAWAG sollen auch Finanzinvestoren wie Centerbridge und Warburg Pincus sowie andere Banken interessiert gewesen sein. Dass sich die BAWAG durchsetzen konnte, wird in Finanzkreisen auf die Bereitschaft zurückgeführt, einen vergleichsweise hohen Preis zu zahlen – trotz der allgemeinen Herausforderungen im europäischen Kreditkartenmarkt, wie einer rückläufigen Anzahl ausgegebener Karten und der gedeckelten Gebühr für Zahlungen. Die britische Großbank zieht sich hier zurück, um sich stärker auf ihr Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking zu konzentrieren. Francesco Ceccato, Chef von Barclays Europe, erklärte, der Verkauf passe zur Strategie, die Bank zu vereinfachen.

Die BAWAG hat den Ruf eines kostenbewussten Instituts. Die ehemalige Gewerkschaftsbank durchlief nach der Finanzkrise 2008 eine Sanierung unter der Führung des US-Finanzinvestors Cerberus. In dieser Zeit wurden nicht nur viele Beteiligungen abgestoßen, sondern auch der Rotstift rigoros angesetzt. Diese Methode zeigte sich auch bei früheren Übernahmen wie der Südwestbank, wo ein massiver Stellenabbau folgte. Auch nach dem Börsengang und dem Ausstieg von Cerberus blieb die Kostenkontrolle zentral. Bei der aktuellen Barclays-Übernahme könnte es dagegen primär um Wachstum gehen. Dennoch ist zu erwarten, dass die BAWAG auch hier nach Effizienzsteigerungen suchen wird. Für die Kunden dürfte sich in den Monaten bis zum Abschluss der Transaktion wenig ändern, danach wird eine Markenänderung anstehen.