Newsbeitrag vom 27.02.2025

Neues Postbank-Girokontomodell: Kostenlos über Werbeflut

Die Postbank hat am 24.2.25 das digitale "Giro pur" auf den Markt gebracht, mit dem sie vor allem jüngere Kunden gewinnen will. Das ebenfalls online-geführte "Giro direkt" steht seitdem für Neuabschlüsse nicht mehr zur Verfügung. Das Giro pur ist ohne Grundpreis, wenn pro Monat mindestens EUR 900,00 eingehen, andernfalls kostet es EUR 5,90. Der Mindestgeldeingang muss von extern kommen; Überweisungen innerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns werden nicht berücksichtigt. Zum Vergleich: Das alte "Giro direkt" hatte unabhängig vom Geldeingang eine pauschale Gebühr von EUR 1,90 pro Monat. Schüler, Auszubildende, Studenten und Freiwilligendienstleistende sind bei Nachweis bis zum Alter von einschließlich 30 Jahren weiterhin generell vom Grundpreis befreit.

Das Giro pur kann ausschließlich online mit Legitimation per VideoIdent eröffnet werden, und nur auf Einzelpersonen. Neu sind bis zu drei digitale Unterkonten ("Pockets") mit eigener IBAN und eine durch personalisierbare Finanzübersichten optimierte Benutzeroberfläche in der Postbank-App. Auch die bestehenden Kontomodelle erhalten diese Funktionen. Bargeld gibt es wie gehabt gebührenfrei an Cash-Group-Automaten, Geldautomaten von cardtronics mit Postbank-Logo, Shell-Tankstellen und per Bargeld-Code im Einzelhandel. Ein- und Auszahlungen von Bargeld am Postbank-Schalter kosten jedoch je Vorgang EUR 6,00 - eine hohe Gebühr, beim alten Kontomodell waren es für Auszahlungen EUR 1,50. Beleghafte Überweisungen, Scheckeinreichungen und Zahlungsaufträge über einen Mitarbeiter des Telefon-Bankings kosten beim Giro pur ebenfalls jeweils EUR 6,00, beim Giro direkt EUR 2,50.

Sonderbedingungen Giro pur

Der Abschnitt zu den Werbeanrufen in den Sonderbedingungen zum Giro pur. Die Bank bedauert gewissermaßen, dass sie keine Mindestanzahl an Anrufen zusichern kann, in einem Kalendermonat kann ausnahmsweise auch mal gar keine telefonische Kontaktaufnahme stattfinden.

Im Kleingedruckten verbirgt sich ein gravierender Unterschied zu anderen Girokonten: Die Postbank führt eine umfangreiche Analyse der Transaktionen durch und wertet – sofern der Kunde den Web-Cookies zustimmt – auch das Surfverhalten aus. Die Sonderbedingungen zum Giro pur befassen sich ausschließlich damit und auf der darauf basierenden Werbung. Sie sehen vor, dass die Kunden regelmäßig Werbeanrufe, E-Mails und Postsendungen erhalten – von der Bank und von Partnerunternehmen, die branchenfremd sein können. Explizit eingeräumt ist, dass es pro Anlass bis zu 20 Anrufversuche geben darf - falls der Kunde nicht erreicht wird oder nicht abhebt. Im Online-Banking und in der Banking-App blendet sie Werbung für eigene Angebote oder für Dritte ein. Auf der Produktseite ist das bei den Konditionen in einem einzigen Satz angedeutet. "Die Ansprache auf Angebote durch die Bank ist Teil des Kontovertrags", heißt es dort. In den Sonderbedingungen zum Produkt steht es aber im Detail. Die Bank sieht keine Möglichkeit vor, die Zustimmung zu widerrufen, da es Teil dieses Kontomodells sei. Nur ein Kontowechsel oder eine Kündigung stoppen die Werbung.

Die Einführung des Giro pur gehört zur "Digital-first"-Strategie der Postbank, die ihr Filialnetz bis 2026 verkleinern will. Laut Dominik Hennen, Leiter Personal Banking Deutschland, bleibt sie aber hybrid: "Unsere Strategie ist digital first, nicht digital only", erklärt Hennen. Bei Finanzfragen sollen Kunden weiterhin persönliche Ansprechpartner haben – jedoch nicht über das Giro pur.

Sonderbedingungen Giro pur

Ausschnitt zu den möglichen Branchen der Partnerunternehmen aus den Sonderbedingungen zum Giro pur.

Interessenten sollten abwägen, ob die Ersparnis der Grundgebühr den Zwang rechtfertigt, die Belästigung durch Werbung hinzunehmen. Es erinnert an das Geschäftsmodell einiger Free-Mail-Dienste, ist in diesem Ausmaß und speziell bei Banken aber ungewöhnlich. Einige Direktbanken bieten jedenfalls kundenfreundlichere Alternativen.

Bestandskunden im Kontomodell Giro direkt werden nicht automatisch auf Giro pur umgestellt. Laut Medienmitteilung der Postbank können sie ihr bisheriges Kontomodell weiterhin nutzen oder freiwillig zu Giro pur wechseln. Tun sie nichts, behalten sie ihr Giro direkt zu den alten Konditionen. Dies kann vorteilhaft sein, denn zwar kostet es EUR 1,90 Grundpreis, dafür ist es ohne Werbung und erfordert auch keinen Geldeingang.

Das "Giro extra plus", das bei monatlichem Geldeingang ab EUR 3.000 ohne Grundpreis geführt wird, kostet seit 24.2.25 bei Nichterfüllen EUR 11,90 (vorher EUR 10,90).

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