Newsbeitrag vom 21.03.2025

Fusion unter Herausforderern: OLB-Kauf stärkt Targobank

Targobank und Oldenburgische Landesbank (OLB) teilten am 20.3.25 jeweils per Pressemitteilung mit, dass eine Vereinbarung zur Übernahme unterzeichnet wurde. Käuferin ist die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel Alliance Fédérale. Deren deutschen Holding, der Targo Deutschland GmbH, werde die OLB zugeführt. Die Targobank gehört zu dieser Holding. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Mit dem Vollzug ist wegen der Größenordnung erst Anfang 2026 zu rechnen.

Nach erfolgreichem Abschluss würde die Targo-Deutschland-Gruppe mit einer kombinierten Bilanzsumme von EUR 79 Milliarden in die Top 10 der privaten Banken in Deutschland aufsteigen. Derzeit zählt die Targobank nach eigenen Angaben mehr als 340 Filialen, 3,8 Millionen Kunden und 7.200 Beschäftigte, während es bei der OLB 80 Filialen, rund eine Million Kunden und 1.700 Beschäftigte sind.

Die OLB gehört seit 2017 einer angloamerikanischen Gruppe von Private-Equity-Investoren bestehend aus Apollo, Grovepoint und dem US-Pensionsfonds TRS. Diese hatten ursprünglich einen Börsengang der OLB für April 2025 geplant. Kurz davor entschieden sie sich jedoch für den direkten Verkauf an Crédit Mutuel/Targobank. Vorstandschef Stefan Barth betonte noch im Februar 2025: "Wir sind börsenfähig, und wir sind börsenwillig." Er hielt das Marktumfeld für einen IPO so günstig wie lange nicht. Entsprechend kam die nun beschlossene Veräußerung für viele überraschend. Der direkte Verkauf scheint attraktiver für die Investorengruppe zu sein, und er erspart die Risiken und Komplexität eines Börsengangs. Die OLB selbst erklärte in ihrer Pressemitteilung, sie werde "voraussichtlich stärker von einem Verkauf profitieren als von einem ursprünglich geplanten Börsengang", was sich, obwohl sie das übernommene Institut ist, auf die eigenen Wachstumsmöglichkeiten bezog. Der Kaufpreis blieb offiziell ungenannt. Laut der französischen Wirtschaftszeitung "Les Échos" dürfte er zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro liegen.

Die OLB-Übernahme gilt als größter Expansionsschritt der Crédit Mutuel Alliance Fédérale seit dem Kauf der Citibank Deutschland im Jahr 2008. Deutschland ist für sie der wichtigste Markt außerhalb Frankreichs. Laut Targobank-Chefin Isabelle Chevelard beschleunigt der Zukauf die Entwicklung zur Universalbank. So werde man in neue Geschäftsfelder wie Immobilienfinanzierung einsteigen können, ein eigenes Versicherungsangebot einführen und das Firmenkundengeschäft ausbauen.

In den vergangenen Jahren haben die Investoren die OLB in beeindruckendem Tempo transformiert, mehrere Institute wurden zugekauft und integriert: Bankhaus Neelmeyer (2017), Bremer Kreditbank (2018), Wüstenrot Bank (2019) und Degussa Bank (2024). 2024 erzielte sie mit 270 Millionen Euro Nachsteuergewinn den höchsten Jahresüberschuss ihrer Geschichte.

Für die Targobank ist die Übernahme wichtig, weil ihr Kerngeschäft mit Verbraucherkrediten seit Längerem unter Druck steht. Die OLB bringt Expertise in Bereichen ein, die für die Targobank komplementär sind, darunter die private Immobilienfinanzierung, Mittelstandsfinanzierung, Akquisitionsfinanzierung und Private Banking (OLB-Marke Bankhaus Neelmeyer).

Noch unklar ist die Tiefe der Integration, denn konkrete Aussagen zur künftigen Struktur wurden nicht gemacht. Marktbeobachter halten es für plausibel, beide Marken aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen parallel zu führen. Die OLB betont, dass alle Kunden weiterhin "den gewohnt hohen Servicestandard genießen" werden. Denkbar sind aber in jedem Fall Rationalisierungen auf Gruppenebene.