EZB senkt im Zollkonflikt weiter die Zinsen
Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss bei ihrer Sitzung am 17.4.25 eine weitere Lockerung um 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, geht damit per 23.4.25 auf 2,25% zurück, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,40% und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,65%. Es ist bereits die siebte Zinssenkung der EZB seit Mitte 2024.
Ein wesentlicher Faktor für die heutige Entscheidung waren die negativen Aussichten durch den von US-Präsident Trump ausgelösten Zollkonflikt. Die Finanzmärkte wurden davon erschüttert, Lieferketten destabilisiert und Exportaussichten getrübt. Nach Trumps "Liberation Day" waren zahlreiche Länder mit hohen Zollschranken bei der Wareneinfuhr in die USA konfrontiert, für die EU bedeutete das 20%, willkürlich hergeleitet. Zwar ruderte Washington kurz darauf teilweise zurück und setzte viele der Zölle für 90 Tage aus, aber ein Basissatz von 10% und zusätzliche 25% auf Stahl, Aluminium und Autos blieben bestehen. Mit China eskalierte es. In einer früheren Prognose schätzte die EZB, dass der Konflikt im ersten Jahr das Wirtschaftswachstum im Euroraum um 0,50 Prozentpunkte dämpfen könnte – inzwischen rechnet sie mit einem ganzen Prozentpunkt.
Die Folgen für die Preisentwicklung sind vielschichtig. Einerseits könnten Zölle importierte Waren verteuern und damit inflationär wirken. Andererseits hat der Vertrauensverlust zu einer Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar geführt, was Importe, insbesondere von Energie, hierzulande günstiger macht und dämpfend auf die Inflation wirkt. Zudem belastet der Handelskonflikt die Weltkonjunktur, was ebenfalls preisdämpfend sein kann. Umgeleitete Warenströme aus China könnten die Verbraucher durch billige Preise erfreuen, aber gleichzeitig heimische Unternehmen aus dem Wettbewerb drängen.
Im März war die Teuerungsrate im Euroraum rückläufig: Nach einer vorläufigen Schätzung lag sie bei 2,20%, im Februar waren es 2,30%. Damit nähert sie sich weiter dem EZB-Zielwert an. Diese Entwicklung eröffnete den Spielraum für weitere Zinssenkungen. Noch vor einigen Wochen war über eine mögliche Pause im Zinssenkungszyklus gesprochen worden, doch die trüben Konjunkturaussichten gaben wohl den Ausschlag, die Geldpolitik präventiv weiter zu lockern.
