Newsbeitrag vom 9.3.2026

Hamburg Commercial Bank: Zweiter Kanal für Spareinlagen

Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) startete am 4.3.26 offiziell ihre Marke "Hamburg Direct Bank". Darüber bietet die auf Firmen- und Schiffsfinanzierung spezialisierte Geschäftsbank Tages- und Festgeld für Privatkunden an. Der Internetauftritt war laut dokumentierten Kontoeröffnungen bereits seit Mitte Februar im stillen Vorlauf erreichbar, etwa seit 16.2.26, auch ein regulatorisches Dokument zum Produktangebot ist auf diesen Tag datiert.

Neukunden der Hamburg Direct Bank erhalten beim Tagesgeld einen Sonderzins von 3,00% p. a. für die ersten vier Monate. Die Zinsen werden quartalsweise gutgeschrieben. Während der Sonderverzinsung beträgt die Höchstanlage EUR 500.000. Anschließend greift der variable Standardzins von derzeit 1,25% p. a. und die Höchstanlage steigt auf 2,5 Millionen Euro, dieser Betrag gilt dann für alle Konten eines Kunden zusammen. Das Festgeldangebot reicht von 3 Monaten bis 10 Jahren. Alle Zinssätze blieben seit dem Vorlauf unverändert. Beim Festgeld gelten: 3 Monate - 2,00%, 6 Monate - 2,20%, 12 Monate - 2,30%, 2 Jahre - 2,40%, 3 Jahre - 2,60%, 5 Jahre - 2,85%, 10 Jahre - 2,90%. Die Mindestanlage beträgt dabei EUR 5.000.

Die gesetzliche Einlagensicherung über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH greift bis EUR 100.000 je Einleger. Wer mehr anlegt – die Obergrenze von 2,5 Millionen Euro lädt dazu ein –, verlässt diesen Bereich. Der freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. sichert Einlagen zwar über die gesetzliche Grenze hinaus ab, ein Rechtsanspruch besteht darauf aber nicht. Die Konten lassen sich als Einzelkonto, Gemeinschaftskonto oder für Minderjährige eröffnen. Zur Legitimation sind VideoIdent und E-Ident verfügbar, PostIdent bietet die Bank nicht an.

Hinter der Marke steht die HCOB, die ehemalige HSH Nordbank, seit 2018 im Besitz von Finanzinvestoren um Cerberus. Im Kern geht es nicht um den Aufbau einer Privatkundenbank, sondern um den Refinanzierungsmix. Schon im Zwischenbericht zum 30.6.25 hatte die HCOB angekündigt, ihr Geschäft durch eine eigene Plattform zu ergänzen und innerhalb von drei Jahren rund 25% beziehungsweise 6 Milliarden Euro ihres Refinanzierungsbedarfs über Privatkundeneinlagen decken zu wollen. Breit gestreute Privatkundeneinlagen verringern die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt. Bereits seit Mai 2024 wirbt die HCOB auf der Raisin-Plattform Festgeldeinlagen ein. Derzeit sind die Zinssätze dort identisch, jedoch mit weniger Laufzeitauswahl und einer Höchstanlage von EUR 100.000 je Kunde.

Die HCOB beschäftigt in der Refinanzierung gemäß ihren Angaben 20 Vollzeitkräfte, mit der Steuerung der Hamburg Direct Bank seien intern lediglich zwei Vollzeitstellen befasst. Die schlanke Struktur ermöglichte den schnellen Markteintritt, jedoch unter Abhängigkeiten von externen Partnern. Die HCOB-Pressemitteilung zum Start der Direktbank spricht von einer "mit flatexDEGIRO gemeinsam entwickelten Online-Plattform" für Kontoeröffnung, Kontoführung und regulatorische Prozesse. flatexDEGIRO veröffentlichte am selben Tag parallel eine eigene Pressemitteilung zur Partnerschaft. flatexDEGIRO beschreibt die eigene Rolle darin deutlich weiter: Man habe eine Einlagenplattform im Rahmen einer "Banking- und IT-Outsourcing-Lösung" nach dem Ansatz "Deposits as a Service" entwickelt und implementiert. Für flatexDEGIRO sind solche Outsourcing-Lösungen ein neues Geschäftsfeld, das sie ausbauen möchten, jährlich um ein bis zwei neue Partnerbanken.

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