Newsbeitrag vom 04.06.2026

S Broker: neue 95-Cent-Order - günstig mit Abstrichen

Der S Broker stellt sein Preismodell zum 15.6.26 um. Er senkt die sichtbaren Kosten deutlich. Das passt zu einem Markt, in dem Neobroker die Preiserwartungen verschoben haben und S-Neo nun auch innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe Druck erzeugt. Im Mittelpunkt steht die Sofortorder für pauschal EUR 0,95. Depotführung und Sparplanausführungen werden entgeltfrei. Das vor einigen Jahren eingeführte separate Abwicklungsentgelt entfällt. Für den seit August 2001 aktiven S Broker ist es die tiefgreifendste Veränderung seiner Geschichte. Angekündigt hat er sie über ein Kundenanschreiben und über die Homepage. Auf der Preisübersicht-Seite stehen das neue und das alte Preis- und Leistungsverzeichnis untereinander zum Abruf bereit. Der S Broker gehört zur Deka, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe.

Niedrigpreis bei der Sofortorder

Die Sofortorder kostet pauschal EUR 0,95, volumenunabhängig und ohne Handelsplatzentgelt. Mit dem neuen Preis dürfte sie für die meisten Kunden zur Standardroute für liquide Werte werden. Das bedeutet aber gleichzeitig, auf eigene Handelsplatz- und Limitwahl verzichten zu müssen. Diese Orderart bot der Broker schon zuvor an, sie kostete aber EUR 3,99 im Grundpreis, oberhalb von EUR 1.000 Ordervolumen zuzüglich 0,25% des Kurswertes, dazu EUR 0,99 Handelsplatzentgelt und EUR 0,49 Abwicklungsentgelt.

Bei der Sofortorder kann der Kunde nicht selbst über den Handelsplatz entscheiden. Er gibt eine Kauf- oder Verkaufsorder unlimitiert (bestens) auf; der S Broker wählt den Handelsplatz aus einer festen Vorauswahl nach seinen Ausführungsgrundsätzen aus. Maßgeblich sollen dabei unter anderem das Gesamtentgelt, Ausführungsgeschwindigkeit, Ausführungswahrscheinlichkeit und Ausführungssicherheit sein. Die Order gilt für den laufenden Handelstag. Geht sie für eine gleichtägige Ausführung nicht rechtzeitig ein, gilt sie für den folgenden Handelstag.

Die Ausführungsgrundsätze der AGB mit Stand Januar 2026 beschreiben einen Pool aus zehn Börsen und Direkthandelspartnern. Die FAQ zu der derzeit noch gültigen Sofortorder-Regelung nennen hingegen einzig die Tradegate Exchange. Ob der Broker den Handel zum Stichtag auf mehrere Plätze ausweitet oder allein bei Tradegate bleibt, löst die Webseite nicht auf. Der niedrige Orderpreis ist jedenfalls nicht mit den Gesamtkosten gleichzusetzen. Entscheidend ist auch, zu welchem Kurs ausgeführt wird, und hier wird der Kunde im Schnitt einen ungünstigeren bekommen.

Eigene Wahl kostet mehr

Wählen Kunden den Handelsplatz selbst, gilt der teurere Standardtarif: EUR 0,95 zuzüglich 0,25% des Orderwerts, mindestens EUR 0,95 und höchstens EUR 54,99, dazu das Handelsplatzentgelt. Das ersetzt die langjährige Formel aus EUR 4,99 plus 0,25% (zusammen mindestens EUR 8,99, maximal EUR 54,99), dazu Handelsplatzentgelt und EUR 0,49 Abwicklungsentgelt.

Einige der Handelsplatzentgelte steigen allerdings deutlich. Für Xetra und die deutschen Parkettbörsen klettert das Entgelt von EUR 0,99 auf EUR 2,45, für Auslandsbörsen außerhalb der USA von EUR 14,99 auf EUR 24,95. Im außerbörslichen Direkthandel und über bestimmte elektronische Handelssysteme entfällt es dagegen ganz – zuvor EUR 0,49.

Orderart / Handelsplatzaltes Modellneues ModellWirkung
Sofortorder EUR 1.000Gesamtprovision EUR 5,47Gesamtprovision EUR 0,95stark günstiger
Xetra-Order EUR 5.000Gesamtprovision EUR 18,97Gesamtprovision EUR 15,90günstiger
Xetra-Order am KostendeckelEUR 56,47EUR 57,44leicht teurer
Auslandsbörse außerhalb USAHandelsplatzentgelt EUR 14,99Handelsplatzentgelt EUR 24,95teurer

Neben einigen Handelsplatzentgelten steigt die Gebühr für die Umschreibung von Namensaktien von EUR 0,60 auf EUR 1,50. Bei Umschreibungen innerhalb eines Sparplans fällt sie nicht an.

Depotführung und Sparpläne entgeltfrei

Das Depot führt der Broker künftig ohne jegliche Bedingung kostenlos. Bislang verlangte er dafür mindestens eine Transaktion pro Quartal oder einen Bestand von mindestens EUR 10.000 auf Depot und Konto (zusätzlich ein Depotbestand größer null). Wer beides verfehlte, zahlte EUR 11,97 je Quartal, über das Jahr EUR 47,88.

Eine erfreuliche Entwicklung ebenso bei den Wertpapiersparplänen: Sämtliche Sparpläne auf Aktien, ETFs und Zertifikate führt der S Broker künftig ohne Ausführungsentgelt aus; es betrug 1,25% des Kurswertes. Die Mindestsparrate sinkt zudem von EUR 20,00 auf EUR 5,00.

Unterm Strich sparen viele Kunden deutlich, vor allem bei Depotführung, Sparplänen und Sofortorders. Aber diese Order ist nicht einfach eine gewöhnliche Börsenorder zum Schnäppchenpreis.

Doppelzange durch die Wettbewerber

Der Sparkassensektor sieht seit Jahren, dass junge Wertpapierkunden zu Neobrokern gehen. Bei den 14- bis 49-Jährigen sind die Sparkassen unterrepräsentiert - im Depotgeschäft zeigt sich das stärker als bei Girokonten.

Von außen drängen die Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital. Von innen entsteht für den S Broker zudem Handlungsbedarf aus einer Konkurrenzsituation im eigenen Sektor. Mit S-Neo startete eine Wertpapieroffensive der Sparkassen - ein in die Sparkassen-App integrierter ETF-Handel, der auf Einsteiger zielt und über die einzelnen Institute vertrieben wird. Seit April 2026 läuft in fünf Sparkassen eine Pilotphase dazu. Voraussetzung ist ein Sparkassen-Girokonto als Verrechnungskonto. Setzt jede teilnehmende Sparkasse eigene Preise an, wie bisher zu beobachten, entsteht erneut ein Flickenteppich.

Nur ein Teil der Sparkassen bietet das Kooperationsprodukt "DepotPlus" des S Broker an, andere haben eigene Depotangebote, daneben vertreibt der S Broker sein Depot im Direktgeschäft. Seit Jahren stagniert die Kundenzahl. Mit S-Neo droht ihm, einen Teil seines natürlichen Vertriebswegs zu verlieren. Der S Broker wird durch die neuen Preise sicherlich nicht zum Neobroker. Er bleibt konservativer, aber auch breiter aufgestellt und an die Sparkassenwelt gebunden. Und genau damit kann er für Anleger attraktiv sein, die günstigere Preise wollen, aber keine reine Trading-App mit begrenztem Funktionsumfang.

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