Scalable läutet den Preiswettbewerb ums Altersvorsorgedepot ein

Scalable Capital nennt als erster Anbieter seine Konditionen für das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, das zum 1.1.27 starten soll. Das Institut setzt einen Anker, der den gesetzlichen Effektivkostendeckel von 1,0% p. a. für Standardprodukte deutlich unterbietet. Die Preise nannte Scalable-Co-Vorstandschef Erik Podzuweit zuerst in einem am 20.8.26 erschienenen Interview mit der Bild-Zeitung. Seit dem 27.8.26 stehen sie auf der Website und im Kundenbereich lässt sich das Altersvorsorgedepot vormerken. Voraussetzung ist ein reguläres Scalable-Depot, das Neukunden zuerst eröffnen müssen.

Die zwei Varianten von Scalable

Geplant sind zwei Varianten: "Standard" als Umsetzung des gesetzlich geregelten Standardprodukts und ein Modell namens "Selbst entscheiden". Im Standardmodell verlangt der Anbieter keine direkten Entgelte für Konto- und Depotführung, Ein- und Auszahlungen, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe. Auf Ebene der Produktkosten soll die laufende Kostenquote (TER) der eingesetzten ETFs bis 31.12.27 befristet auf null sinken. Für die Zeit danach bezifferte Marketingchef Maximilian Meyer in einem LinkedIn-Beitrag flankierend zum Interview die laufenden ETF-Kosten mit höchstens 0,15% p. a. Diese Obergrenze steht allerdings nicht in der veröffentlichten Gebührenübersicht und bezieht sich allein auf die Standardvariante.

In der zweiten Variante stellen Anleger ihr Portfolio selbst aus den gesetzlich zulässigen und von Scalable angebotenen Wertpapieren zusammen. Ohne direktes Entgelt sind ebenfalls Konto- und Depotführung, Ein- und Auszahlungen sowie Sparpläne. Einzelne Käufe und Verkäufe kosten laut Produktseite EUR 0,99 im Free-Tarif, im Prime+-Abo für monatlich EUR 4,99 entfällt dieses Orderentgelt. Die laufenden Produktkosten hängen von der eigenen Wertpapierauswahl ab. Noch offen ist, ob Scalable das gesamte zulässige Anlageuniversum anbietet oder die Auswahl enger fasst. "Selbst entscheiden" bedeutet daher nicht zwangsläufig freie Auswahl aus dem vollständigen regulären Brokerangebot. Anders als bei Standard greift hier kein gesetzlicher Effektivkostendeckel. Spreads fallen in beiden Varianten an, und Scalable kann Zuwendungen erhalten.

Screenshot der Scalable-Gebührenübersicht zum Altersvorsorgedepot mit den Varianten Standard und Selbst entscheiden
Screenshot vom 31.8.26 der Gebührenübersicht zum Altersvorsorgedepot. Unterschiede zeigen sich bei Käufen und Verkäufen: Im Modell "Selbst entscheiden" kosten sie EUR 0,99 im Free-Tarif und entfallen mit Prime+. Die ETF-Kosten gibt Scalable für Standard mit 0,00% p. a. für 2027 an, für "Selbst entscheiden" mit ab 0,00% p. a.

Das Standardprodukt nimmt Anlegern wesentliche Entscheidungen ab. Der Anbieter legt vor Vertragsabschluss zwei Fonds fest: einen chancenorientierten und einen risikoärmeren. In den Jahren vor der Auszahlungsphase schichtet der Anbieter nach einem voreingestellten Plan schrittweise in den risikoärmeren um. Anleger können von dieser Voreinstellung abweichen und eine andere Aufteilung verlangen. Welche ETFs Scalable auswählt, wie beide Fonds anfangs gewichtet werden und wann die Umschichtung beginnt, ist noch nicht veröffentlicht.

Alle genannten Konditionen sind Ankündigungen. Das Bundeszentralamt für Steuern muss das konkrete Altersvorsorgedepot noch zertifizieren. Das Zertifikat bewertet weder Rendite noch Fondsauswahl noch wirtschaftliche Tragfähigkeit; die Behörde prüft allein, ob der Vertrag die gesetzlichen Zertifizierungsvorgaben erfüllt.

Denkbar ist, dass Scalable bei Standard mit dem eigenen Welt-ETF bestückt, den das Institut gemeinsam mit Xtrackers aufgelegt hat, und so zumindest teilweise über die Produktebene gegenfinanziert. Der Scalable MSCI AC World Xtrackers UCITS ETF (ISIN LU2903252349) weist im jüngsten DWS-Factsheet eine Pauschalgebühr von 0,15% p. a. aus und trifft damit genau die angekündigte Obergrenze, überschreitet sie nicht.

Für erfahrene ETF-Anleger dürfte die selbst gesteuerte Variante besser passen. Fonds, Aktienquote und Zeitpunkt der Risikoreduzierung bestimmen sie selbst. Mehr Kontrolle bringt mehr Verantwortung mit sich. Eine ungeeignete Fondsauswahl, häufige Strategiewechsel oder eine zu späte Risikoreduzierung können Rendite kosten.

Die neue Förderung

Unabhängig vom Anbieter gilt ab 2027 die neue Fördersystematik. Für die ersten EUR 360,00 Eigenbeitrag legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, zwischen EUR 360,00 und EUR 1.800 noch 25 Cent. Die höchstmögliche Grundzulage von EUR 540,00 setzt damit EUR 1.800 Eigenbeitrag voraus; der Mindestbeitrag von EUR 120,00 jährlich berechtigt zwar zur Förderung, löst aber nur EUR 60,00 aus. Für jedes Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, zahlt der Staat bis zu EUR 300,00 Kinderzulage, wofür ein eigener Beitrag von EUR 300,00 je Kind nötig ist. Förderberechtigte, die zu Beginn des Beitragsjahres noch keine 25 Jahre alt sind, erhalten einmalig EUR 200,00 Berufseinsteigerbonus. Einzahlen lassen sich jährlich bis zu EUR 6.840, gefördert werden davon höchstens EUR 1.800. Beträge darüber bringen weder Zulage noch Sonderausgabenabzug, aber denselben Steuerstundungseffekt wie der geförderte Teil: In der Ansparphase fallen keine Vorabpauschale und keine Abgeltungsteuer an. Das gesamte Kapital bleibt investiert, statt jährlich anteilig an das Finanzamt abzufließen.

Für Kunden mit bestehendem Riester-Vertrag plant Scalable einen Wechselservice. Nach der Neuregelung lässt sich angespartes Kapital in einen neuen Altersvorsorgevertrag übertragen, ohne erhaltene Zulagen zurückzuzahlen. Kostenlos verläuft der Umstieg deshalb nicht zwingend; je nach Alt- und Neuvertrag können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten entstehen.

Zeitdruck besteht nicht. Die Förderung für 2027 sichert sich auch, wer erst im Dezember 2027 abschließt und ausreichend einzahlt. Bis dahin dürften weitere Anbieter ihre Preise veröffentlichen. Erst mit Fondsliste, Sonderbedingungen, endgültigem Ordertarif und Effektivkosten wird aus dem Preisversprechen ein vergleichbares Produkt.

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