Restschuldversicherungen bei Online-Ratenkrediten: So verkaufen Banken sie seit 2025

Wer online einen Ratenkredit beantragt, trifft früher oder später auf eine Restschuldversicherung (RSV) - die Bank empfiehlt die Absicherung. Die Police soll einspringen, wenn Kreditnehmer ihre Raten wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Tod nicht mehr zahlen können. Doch diese Produkte stehen seit Jahren in der Kritik – zu teuer, zu intransparent, mit zu vielen Lücken im Schutz. Seit Januar 2025 schreibt das Zukunftsfinanzierungsgesetz neue Spielregeln vor. Banken müssen sieben Tage warten, bevor sie den Vertragsabschluss der Versicherung anbieten dürfen. Was änderte sich dadurch in der Praxis? Und wie schützen sich Kreditnehmer vor teuren Fehlentscheidungen?

Neue Rechtslage: Sieben Tage Wartefrist und Koppelungsverbot

Kredit und Versicherung sind zeitlich entkoppelt. Wenn ein Verbraucher den Kreditvertrag unterschreibt, darf die Bank frühestens sieben Tage später einen Vertrag über eine RSV mit ihm schließen. Diese Wartefrist gilt für alle Verbraucherkredite, die seit dem 1.1.25 abgeschlossen werden. Immobilienkredite sind ausgenommen. Der Gesetzgeber will damit Entscheidungen unter Verkaufsdruck verhindern. Bei Verstoß kann der Vertrag unwirksam sein, Verbraucher können Prämien zurückfordern. Recht zu bekommen ist aber immer aufwendig, und zwischen Nichtigkeit und Anfechtbarkeit können feine Unterschiede liegen.

Zudem hat der Gesetzgeber das Kopplungsverbot verschärft. Banken dürfen die Kreditvergabe nicht vom Abschluss einer RSV abhängig machen. Die neue Vorschrift ersetzt die schwächere Fassung von 2018, wonach Kreditnehmer eine Woche nach Abschluss nochmals über ihr 30-tägiges Widerrufsrecht zur RSV belehrt werden mussten.

So bieten Banken die Policen jetzt in der Praxis an

Die Wartefrist bremst die Verkaufszahlen klassischer Restschuldversicherungen spürbar. Einige Anbieter haben das Produkt komplett aus dem Sortiment genommen. Andere weichen auf alternative Konstruktionen aus.

Banken, die weiterhin klassische Restschuldversicherungen anbieten, haben ihre Prozesse umgestellt. Viele stellen die Absicherungsmöglichkeit weiterhin während des Kreditantrags vor und stellen sie als wichtigen Schutz dar, oft griffig mit Bezeichnungen wie "Ratenschutz" oder "Kreditabsicherung". Da sie in diesem Stadium keinen Vertrag zur Versicherung schließen dürfen, fragen sie stattdessen das Interesse an der Absicherung ab. Die DKB bezeichnet den Vorgang im Antragsprozess als "Absicherung reservieren".

Nach Ablauf der sieben Tage folgt der eigentliche Verkaufsversuch. Die häufigste Methode ist eine E-Mail mit Betreffzeile wie "Jetzt Ratenschutz aktivieren" oder "Ihre Kreditabsicherung wartet". Diese Mails betonen die Wichtigkeit der Absicherung und bieten einen einfachen Aktivierungslink. Erst über diesen Weg wird sie verbindlich abgeschlossen.

Andere Banken wie CreditPlus Bank oder Santander fassen telefonisch nach. Das ist nur zulässig, wenn der Kunde vorher in die telefonische Kontaktaufnahme eingewilligt hat. Am Telefon beginnt das Gespräch serviceorientiert mit der Bestätigung, dass mit dem Kredit alles geklappt hat. Dann kommt der Callcenter-Mitarbeiter auf die Wichtigkeit der Absicherung zu sprechen. Szenarien von plötzlicher Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit werden entworfen, um ein Gefühl der Notwendigkeit zu erzeugen. Häufig fallen Sätze wie "die meisten Kunden sichern sich ab". Das ist Vertrieb, nicht Service.

Mehrere Kreditanbieter umgehen die neuen Regeln durch eigenständige Versicherungsprodukte. Diese Policen sichern Verdienstausfälle unabhängig von Kreditbetrag und -laufzeit ab. Sie unterliegen damit nicht der siebentägigen Wartefrist, da es keine klassischen Restschuldversicherungen sind, und sie haben kein festgelegtes Vertragsende. Die TeamBank ersetzte so die RSV durch "R+V CashProtect" der R+V Versicherung. Die SWK Bank bietet den "Einkommensschutz" von Société Générale Insurance an. Es sind andere Produkte, aber mit ähnlichen Schwächen.

Überblick zu wichtigen Marktakteuren

Kreditanbieter Produktname Kontaktweg nach 7 Tagen Klassische RSV? Alternative?
CreditPlus Bank Restschuldversicherung Telefon Ja Nein
DKB Ratenschutz E-Mail mit Aktivierungslink Ja Nein
ING Kredit-Schutz jederzeit Nein Kredit-Schutz (Axa)
norisbank RatenSchutz E-Mail mit Aktivierungslink Ja Nein
Targobank Kreditlebensversicherung auf der Website nicht konkretisiert Ja Nein
TeamBank R+V CashProtect jederzeit Nein Einkommensschutz (R+V)
Santander Ratenschutz Telefon Ja Nein
SWK-Bank Einkommensschutz jederzeit Nein Einkommensschutz (SG Insurance)

Leistungsumfang und typische Probleme

Eine RSV ist eine Sonderform der Risikolebensversicherung, zugeschnitten auf Laufzeit und Höhe des Kredits. Sie deckt typischerweise bis zu drei Risiken ab: Tod, Arbeitsunfähigkeit und manchmal auch Arbeitslosigkeit. Im Todesfall tilgt sie die Restschuld komplett und entlastet damit die Hinterbliebenen. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit übernimmt sie theoretisch die monatlichen Raten.

Das klingt beruhigend, doch die Kosten sind erheblich. Der Versicherungsbeitrag hängt grundsätzlich von Alter, Geschlecht, Kredithöhe, Kreditlaufzeit, Versicherungsumfang und Versicherungsgesellschaft ab. Banken schlagen den Einmalbeitrag meist auf die Kreditsumme auf und lassen ihn sich mitverzinsen. In der Vergangenheit dokumentierten Marktuntersuchungen Fälle, bei denen die Prämie – wäre sie in den Effektivzins einzurechnen – diesen auf 20 bis 30 Prozent erhöht hätte.

Ein Grund für die hohen Kosten: Banken kassieren üppige Provisionen für die Vermittlung. Der Kredit verteuert sich über die gesamte Laufzeit, ohne dass die Bank im Gegenzug den Kreditzins niedriger ansetzt, obwohl ihr Ausfallrisiko durch die Versicherung sinkt. Seit Juli 2022 gilt eine Provisionsdeckelung von 2,5 Prozent des abgesicherten Darlehensbetrags. Diese Obergrenze hat Exzesse reduziert.

Neben den Kosten gibt es zahlreiche Leistungsausschlüsse und manche Bestandteile greifen in der eigenen Konstellation gar nicht. Bei Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit gilt der Schutz oft erst nach drei Monaten Wartezeit ab Versicherungsbeginn. Zusätzlich gibt es eine Karenzzeit von häufig sechs Wochen. Das bedeutet: Erst nach einer bestimmten Anzahl von Tagen ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit leistet die Versicherung. Vorerkrankungen führen häufig zum Leistungsausschluss. Eine selbständige Tätigkeit, ein befristeter Job oder eine selbst ausgesprochene Kündigung sind über den Bestandteil gegen Arbeitslosigkeit grundsätzlich nicht versichert. Die Arbeitsunfähigkeitsabsicherung in Restschuldversicherungen ist zudem "light". Sie greift meist nur bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit, nicht bei Teilerwerbsminderung.

Was Verbraucherschützer empfehlen

Eine RSV, die nur abgeschlossen wird, wenn Banken sie wie früher in den Kreditrechnern erst gegen Ende ins Spiel bringen bzw. UI-tricky einrechnen, oder emotional verkaufen, sagt alles über ihren tatsächlichen Wert. Verbraucherschützer raten meist dazu, Ratenkredite ohne RSV abzuschließen. Wer Absicherungsbedarf hat, sollte nach passgenauen Lösungen suchen, direkt am Versicherungsmarkt statt vermittelt über die Bank.

Eine separate Risikolebensversicherung für den Todesfall ist deutlich günstiger als der Todesfallschutz in einer RSV. Die Versicherungssumme lässt sich an den tatsächlichen Bedarf der Hinterbliebenen anpassen, nicht nur an die Kreditsumme.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift bei längerer Krankheit und ist oft sinnvoller als die schmale Arbeitsunfähigkeitsabsicherung in Restschuldversicherungen. Allerdings sind Gesundheitsfragen und Vorerkrankungen immer ein kritischer Punkt.

Arbeitnehmer sind bereits über die gesetzliche Arbeitslosenversicherung abgesichert, die im Fall von Arbeitslosigkeit Arbeitslosengeld zahlt. Eine zusätzliche private Absicherung gegen Arbeitslosigkeit ist bei den relativ kleinen Kreditbeträgen meist nicht notwendig.

Checkliste: So wehren Sie den Upsell ab

  • Im Kreditantrag: In der Antragsstrecke nicht von Marketing anpieksen lassen, und kreuzen Sie nicht "ja" zur Absicherung an, um die Kreditchancen vermeintlich zu erhöhen. Eine Interessensbekundung im Antrag bindet Sie jedoch nicht - Sie können später immer noch ablehnen. Möglicherweise wurde der Einmalbetrag zur Versicherungsprämie aber schon dem Nettodarlehensbetrag aufgeschlagen, um ihn mitzufinanzieren. Erteilen Sie keine Einwilligung für Werbeanrufe.
  • Selbst rechnen: Vergewissern Sie sich der Mehrkosten. Vergleichen Sie mit den Kosten einer separaten Risikolebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Alternativen prüfen: Brauchen Sie überhaupt eine Absicherung? Falls ja: Vergleichen Sie Angebote am freien Versicherungsmarkt.
  • Nach den sieben Tagen: Ignorieren Sie E-Mails mit Betreffzeilen wie "Ratenschutz aktivieren", bis Sie in Ruhe gerechnet haben. Nehmen Sie Verkaufsanrufe nur an, wenn Sie wirklich Interesse haben
  • Rechte kennen: Nutzen Sie gegebenenfalls ein eingeräumtes Widerrufsrecht. Bei Verstößen gegen die Wartefrist ist der Versicherungsvertrag auch danach noch anfechtbar. Lassen Sie sich im Zweifel rechtlich beraten.