Girokonto: Übersicht zu den Geldautomatenverbünden der Banken

Die Zeit der unkomplizierten Regelung bei den Privatbanken ging im Sommer 2015 zu Ende, bis dahin nahmen sie am Geldautomaten von Fremdkunden ein direktes Kundenentgelt von einheitlich günstigen EUR 1,95, wenn diese die girocard innerhalb Deutschlands für die Abhebung verwendeten. Einzelne Institute nehmen nun wieder mehr. Auch jede Sparkasse und jede Genossenschaftsbank legt die Gebühr für Fremdkunden eigenständig fest. Dabei bewegen sich die meisten in der Spanne zwischen EUR 1,95 und EUR 4,95. Einige differenzieren preislich zudem zwischen Standorten mit weiteren Geldmaschinen in der Nähe und Standorten ohne Wettbewerb. Lesen Sie, wie Sie im In- und Ausland ohne Kosten an Bargeld kommen.

Anzahl der Geldautomaten in Deutschland nach Bank

Die deutschen Banken haben sich zu mehreren Netzwerken zusammengeschlossen, um ihren eigenen Kunden möglichst flächendeckend eine kostenlose Bargeldversorgung anbieten zu können. Das größte und am weitesten verzweigte Netz an Geldautomaten unterhalten die Sparkassen mit 24.600 Geldautomaten. Es folgt das BankCard ServiceNetz der Volks- und Raiffeisenbanken mit 19.200 Stellen sowie die 1998 gegründete Cash Group der großen Privatbanken mit 9.000 Automaten. Kleinster Verbund ist der CashPool mit 3.000 Stellen, der im Juli 2000 gebildet wurde. Die Ähnlichkeit der Namen von Cash Group und CashPool lädt zu Verwechslungen ein. Auch könnte man annehmen, dass beispielsweise die Sparda-Banken dem BankCard ServiceNetz angehören, da sie dem Verband der Volks- und Raiffeisenbanken angeschlossen sind. Doch die Sparda-Banken gehen hier einen anderen Weg und sind im CashPool. Direktbanken gehören häufig über die Muttergesellschaft einem Verbund an. Die nachfolgende Übersicht enthält Informationen zu Mitgliedsbanken und Geldautomatenzahl. Über die verlinkten Internetseiten kann jeweils der nächstgelegene Geldautomat abgefragt werden. Selbstverständlich kostenlos ist das Geldabheben im Verbund der eigenen Bank mittlerweile auch nicht mehr, es kann eingeschränkt sein, indem beispielsweise je nach Kontomodell ab der ersten, dritten oder fünften Abhebung im Monat Gebühren erhoben werden.

Geldautomatenverbund Information
Sparkassennetz Mitgliedsbanken: Sparkassengruppe,
ca. 24.600 Geldautomaten,
kostenfreie Bargeldabhebung
BankCard ServiceNetz Mitgliedsbanken: ca. 98% der Volks- und Raiffeisenbanken, PSD Banken
ca. 18.500 Geldautomaten,
kostenfreie oder vergünstigte Bargeldabhebung
Cash Group Mitgliedsbanken: Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Commerzbank, Postbank,
ca. 9.000 Geldautomaten,
kostenfreie Bargeldabhebung
CashPool Mitgliedsbanken: BBBank, National-Bank, Santander Consumer Bank, Sparda-Banken, TARGOBANK und weitere,
ca. 3.000 Geldautomaten,
kostenfreie Bargeldabhebung

Eine flächendeckende Bargeldversorgung können Banken auch über die Kreditkarte bieten. Speziell die Direktbanken, die über kein eigenes Geldautomatennetz verfügen, haben sich für eine solche Lösung entschieden. Für den Kunden ist das komfortabel, er kann dabei praktisch alle Geldautomaten kostenfrei nutzen. Je nach Anbieter ist die Kostenfreiheit auf Deutschland, die Eurozone oder in der Anzahl der Verfügungen begrenzt. Die Abhebungsgebühren der Kartengesellschaft übernimmt dabei die Bank zu pauschalen Großhandelskonditionen. Wichtig für den Kunden ist nur, dass der Geldautomat die verwendete Kreditkarte akzeptiert - das erkennt man an einem entsprechenden Logo am Gerät. Die Karte verliert in dieser Anwendung ihre Kreditfunktion, Abhebungen werden genauso schnell wie mit einer girocard belastet (bei monatlicher Abrechnung durch die Wertstellung). Etwas umständlich ist, dass der Kontoinhaber sich mit der jeweiligen Geheimzahl für Bank- und Kreditkarte zwei Nummern merken muss. Kreditkarten zum kostenlosen Geldabheben stellen folgende Anbieter ihren Girokunden aus: Consorsbank, DKB, ING-DiBa, Fidor Bank, N26, O2, Santander Bank, TARGOBANK, Wüstenrot und Volkswagen Bank. Und 1822direkt, comdirect und norisbank greifen auf die Kreditkarte zurück, um speziell im Ausland (comdirect außerhalb der Eurozone) den Bargeldservice anzubieten.

Löchrig wurde die Lösung als mehrere Sparkassen und Volksbanken ihre Automaten für die Kreditkarten von Direktbanken sperrten, obwohl die Geräte für den Einsatz von Kreditkarten bestimmt sind. Sparkassen und Volksbanken verfügen über das dichteste Geldautomatennetz in Deutschland und sehen die Direktbanken mit ihren Kontomodellen als "Trittbrettfahrer". Der Streit beschäftigte viele Gerichte und das Bundeskartellamt. Trotz Punktsiege für das Lager der Direktbanken, stößt man weiterhin hin und wieder auf selektive Boykotte. In der Praxis nehmen die jeweiligen Institute meist einen einzigen Standort in ihrem Geschäftsgebiet davon aus, zeigen dessen Adresse bei Kartenablehnung im Display an, um juristisch weniger angreifbar zu sein. Ist eine Sperre eingerichtet, sind nicht zwingend alle Kunden von Direktbanken am Geldabheben gehindert, die ihre Gebühren für Fremdabhebungen erlassen, aber fast immer die von DKB und ING-DiBa. Wegen ihrer Kundenstärke sind diese die primären Zielobjekte für die Abwehr. Einige der kleineren, regionalen Institute haben auch schon ihre Kreditkartenlizenz für Visa oder Mastercard zurückgegeben. Dann können sie selbst keine Kreditkarte der jeweiligen Gesellschaft mehr ausgeben, müssen aber auch nicht Kunden akzeptieren, die mit einer solchen Karte zum Geldabheben kommen.

Betreiber von Geldautomaten können ein direktes Kundenentgelt berechnen. Dies ist bei Mastercards und Visa-Karten erlaubt - und mache Betreiber tun das auch. Die Gebühr wird am Automaten ausgewiesen und ist von einer kostenlosen Bargeldverfügung nicht abgedeckt. In einzelnen Ländern sind direkte Kundenentgelte generell erlaubt. In den USA beispielsweise belasten einige Geldautomaten eine sogenannte Service Fee von ein bis drei Dollar.

Außerhalb der Eurozone fällt zusätzlich ein Auslandsentgelt an. Es werden verschieden hohe Prozentsätze von meist 1,00% bis 2,00% aufgeschlagen, die sich mitunter im Umrechnungskurs verstecken. Consorsbank, Wüstenrot und die DKB bei den so bezeichneten Akivkunden verzichten beim Geldabheben auf das Auslandsentgelt.

Zur Umrechnung der Währung wenden Banken einen vorher bestimmten Devisenkurs an, wobei Devisenkurse günstiger sind als die beim Bargeldwechsel maßgeblichen Sortenkurse. Die Banken rechnen jedoch nicht mit einem einheitlichen Devisenkurs, bei größeren Abhebungen kann es so zu wahrnehmbaren Unterschieden kommen. Wesentlich relevanter: Die Betreiber der ausländischen Geldautomaten lassen die Kunden immer häufiger zwischen einer Kontobelastung in Landeswährung oder in Euro auswählen. Hier sollte man sich stets für die Belastung in Landeswährung entscheiden. Die Automatenanzeige ist oft so gestaltet, dass Kunden verleitet werden, den teureren Button mit der Umrechnung in Euro zu drücken. Die Umrechnung übernimmt dann der Betreiber, der von ihm bestimmte Devisenkurs ist meist schlechter als der Kurs der kartenausgebenden Bank. Zudem verlangt er häufig einen happigen prozentualen Umrechnungszuschlag, ein Hinweis darauf ist am Geldautomaten nicht immer leicht zu finden, oft fehlt er ganz.