Newsletter: Direktbanken.News 08/2010

Willkommen zu den monatlichen News von modern-banking.de


Themenüberblick
1. Accessio ist insolvent
2. BaFin stoppte noa bank
3. Starker Auftakt von GE Capital Direkt mit Tagesgeld
4. SEB verkauft an Santander
5. Phishing höherer Stufe
6. Der monatliche Newsticker
7. Die Zinsentwicklung beim Tagesgeld
8. Die Zinsentwicklung bei den Festzinsanlagen




1. Accessio ist insolvent
Die Accessio Wertpapierhandelshaus AG hat am Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Es läge eine bilanzielle Überschuldung vor und eine positive Fortführungsprognose sei nicht mehr gegeben, hieß es in der Adhoc-Mitteilung des Vorstandes. Gegen Accessio sind mehrere Schadensersatzklagen wegen Beratungsfehlern bei Wertpapieranlagen anhängig, mehrere Klagen führten bereits zu Schuldsprüchen. Das Insolvenzverfahren wird die Durchsetzung von Ansprüchen geschädigter Anleger erschweren. Zur Kundengewinnung subventionierte Accessio Tagesgeldkonten, die von der DAB bank geführt wurden und auch durch die dortige Einlagensicherung geschützt sind. Diese Zinsangebote wurden im Neugeschäft im Juni 2009 eingestellt. Damals entzog die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Lizenz zur Erbringung von Finanzdienstleistungen, wogegen das Unternehmen jedoch erfolgreich Widerspruch einlegte. Die übergeordnete Holding, die Driver & Bengsch AG, ist ebenfalls finanziell angeschlagen. Gemäß einer Pflichtmitteilung von Ende Mai hatte diese im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals zu verzeichnen.

2. BaFin stoppte noa bank
François Jozic, Gründer der noa bank, gestand ein, dass nicht die eigene Entscheidung, sondern ein formaler Beschluss der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dazu führte, dass seine Bank keine Einlagen mehr annimmt. Die BaFin untersagte ihr Ende Juni ebenfalls, Kredite zu vergeben. Es sei mit der Behörde abgestimmt gewesen, dass die eigentlichen Gründe verborgen bleiben, schreibt er im Unternehmens-Blog. Er drückte Bedauern aus, sein Transparenz-Versprechen in diesem Zusammenhang gebrochen zu haben. Im Kampf um das Fortbestehen seines Unternehmens wendet sich Jozic nun an die Öffentlichkeit, ruft sogar zu einer Petition an die Bundeskanzlerin auf. Damit möchte er erreichen, dass seine Bank von der Bankenaufsicht so fair behandelt wird, wie andere Banken auch. Es würde enormer Druck mit einer hohen Dringlichkeit aufgebaut. Offenbar stören sich andere Banken und das "Establishment" an dem Erfolg der noa bank, so seine wiederholt geäußerte Befürchtung.
Die BaFin beanstandet in erster Linie eine zu geringe Eigenkapitalquote. Die noa bank sei Teil eines Firmengeflechts. Deswegen müsse bei der Beurteilung der Eigenkapitalquote nicht nur die Bank alleine, sondern die ganze Gruppe mit einbezogen werden. Um Finanzprobleme abzuwenden, kann die BaFin für einzelne Institute Ausnahmeregeln bei der Berechnung des Eigenkapitals anwenden. noa bank liegt unterhalb der Quote von 8 Prozent. Die BaFin verweist außerdem darauf, dass das ihr im März 2009 vorgetragene Geschäftsmodell geändert wurde. Und sie vertritt die Auffassung, dass durch die Verluste des Vorgänger-Instituts zukünftig Schwierigkeiten entstehen könnten. Eine wesentliche Anforderung an die noa bank ist daher, neues Eigenkapital zu finden. 2 Millionen Euro sollen laut Jozic mittlerweile durch eine Investorengruppe zur Verfügung gestellt worden sein. Er bemühe sich um weitere Aufstockung.

3. Starker Auftakt von GE Capital Direkt mit Tagesgeld
Die Online-Bank GE Capital Direkt, seit 12.7.10 am Markt, bietet einen Tagesgeldzins von derzeit 2,25% und damit mehr als die bislang Führenden Bank of Scotland und NIBC Direct. Ziel ist offensichtlich, schnell bekannt zu werden und eine beträchtliche Summe an Geldern anzuziehen. Die Zinsen werden vierteljährlich gutgeschrieben. Es gibt keine Mindest- oder Höchsteinlage. Einlagen sind über die gesetzliche deutsche Entschädigungseinrichtung und darüber hinaus über den Bundesverband deutscher Banken e. V. in Millionenhöhe abgesichert.
Mit der Online-Marke richtet sich die GE Capital Bank Germany, die sonst auf mittelständische Betriebe spezialisiert ist, an Privatkunden. Das Tagesgeld dient der günstigen Refinanzierung von Factoring, Leasing und Investitionskrediten. Im Stil nachhaltiger Bankangebote wird von einer sinnstiftenden Wirkung der Anlagegelder gesprochen. Mit einer Geldanlage unterstütze der Kunde den deutschen Mittelstand, heißt es. Eine solche Wirkung wäre dann aber sicherlich kein Alleinstellungsmerkmal, sondern träfe auf viele Banken mit Firmenkundengeschäft zu. GE Capital Bank Germany ist Teil der Finanzsparte des US-Mischkonzerns General Electric. Der Konzern hatte in Deutschland schon einmal ein Angebot für private Kunden. Vor rund zwei Jahren veräußerte er seine deutsche GE Money Bank mit Filialnetz an Banco Santander.

4. SEB verkauft an Santander
Die schwedische SEB hat sich mit der spanischen Banco Santander auf den Verkauf ihres deutschen Privatkundengeschäfts geeinigt. Der Kaufpreis betrage 555 Millionen Euro, teilten beide Unternehmen mit. Die SEB betreut bundesweit rund eine Million Kunden in 173 Filialen. Sie zieht sich nicht komplett vom deutschen Markt zurück, das Geschäft mit Firmenkunden und institutionellen Kunden verbleibt bei den Nordeuropäern. Die Abspaltung ist nach eigenen Angaben zunächst mit hohen Kosten verbunden und die verbleibenden Einheiten müssen neu aufgestellt werden. Die Transaktion soll nach Mitteilung von Santander 2011 abgeschlossen werden; SEB nannte Ende des Jahres 2010 als Termin. Die Transaktion unterliegt noch den aufsichtsrechtlichen Genehmigungen.
Das deutsche Privatkundengeschäft der SEB, das aus der 2001 erworbenen BfG Bank hervorging, galt als zu klein und renditeschwach. Die Schweden trugen sich schon länger mit dem Gedanken, dieses aufzugeben. Schon in mehreren Anläufen wurde mit potenziellen Interessenten gesprochen. Zuletzt hatten sich die Hinweise verdichtet, dass Santander zum Zuge kommen werde. Auch die italienische Unicredit wollte die SEB-Filialen, allerdings ohne die Zentrale in Frankfurt und zu einem geringeren Preis. Santander, die selbst sechs Millionen Kunden und 176 Filialen in Deutschland zählt, ist besonders gut aufgestellt bei Konsumentenkrediten. Sie integrierte hierzulande zuvor die Kreditspezialisten GE Money Bank und RBS. Der jetzige Zukauf verbreitert nun das Angebot. Die Kundenprofile beider Häuser sind sehr unterschiedlich. Gemäß einer Studie des Marktforschungsinstituts Psychonomics hat Santander viele vergleichsfreudige und fordernde Kunden, während die Kunden der SEB eine deutlich engere Beraterbindung aufweisen.

5. Phishing höherer Stufe
Betrüger versuchen derzeit, über gefälschte Einblendungen auf echten Bankportalen an Daten von Kunden zu gelangen. Das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnten vor dieser neuen Art von Phishing-Angriffen. Ausgangspunkt der Angriffswelle sei ein seit mehreren Jahren im Umlauf befindlicher Trojaner, also eine Schadsoftware, die man sich beim ganz normalen Internet-Surfen einfangen kann. Wenn ein PC mit diesem Trojaner infiziert ist und der Nutzer die Anmeldeseite zum Online-Banking seiner Bank oder seines Kreditkartenanbieters aufruft, sorgt der Trojaner dafür, dass manipulierte Inhalte angezeigt werden. Unter einem Vorwand wird beispielsweise nach mehreren TANs oder der Kreditkartennummer gefragt. Die Einblendungen sind oft in schlechtem Deutsch verfasst. Die Behörden raten, Aufforderungen genau zu prüfen und bei Verdacht auf Manipulation die Daten nicht einzugeben. Im Zweifelsfall sollte man Kontakt zur Bank aufnehmen. Um vorzubeugen, sollten stets ein aktuelles Virenschutzprogramm und eine Firewall eingesetzt sowie Sicherheitsupdates für weitere verwendete Software installiert werden.

6. Der monatliche Newsticker
++ Wüstenrot zahlt ab sofort auch einen Startbonus bei den Girokonten. Dieser beträgt EUR 33,00. Das Angebot gilt bei Erstabschluss bis 30.9.10 und einem regelmäßigen monatlichen Geldeingang von mindestens EUR 1.000 beim "Top Giro" bzw. EUR 250,00 beim "Top Giro young". Der Bonus wird nach drei Monaten gutgeschrieben ++ das Bundeskartellamt lehnt den Kompromiss über ein zulässiges Kundenentgelt an fremden Geldautomaten von EUR 5,00 nun offiziell ab. Die Höchstgrenze sei einfach zu hoch und würde sich wie ein Festbetrag auswirken, den kaum eine Bank unterschreitet. Die Bankenverbände müssen einen neuen Vorschlag erarbeiten und eine annehmbare Lösung finden. Anderenfalls könnte die Behörde ihre Drohung wahr machen und untersuchen, ob die bestehenden Automatenverbünde kartellrechtlich überhaupt zulässig sind ++ comdirect änderte die Gebühren für Sparpläne auf Exchange Traded Funds (ETFs) und für Sparpläne auf Zertifikate. Bei geringen Sparraten bis EUR 226,00 ist dies von Vorteil, bei Sparraten über diesem Betrag bis unter EUR 600,00 von Nachteil. Seit August werden 1,50% des Ordervolumens, maximal EUR 4,90, für die Ausführung berechnet. Zuvor kam eine Grundgebühr von EUR 2,50 zzgl. 0,40% des Ordervolumens zur Anwendung ++ bei der Depotwechsel-Aktion möchte Cortal Consors nun möglichst den kompletten Depotumzug. Neukunden können dafür dann aber auch einen Tagesgeld-Sonderzins von 4,00% (vorher: 3,20%) für zwölf Monate und Beträge bis EUR 20.000 erhalten. Voraussetzung ist, dass sie ein Wertpapierdepotvolumen von mindestens EUR 6.000 zu Cortal Consors übertragen und dabei die Schließung des Depots bei der Fremdbank beauftragen ++ Ikano Bank verbesserte zum 9.7.10 den Zins für Guthaben auf der "Roten Mastercard" von 2,00% auf 2,22% ++ die "easyCredit-Card" der TeamBank ist ab sofort auch im Internet erhältlich, bisher nur über die easyCredit-Shops. Der Kartenpreis beträgt EUR 19,90 im Jahr. Einkaufsumsätze erzielen einen Cash-Back von 0,50%. Auslandsentgelt und Bargeldgebühr sind moderat. Statt der üblichen Teilzahlungsfunktion gibt es eine Ratenkredit-Option: Ab einem vom Kunden festgelegten Monatsumsatz richtet die Bank für die Rückführung einen separaten Ratenkredit mit festen Raten ein. Dieser hat eine Laufzeit von 60 Monaten und einen bonitätsabhängigen Zins. Liegt der Monatsumsatz dagegen unterhalb des festgelegten Betrages, wird dieser in voller Höhe vom Verrechnungskonto abgebucht. Anzumerken bleibt, dass über Kreditkarte finanzierte Spontankäufe leicht in die Überschuldung führen können ++ ING-DiBa kündigte per Schreiben an die Karteninhaber alle Verträge zu der im Neugeschäft seit mehreren Monaten nicht mehr angebotenen Kreditkarte zum Stichtag 28.9.10. Als Alternative wurde dabei ein Kartenangebot von American Express empfohlen. Die zum Girokonto gehörende Debitkarte "Visa Direkt-Card" ist davon nicht betroffen ++

7. Die Zinsentwicklung beim Tagesgeld
noa bank, die gemäß einem Beschluss der BaFin keine Einlagen mehr entgegennehmen darf, setzte den Zins sowie eine Betragsstufe am 9.7.10 herab. Erst drei Tage später informierte noa-bank-Gründer Jozic im Unternehmens-Blog über die Änderung der Konditionen. Guthabenteile bis EUR 50.000 werden mit 1,50% verzinst, zuvor waren es 2,20% für Guthabenteile bis EUR 500.000. Ob wegen der niedrigeren Zinsen oder der negativen Schlagzeilen - Kunden ziehen derzeit verstärkt Guthaben bei der noa bank ab. Die neue Online-Bank GE Capital Direkt hat die Spitzenposition im Vergleich eingenommen (siehe Themenpunkt 3). mbs direkt verringerte am 12.7.10 bei einer Einlagenhöhe bis unter EUR 500.000 auf 1,40% (vorher: 1,60%). Bank of Scotland setzte der aufkommenden Konkurrenz etwas entgegen und erhöhte zum 15.7.10 ihren Tagesgeldzins von 2,00% auf 2,10% sowie das Startguthaben von EUR 20,00 auf EUR 30,00. Volkswagen Bank direct reduzierte am 15.7.10 den Zins für Bestandskunden um 0,15%. Bei Online-Kontoführung erhalten Anleger 1,35% (vorher: 1,50%) und bei Standard-Kontoführung 1,25% (vorher: 1,40%). Bei MERKUR BANK gilt seit 15.7.10 bei einer Einlagenhöhe von EUR 25.000 bis unter EUR 200.000 ein Zins von 1,65% (vorher: 1,80%) für den gesamten Betrag. Im letzten halben Jahr fast komplett verschwunden, taucht eines der Neukundenangebote wieder bei Volkswagen Bank direct auf: Neukunden erhalten über die Aktion "Plus Konto TopZins" eine Sonderverzinsung von 2,00% p. a. Die Sonderverzinsung ist befristet bis 30.11.10 und gilt für Guthabenteile bis EUR 20.000. finosdirect reduzierte am 15.7.10 von 1,40% auf 1,30%. Das Online-Sparkonto "FlexSparen", das über den ADAC erhältlich ist, verzinst Guthabenteile bis EUR 50.000 seit 15.7.10 mit 1,15% (vorher: 1,40%). Cortal Consors senkte am 16.7.10 den Standardzins von 1,50% auf 1,30%. Oyak Anker Bank änderte ihren seit mehr als sieben Monaten gehaltenen Zins am 21.7.10 um nicht mehr als fünf Hundertstel - von 1,75% auf 1,70%. ICICI Bank, der man es vor gut zweieinhalb Jahren wegen ihrer Hochzinspolitik zutraute, die deutschen Direktbanken in Bedrängnis zu bringen, bietet derzeit kaum mehr als klassische Filialbanken. Am 23.7.10 senkte sie von 1,20% auf 1,00%.
Alte Leipziger Bauspar verzinst seit 1.8.10 mit 0,20% bis 1,10% (vorher: 0,40% bis 1,50%). Die Degussa Bank reduzierte am 1.8.10 um 0,30%. Beim "TopZins online" beträgt die Verzinsung nun 1,75% und beim "TopZins" 1,70%. Bei beiden Zinskonten ist es notwendig, ein Girokonto bei der Degussa Bank zu führen. Triodos Bank änderte erstmalig nach ihrem im Dezember vollzogenen Deutschland-Start, seit 1.8.10 gilt ein Tagesgeldzins von 1,30% (vorher: 1,50%).
zum Vergleich

8. Die Zinsentwicklung bei den Festzinsanlagen
Fidor Bank nahm zum 12.7.10 das Angebot bei 6 Monaten auf 2,00% (vorher: 2,75%) zurück, bei 12 Monaten auf 2,25% (vorher: 3,01%) und bei 2 Jahren auf 2,50% (vorher: 3,30%). Am 19.7.10 führte sie eine 3-jährige Laufzeit zu 3,00% ein. Die DHB Bank reduzierte am 20.7.10 beim "FestgeldONLINE" den Satz der 6-monatigen Anlage auf 1,95% (vorher: 2,10%) und erhöhte den der 12-monatigen Anlage auf 2,35% (vorher: 2,10%). Credit Europe Bank verringerte am 28.7.10 bei den langen Laufzeiten von 7 und 10 Jahren um 0,25% auf 4,00% bzw. 4,25%. Bank of Scotland erhöhte am 29.7.10 bei 3 Jahren auf 2,65% (vorher: 2,50%), bei 4 Jahren auf 3,25% (vorher: 3,15%) und bei 5 Jahren auf 3,90% (vorher: 3,80%). ICICI Bank verringerte am 30.7.10 bei 12 Monaten um 0,30% auf 2,10%.
DHB Bank verbesserte am 2.8.10 beim 3-jährigen "FestgeldONLINE" um 0,25% auf 3,25%. TARGOBANK, die wöchentlich geringfügig nach unten oder oben anpasst, wird am 4.8.10 bei den Laufzeiten ab 2 Jahren um 0,05% bis 0,10% nach unten anpassen.
zum Vergleich

Noch einen schönen Monat August wünscht

m o d e r n - b a n k i n g

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