Brokerage: Smartbroker versus Trade Republic - präferiertes Endgerät vorerst wohl noch am wichtigsten

In den letzten Monaten standen vor allem zwei junge Online-Broker im Vordergrund. Die Rede ist von Smartbroker und Trade Republic. Mit ihren sehr günstigen Orderpreisen verzeichnen sie hohe Kundenzuwächse. Wer für wen geeignet ist, haben wir im Folgenden aufgeschlüsselt.

Smartbroker hat im Dezember 2019 den Betrieb aufgenommen. Es ist ein Angebot der wallstreet:online Gruppe, die ansonsten mehrere auf Finanznachrichten spezialisierte Portale betreibt. Smartbroker besitzt selbst keine Banklizenz, der Bankpartner für das Führen von Depot und Konto ist die DAB BNP Paribas. Die DAB bank kennen viele noch, sie und Consors wurden vor einigen Jahren von der französischen Großbank BNP Paribas erworben. Die jetzige DAB BNP Paribas ist ausschließlich auf White-Label-Tätigkeit für Finanzinstitute und Vermittler spezialisiert. Die Online-Brokerage-Anwendung setzt daher beim Smartbroker auf der der DAB BNP Paribas auf, welche technisch stabil und zuverlässig ist. Smartbroker ist sozusagen ein Stylesheet bzw. eine Schicht darüber.

Bei Trade Republic läuft alles über die Smartphone-App, die Wertpapieraufträge werden darüber erteilt und alle Funktionen finden sich dort. Es gibt kein Brokerage für den Browser. Ziel der Berliner Unternehmensgründer war es, Deutschlands ersten mobilen und provisionsfreien Broker aufzubauen. Das ist sicherlich gelungen und mittlerweile wollen es mehrere Trade Republic gleichtun. Trade Republic spricht Anleger an, die schnell, auch von unterwegs, auf das Marktgeschehen reagieren können möchten. Die ersten Depots hat Trade Republic im Februar 2019 eröffnet. Trade Republic besitzt eine deutsche Lizenz als Wertpapierhandelsbank, betreibt aber kein Einlagengeschäft und darf deshalb die Kundengelder nicht selbst verwahren. Sie arbeiten beim Führen der Depots und Konten mit gleich zwei Partnern zusammen: Die Depotführung und Wertpapierabwicklung übernimmt die Depotbank HSBC Deutschland. An sie lagern zahlreiche Banken aus, was von diesen jedoch nicht unbedingt so deutlich kommuniziert wird. Und das nicht in Wertpapiere investierte Geld ist bei Trade Republic an die solarisBank in Berlin ausgelagert.

  1. Anbieterlink
    zu Smartbroker
  2. Anbieterlink
    zu Trade Republic

Depot und Konto

Sowohl bei Smartbroker als auch bei Trade Republik ist die Depot- und Kontoführung gebührenfrei.

Bei Smartbroker fallen allerdings möglicherweise Negativzinsen an: Übersteigt das durchschnittliche Verhältnis von Guthaben auf dem Depot-Verrechnungskonto den Wert von 15% des Depotbestandes, so werden für den überschießenden Teil Negativzinsen erhoben. Nicht angewendet wird der Negativzins auf neue Geldeingänge jeweils für drei Monate ab dem Eingangstag. So kann man allein durch Abziehen und neu auf das Depot-Verrechnungskonto überweisen Negativzinsen vermeiden. Und wenn bereits ein Depotbestand aufgebaut ist, bleibt ein im Verhältnis dazu passendes Kontoguthaben ohnehin auch für längeres Vorhalten unbestraft.

Kontoguthaben ist bei DAB BNP Paribas, dem Bankpartner von Smartbroker, bis EUR 100.000 je Einleger über die französische Einlagensicherung gesichert, darüber hinaus ist DAB BNP Paribas Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken.

Trade Republic lässt die Depot-Verrechnungskonten wie oben beschrieben von der solarisBank führen. Eine Besonderheit ist dabei, dass es auf einem Treuhandsammelkonto geschieht, bei Einzelkonten würden höhere Verwaltungskosten anfallen, so die Begründung. Das Kontoguthaben ist bei der solarisBank grundsätzlich auch über eine gesetzliche Einlagensicherung geschützt, und zwar der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken. Laut den Angaben von Trade Republic - trotz des Sammelkontos - in Höhe von bis zu EUR 100.000 pro Anleger.

Wertpapierangebot

Das Preis-/Leistungsverzeichnis von Smartbroker umfasst 18 Seiten, das von Trade Republic eine einzige. Das liegt insbesondere am Umfang der Handelsmöglichkeiten. Smartbroker lässt hier kaum Wünsche offen und an einem der Handelsplätze besteht sogar die Möglichkeit, komplett ohne Orderentgelt und ohne direkte Fremdkosten zu handeln. Trade Republik hat einen konträren Ansatz, setzt auf Einfachheit.

Ordermaske Smartbroker

Bei Smartbroker kann über gettex ab EUR 500,00 Ordervolumen ohne Orderentgelt gekauft und verkauft werden. gettex ist über das Auswahlfeld auswählbar, ohne Änderung des Handelsplatzes steht in der Regel ansonsten Lang & Schwarz in der Ordermaske.

Smartbroker bietet Zugang zu sämtlichen Börsen und elektronischen Handelsplätzen in Deutschland und zu 21 ausländischen Börsen. Anleger können somit für das jeweilige Wertpapier einen möglichst optimalen Ausführungsort wählen und internationale Aktien gegebenenfalls an ihrer Heimatbörse handeln. Die Gebühr bei einer Order an einem inländischen Handelsplatz beträgt bei Smartbroker für gewöhnlich EUR 4,00 plus eventuelle Fremdspesen. Noch günstiger ist Smartbroker an den Handelsplätzen gettex oder Lang & Schwarz: Sofern der Orderwert mindestens EUR 500,00 beträgt, fällt nämlich über gettex bei Aktien, Anleihen, ETFs und gemanagte Fonds gar kein Orderentgelt an, und über Lang & Schwarz bei sämtlichen Wertpapieren lediglich EUR 1,00. Die Niedrigpreise für diese beiden Handelsplätze wurden im Mai 2020 eingeführt, womit Smartbroker die auf dieses Segment spezialisierten Gratis-Broker wie Trade Republik eigentlich aussticht.

Der Erwerb von ETFs per Einmalanlage wird bei Smartbroker zum gewöhnlichen Orderpreis abgerechnet. Als Sparplan sind bei Smartbroker mehr als 600 verfügbar, 279 davon im Rahmen von ETF-Aktionskonditionen ohne Orderentgelt. Für eine reguläre Sparplanausführung werden bei Smartbroker 0,20% vom Kurswert erhoben, mindestens EUR 0,80. Die Sparrate darf EUR 25,00 bis EUR 3.000 betragen.
Zu gemangten Fonds besteht bei Smartbroker die Besonderheit, dass der Erwerb ganz ohne Ausgabeaufschlag über die jeweilige Fondsgesellschaft möglich ist. Beim Erwerb per Einmalanlage sowie beim Verkauf fällt stattdessen das Orderentgelt von EUR 4,00 an. Rund 1.440 gemanagte Fonds sind per Sparplan verfügbar, per Sparplan ist der Erwerb nicht mit einem Orderentgelt belegt, was wiederum vorteilhaft ist.

Ordermaske Trade Republic Bank

Die minimalistische Ordermaske von Trade Republic. Ein Limit lässt sich eingeben, wenn man den von Lang & Schwarz gestellten Quote antippt.
Foto: Trade Republic Bank GmbH


Bei Trade Republic sind die Handelsmöglichkeiten auf einen einzigen Handelsplatz beschränkt, ausschließlich bei Lang & Schwarz bzw. dessen Plattform LS Exchange kann gehandelt werden. Dennoch, rund 7.300 Einzelaktien sind verfügbar. Dies umfasst nahezu alle Titel aus dem deutschen Markt sowie eine breite Auswahl aus Europa, Nordamerika und Asien. Bei den Preisen muss man bei Trade Republic nicht viel beachten, für jede ausgeführte Order zahlt man lediglich EUR 1,00 Fremdkostenpauschale. Ansonsten fällt kein Orderentgelt an. Es ist kein Mindestvolumen vorgegeben, deshalb ist Trade Republic zumindest für Anleger, die mit Beträgen unter EUR 500,00 handeln möchten, günstiger als Smartbroker.

An ETFs sind 500 per Einmalanlage verfügbar, ebenso mehr als 300 Sparpläne. Zum eigentlichen großen ETF-Angebot ist anzumerken, dass alle bei Trade Republic verfügbaren ETFs vom Marktführer iShares kommen. Vorteilhaft ist Trade Republic wenn man Aktien per Sparplan kaufen möchte, Trade Republic hat hier mit 1.000 deutschen und internationalen Einzelaktien eines der umfassendsten Angebote. Dass Bruchteile möglich sind, ermöglicht auch Aktien zu erwerben, deren Kurs die Sparrate übersteigt. Bei den Sparplänen in ETFs und Aktien sind bei Trade Republic überhaupt keine direkten Gebühren zu zahlen, die Fremdkostenpauschale fällt bei den ETF-Sparplänen nämlich nicht an. Die Mindestsparrate beträgt lediglich EUR 10,00. Gänzlich im Sortiment fehlen jedoch Anleihen und aktiv gemanagte Fonds.

Bei solchen Niedrigpreisen wie zu gettex und LS Exchange haben die Online-Broker exklusive Vereinbarungen getroffen, um diesen Handelsplätzen Geschäft zuzuführen. Für jeden Trade bekommen sie von diesen eine Rückvergütung. gettex und LS Exchange sind reguliert, weil sie im Rechtsrahmen einer Regionalbörse eingebunden sind. Eine Börse im herkömmlichen Sinn sind sie aber nicht. Die Kurse werden nicht durch Angebot und Nachfrage marktgerecht gebildet, gettex und Lang & Schwarz stellen stattdessen als Market-Maker Quotes. Sie können passende Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenführen oder ihr Selbsteintrittsrecht nutzen. Während der Handelszeiten von Xetra, von 9:00 bis 17:30 Uhr, ist eine Referenz gegeben und man erhält meist ähnlich gute Kurse. Für die Handelsplätze ist es lukrativ, wenn der Kunde besonders früh oder spät handelt - wenn der Referenzmarkt nicht geöffnet ist. Und generell sind Wertpapiere mit breiten Spreads und stark schwankende Kurse lukrativ. Anlegern ist anzuraten, sich bei der Orderaufgabe an Xetra oder einer anderen Börse mit viel Umsatz im jeweiligen Wertpapier zu orientieren und dementsprechend ein Limit zu setzen.

Browser oder App

Smartbroker ist am Laptop oder am PC ideal. Eine Smartphone-App für den Wertpapierhandel gibt es noch nicht. Man könnte sich natürlich auch auf dem Smartphone über den Browser ins Online-Brokerage einloggen. Das Freigeben von Aufträgen mit der SecurePlus-App auf demselben mobilen Gerät funktioniert jedenfalls. Es gibt dafür unter der im Browser eigentlich für das Scannen eingeblendeten QR-Grafik einen kleinen Link, mit dem man zur SecurePlus-App wechselt und dort eine TAN abholen kann. Für die häufige Nutzung ist das Ganze vielen aber sicherlich zu umständlich. Eine App für den Wertpapierhandel sei mit Priorität in Planung. Möglicherweise wird Smartbroker dies über eine Schnittstelle zu "Guidants" unkonventienell umsetzen. Guidants ist eine App eines Drittanbieters, über die potentiell mehrere bestehende Depots verwaltet und Orderaufträge erteilt werden können. Bislang ist das mit Depots von Consorsbank, comdirect und flatex bereits nutzbar.

Trade Republic ist auf Wertpapierhandel per Smartphone-App ausgerichtet. Das Design der App ist möglichst einfach und übersichtlich gehalten. Die Benutzerfreundlichkeit ist daher ein großer Pluspunkt. Jeder weiß aber, eine Smartphone-App ist in den allermeisten Fällen eine Reduktion auf die notwendigsten Informationen. Das bedeutet natürlich auch, dass man bei den Entscheidungen, bei denen es um Geld geht, auf Informationen verzichtet, oder diese, obwohl zusammengehörig, nicht gleichzeitig angezeigt bekommt. Man benötigt eigentlich weitere Nachrichten- oder Informationsquellen. Die Zielgruppe der Wertpapiereinsteiger ist deshalb nur vermeintlich gut bedient, denn Fachwissen und die Notwendigkeit der Vorbereitung wird nicht vermittelt, sondern eher der spielerische, beiläufige Umgang. Die ständige Verfügbarkeit kann dazu verleiten, ständig auf Marktbewegungen reagieren zu wollen. Jedenfalls ist die Verfügbarkeit bei Trade Republic absolut gegeben, mit einem Griff zum Smartphone und wenigen Fingertipps können die Orders erteilt werden.

  1. Anbieterlink
    Smartbroker
    1. EUR 0,00 Orderentgelt am Handelsplatz gettex (ausgenommen der Handel mit Derivaten) und EUR 1,00 Orderentgelt am Handelsplatz Lang & Schwarz, sofern Ordervolumen mindestens EUR 500,00
    2. EUR 4,00 Orderentgelt plus Fremdspesen an allen weiteren deutschen Handelsplätzen
    3. gemanagte Fonds können ohne Ausgabeaufschlag über die Fondsgesellschaft bezogen werden, bei Kauf und Verkauf fallen stattdessen pauschal EUR 4,00 Orderentgelt an
    4. Negativzins bei einer Cashquote von mehr als 15%
    5. Handel ausschließlich per Browser möglich
  2. Anbieterlink
    Trade Republic
    1. kein Orderentgelt, lediglich Fremdkostenpauschale von EUR 1,00 pro Trade
    2. nur ein Handelsplatz verfügbar
    3. viel Auswahl bei Aktien-Sparplänen
    4. keine Anleihen und keine gemanagten Fonds handelbar
    5. ausschließlich per Smartphone-App nutzbar
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