Direktbanken und Online-Broker im Vergleich

Direktbanken in Deuschland 1965-2008

Die Auflistung nennt die wichtigsten Ereignisse in der Entwicklung des Direktbankenmarktes.


Erste Welle: Brief- und Fax-Banking

1965:
- Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung (BSV-Bank), ab 1994 Allgemeine Deutsche Direktbank (DiBa)

1966:
- Absatz-Kreditbank, ab 1986 Augsburger Aktienbank



Zweite Welle: Telefonbanking

Ende der 80er:
- Werbefeldzug der KKB-Bank für Telefonbanking, die KKB-Bank ging später an die Citibank

1989:
- weil das Telefonbanking in den USA schon so schön funktioniert, leistete die amerikanische Citibank in Deutschland kräftig Geburtshilfe

1990:
- Quelle-Bank (ab 1998 Entrium Direct Bankers)
- Volkswagen Bank: erste Direktbank eines deutschen Autokonzerns



Dritte Welle: Multimedia-Direktbanken und Online-Broker

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Kundenmappen spielten bis Ende der 90er eine wichtige Rolle. Die Bank war damit greifbar. Heute kann man sich besser im Internet über das aktuelle Produktangebot informieren.
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1994:
- Direkt Anlage Bank (ab 2001 DAB bank), erster deutscher Direktbroker (Broker der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank)
- Consors Discount Broker (Broker der fränkischen Schmidt-Bank)
- mit der BMW Bank folgt eine weitere Autobank
- Santander Direkt Bank
- Commerzbank startet mit comdirect als erste Großbank eine eigenständige, direkte Vollbank

1995:
- Deutsche Bank folgt mit Bank24 (inklusive Direktbroker-Einheit brokerage 24, die sich ab 2001 maxblue nennt)
- Bank GiroTel (Tochtergesellschaft der Bankgesellschaft Berlin, 1999 an DiBa verkauft)

1996:
- Advance Bank der Bayerischen Vereinsbank startet, will Direktbanking mit Beratung verbinden
- 1822direkt (Tochtergesellschaft der Frankfurter Sparkasse)

1997:
- comdirect beschränkt sich auf das Brokeragegeschäft
- Fimatex (Broker der Société Générale)

1998:
- Dresdner Bank übernimmt Advance Bank
- die niederländische ING steigt bei der DiBa ein
- Börsengänge Consors, Entrium, DAB bank

1999:
- Bank 24 übernimmt Deutsche-Bank-Filialen und wird "Deutsche Bank 24"
- netbank - erste reine Internetbank (Tochtergesellschaft von Sparda-Banken)
- first-e mit Sitz in Irland (Tochtergesellschaft der Banque d'Escompte) wirbt mit hohen Zinsen
- easytrade (Tochtergesellschaft der Postbank)
- Consors drängt in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien und Italien, auch comdirect und DAB bank gingen europaweit auf Tour. Im Überschwang verließen einige die reine Lehre vom filiallosen Vertrieb und bauten "Anlage- und Daytrading-Center" - das US-Vorbild Charles Schwab habe es ja vorgemacht. Ziel: auch ältere, vermögendere Aktionäre zu rekrutieren

2000:
- am 10.3.2000 erreicht der Nemax-50-Index mit 9665,81 Punkten auf Schlusskurs-Basis sein Allzeithoch und verliert bis Jahresende 70%
- Börsengang comdirect
- Entrium wechselt Besitzer (italienische Bank Bipop-Carire)
- Finanzportal moneyshelf (Tochtergesellschaft der Deutschen Bank)
- kurzes Deutschland-Intermezzo des finnischen Drektbrokers eQ Online beginnt
- SEB direct (Tochtergesellschaft der SEB)


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1996 gingen erste Direktbanken online. Das Design der Seiten wurde in regelmäßigen Abständen der Web-Entwicklung angepasst.
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Vierte Welle: Marktbereinigung und Reintegration

2001:
- der Berliner Discountbroker Systracom erregt mit aggressiver Preispolitik, doch die Erfolge bleiben aus, Systracom ist bereits nach einem halben Jahr insolvent
- Direktbroker eQ Online gibt auf
- first-e gibt auf
- Santander Direkt Bank startet Online-Broker Patagon
- Sparkassen übernehmen Online-Broker pulsiv.com von HSBC Trinkhaus & Burkhardt und benennen in S Broker um
- E*TRADE
- moneyshelf gibt auf
- Deutsche Bank reintegriert Deutsche Bank 24
- SEB reintegriert die SEB direct

2002:
- die Broker machen eine schlimme Rosskur durch: Auslandsaktivitäten werden eingestellt, Kosten gedrückt, Preise erhöht
- BNP Paribas (selbst im Besitz der französischen Cortal) übernimmt Consors von der angeschlagenen Schmidt-Bank
- Fimatex übernimmt das bedeutende französische Finanzportal Boursorama
- Patagon wird eingestellt
- die DaimlerChrysler Bank formiert sich zur Direktbank (ab 2008 Mercedes-Benz Bank)
- EthikBank (Tochtergesellschaft der Volksbank Eisenberg)

2003:
- Allianz und Dresdner Bank reintegrieren Advance Bank, die Marke Advance Bank verschwindet
- Postbank reintegriert easytrade
- ING übernimmt Entrium und verschmelzt DiBa/Entrium zur mit Abstand größten deutschen Direktbank
- die spanische Großbank Santander Central Hispano fusioniert ihre beiden Töchter Santander Direkt Bank und CC-Bank



Fünfte Welle: breite Aktzeptanz bei Bankkunden

2004:
- harter Kampf der Anbieter um Marktanteile in den einzelnen Produktsegmenten
- ING-DiBa startet in Österreich und exportiert das Geschäftsmodell "Direktbanken"
- Nordnet erwirbt Stocknet

2005:
- Sparkassen verlieren zunehmend Marktanteile an Direktbanken
- ING-DiBa überschreitet die Schwelle von 5 Millionen Kunden
- Postbank erwirbt BHW und verfügt erstmals über ein flächendeckendes Filialnetz

2006:
- viele kleine ausländische Institute drängen mit aggressiven Zinsangeboten auf den deutschen Markt
- Online-Broker erleben einen Kundenansturm wie seit Jahren nicht mehr
- Discountbroker flatex

2007:
- die Hypothekenblase in den USA platzt
- Handelskonzerne wie Tchibo, C&A, Kaufland oder Rossmann nehmen Bankprodukte ins Sortiment
- ein einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum wird auf den Weg gebracht
- noribank (Tochtergesellschaft der Deutsche Bank)
- Teambank (Tochtergesellschaft der DZ Bank)
- Bank 1 Saar Direkt (Tochtergesellschaft der Bank 1 Saar)
- Deutsche Skatbank (Tochtergesellschaft der VR-Bank Altenburger Land)

2008:
- weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise
- Islands Kaupthing Bank kommt mit hohen Zinsen, doch der Inselstaat und dessen Bankensystem gerät ins Wanken, die Kunden müssen wochenlang um ihre Ersparnisse bangen
- dresdner bank direct24 (Tochtergesellschaft der Dresdner Bank)
- Standard Chartered Bank erwirbt American Express Bank

2009:
- Leitzinsen auf historischem Tief, Europäische Zentralbank stellt Instituten verstärkt Liquidität zur Verfügung
- Einlagensicherung wird verbessert
- Bank of Scotland
- NIBC Direct
- noa bank
- Triodos Bank


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Direktbanken, früher nur Nischenanbieter auf schmalen Vertriebspfaden (Brief und Fax), waren für die Filialbanken lange Jahre keine Gefahr. Der Erfolg der Citibank im Telefonbanking änderte das zügig, das Aufkommen von Online- und Internetdiensten schließlich endgültig. Auf einmal eröffneten Kunden günstige Zweit- und Drittbankverbindungen, um dort preiswerter an bestimmte Bankprodukte zu kommen.



In einer regelrechten Liberalisierungswelle wurden bislang vier "Finanzmarktförderungsgesetze" verabschiedet, die u. a. die Schranke zwischen Banken und anderen Finanzdienstleistern einrissen. Artfremde Firmen können sogenannte Non- und Nearbanks gründen. So nahmen die neu gegründeten Autobanken, ob von VW, BMW oder DaimlerChrysler, den Banken ein riesiges Stück des klassischen Hausbankgeschäfts rund um die Konsumentenkredite weg.



Ob Autokredit, Altersvorsorge, Tagesgeld - die neuen Wettbewerber sind meist nur in bestimmten Teilen des Retail-Geschäfts knallharte Konkurrenten. Für eine Universalbank, die alles anbietet, ist das aber eine wenig beruhigende Nachricht: Sieht sie sich doch in praktisch allen Geschäftsfeldern neuen - und sehr erfolgreich Kunden abwerbenden - Emporkömmlingen gegenüber.



Nahezu jede Großbank gründete eine filiallose Vollbank. Ernsthaft wurde diskutiert, ob die Banken sich mit dieser Konkurrenz im eigenen Haus nicht "kannibalisieren". In der Tat: Wenn Kunden ein Produkt statt zu hohen Preisen in der Filiale zu niedrigen Preisen kaufen, sinken die Einnahmen in den Filialen. Aber das war ja gar nicht unerwünscht - schließlich sollte in Zukunft das wenig lukrative Massengeschäft online vollzogen werden und das Filialnetz ausgedünnt werden. So wie in Finnland, wo die Kombination aus Technologie und Personalabbau funktionierte - dort werden heute die meisten Retail-Geschäfte elektronisch getätigt, im Gegenzug halbierte sich die Zahl der Bankangestellten. In Deutschland dagegen kam es nicht zum Personalabbau. Denn die deutschen Banken installierten ihre neuen Töchter, betrieben aber aus Ungewissheit über die Online-Bereitschaft der Kunden das Filialnetz parallel weiter.



"Wie vermehrt sich eigentlich Geld?", fragt das riesige Plakat am Straßenrand, das eine delikate Szene zeigt, mitten im Wald. In dem der Bock zum Rehlein springt und "aufreitet", es "besteigt" oder "beschält", wie der Tierkundler so sagt. Jawohl, so vermehre sich Geld, versucht uns die Werbung weiszumachen - im Auftrag der Deutschen Bank für das Finanzportal moneyshelf.com. Brünstige Tiere als Vermögensberater - warum eigentlich nicht? Glaubte doch das Menschenvolk Anfang des denkwürdigen Jahres 2000 noch an ganz andere abseitige Geldvermehrungstheorien. Die damaligen Prognosen ließen keine Zweifel: Die von der New Economy getriebene Aktienhausse, die stürmische Entwicklung des Internets und ein immer größerer werdender Kreis an selbstbewussten Bankkunden versprachen goldene Zeiten für Finanzgeschäfte im World Wide Web.



Der tiefe Fall war schmerzhaft. Die lange Börsenbaisse blieb nicht ohne folgen für die auf den Börsenhandel spezialisierten Online-Broker. Auslandsaktivitäten wurden eingestellt, Kosten gedrückt, Personal entlassen, die Geschäftsmodelle auf den Prüfstand gestellt. Die Branche konsolidierte.



Die "Revolution" Internet setzte sich trotz der Rückschläge durch. Immer mehr Bundesbürger sind online und verfügen teilweise über schnelle Breitband-Internetanschlüsse. Online-Banking ist eine beliebte Anwendung, Kunden schätzen die Bequemlichkeit. Direktbanken schreiben wieder gute Geschäftszahlen und gewinnen Marktanteile, was neue Konkurrenten anlockt. Der Wettlauf im Web verschärft sich durch das zusammenwachsende Europa und neue Direkt-Töchter aus dem Sparkassen- und Genossenschaftslager.